Das Tölzer Isarkraftwerk ist seit 1958 in Betrieb. Um eine Konzession für die Weiterführung zu bekommen, muss zum Beispiel ein viertes Wehr anstelle der Bootsrutsche angebaut werden. Auch muss die Fischtreppe (nicht im Bild) neu angelegt werden.
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Das Tölzer Isarkraftwerk ist seit 1958 in Betrieb. Um eine Konzession für die Weiterführung zu bekommen, muss zum Beispiel ein viertes Wehr anstelle der Bootsrutsche angebaut werden. Auch muss die Fischtreppe (nicht im Bild) neu angelegt werden.

Neue Fischaufstiegshilfe und viertes Wehr

Konzession des Tölzer Isarkraftwerks läuft 2024 aus - Diskussion um Verlängerung

Die Konzession des Tölzer Isarkraftwerks läuft 2024 aus. Jährlich erzeugt das Wasserkraftwerk 10 Millionen Kilowattstunden Strom. Geschäftsführer Walter Huber hofft auf Verlängerung.

Bad Tölz – Nach 63 Jahren Betrieb ist das Tölzer Isarkraftwerk etwas in die Jahre gekommen. Ende 2024 erlischt die Konzession für das Bauwerk, das einmal mehr als ein Drittel des benötigten Tölzer Stroms umweltfreundlich erzeugte. Die jährlich erzeugten 10 Millionen Kilowattstunden decken aber auch heute noch 25 Prozent des Stadtwerke-Stroms ab. Es sei ein „Geniestreich“ der Tölzer Stadtväter in den 1950er-Jahren gewesen, als sie sich an den Bau des Kraftwerks wagten, sagt Geschäftsführer Walter Huber. Er hofft natürlich, dass die Konzession verlängert wird.

Tölzer Isarkraftwerk: „Geniestreich“ der Tölzer Stadtväter

Was ist dazu nötig? Genehmigungsbehörde ist das Tölzer Landratsamt, das in dem Verfahren die Fachbehörden beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim und bei der Unteren und Oberen Naturschutzbehörde einbezieht. Gehört werden auch die Träger öffentlicher Belange wie etwa die Fischer und der Bund Naturschutz. Bei einer Antragskonferenz im Landratsamt mit den Behörden wurde bereits über wichtige Voraussetzungen für eine Verlängerung der Konzession gesprochen. Es geht nicht um Kleinigkeiten. „Da kostet uns schon einige Millionen“, sagt Huber.

Verlängerung der Konzession für Isarkraftwerk kostet mehrere Millionen Euro

So müsse zum Beispiel ein viertes Wehr eingebaut werden, um auch bei extremstem Hochwasser, also um die 1000 Kubikmeter pro Sekunde, die Durchlauffähigkeit zu garantieren. Und zwar selbst, wenn ein Wehr defekt ist. Dieses vierte Wehr soll anstelle der Bootsrutsche, flussabwärts also links, angebracht werden. Platz genug sei da.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Erneuerung der Fischaufstiegshilfe. Sie wurde 2005 eingeweiht und ist entgegen landläufiger Meinung tatsächlich in Betrieb, sagt Huber. Allerdings werden die 45 Wasserbecken auf der 200 Meter langen Strecke nur von kleinen Fischen angenommen. Größere wie der Huchen sollen künftig durch eine sauerstoffreichere Lockströmung näher am Wehr zur Fischtreppe gelotst werden. „Das wird ein Mords-Betonbauwerk, das aber im Uferbereich verschwinden wird“, erklärt der Stadtwerke-Chef.

Isarkraftwerk Bad Tölz: Bau eines vierten Wehrs wäre unabdinglich

Dritter großer technischer Brocken wird die Erneuerung der Rechenanlage sein. Derzeit wird von unten nach oben Strauchwerk, Holz und sonstiges Schwemmgut gerecht. Künftig wird ein deutlich feinerer Rechen horizontal arbeiten. Fische werden in ein Gerinne befördert und benutzen sozusagen eine „Fischabstiegshilfe“. An all dem arbeiten derzeit Fachbüros. Parallel dazu werden Daten für einen landschaftspflegerischen Begleitplan erhoben. So werde, sagt Huber, das Aufkommen von Fischen und Vögeln im Bereich des Kraftwerks über ein Jahr untersucht.

Bis die Träger der öffentlichen Belange in dem Verfahren gehört werden, dauert es noch. Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, Friedl Krönauer, ist deshalb auch noch nicht tief genug in die Materie eingetaucht. Generell bejaht er, dass das Isarkraftwerk umweltfreundlichen Strom erzeugt. „Wir sind ja nicht grundsätzlich dagegen“, wehrt er sich gegen das Vorurteil, der BN sei nur ein Nein-Sager. Doch wenn Geld „mit naturfreundlicher Energie verdient wird, muss es so naturverträglich sein, dass es das Label grün auch verdient.“ Was Gewässerökologie oder Geschiebe betreffe, müssten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage der Gestaltung dienen. (Christoph Schnitzer)

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