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Bevor es ins Gelände ging, gaben die Tölzer Bergretter (Foto links, v. re.) Paul Schenk, Michael Haugeneder und Herbert Streibl ihren 17 Kameraden eine theoretische Einweisung.

Kooperationsprojekt

Tölzer Wissen für Bergretter im Iran

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Bergretter aus dem Tölzer Land haben wieder Kollegen im Iran geschult. Die Kooperation besteht seit mehreren Jahren. Und wieder kommen die Mitglieder der Bergwacht begeistert aus Persien zurück.

Bad Tölz– Seit einem schweren Erdbeben in Iran 2003 pflegt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) einen Austausch mit iranischen Rettungsorganisationen, und so entstand auch der Kontakt der Tölzer Bergwacht in dieses Land. Die Verbindungen bleiben trotz der Differenzen in der internationalen Politik auf lokaler Ebene stabil, und die Engagierten wollen sich auch weiterhin gegenseitig besuchen.Paul Schenk vom Tölzer Bergwachtzentrum war schon dreimal, Herbert Streibl zweimal im Iran. Bei der jüngsten Tour Mitte Juli flog erstmals noch Ausbilder Michael Haugeneder mit. Von Seiten des DRK war noch Marc Hofmann mit dabei.

Traf man sich 2017 nahe Teheran, ging es diesmal für eine Woche in den Nordosten nach Darkesh an der Grenze zu Turkmenistan. Dort ist es sehr gebirgig, felsig und trocken. „Die Landschaft erinnert ein bisschen an Kurdistan“, erklärt Paul Schenk.

Die Wiedersehensfreude war groß: Das Tölzer Team traf 17 iranische Kameraden, allesamt Ausbilder der dortigen Bergwacht. Zur Begrüßung gab’s einen „großen Bahnhof“: Auch der Gouverneur der Provinz, der Geschäftsführer des „Iranischen Halbmonds“ (das entspricht dem hiesigen DRK) und der Imam waren gekommen, berichtet Schenk.

Im Mittelpunkt der Schulung standen dieses Mal Abseilübungen aus 100 Metern Höhe, der Bau einer 200 Meter langen Schrägseilbahn sowie das Retten aus einer 70 Meter tiefen Schlucht. „Die Iraner sind top motiviert“, sagt Schenk. Das technische Niveau sei gut, allerdings mangle es an Material. Aus diesem Grund schenkten ihnen die Tölzer einen Seilsatz mit 200 Metern Länge, eine Gebirgstrage und einen Luftrettungssack. „Die Freude war groß“, berichtet Haugeneder.

Im Mittelpunkt der Schulung standen Abseilübungen aus 100 Metern Höhe, der Bau einer Schrägseilbahn und das Retten aus einer 70 Meter tiefen Schlucht. 

Nach einer ausführlichen theoretischen Einweisung wurde dann mehrere Tage lang im Gelände geübt. Für die Tölzer Bergretter war es ungewohnt heiß, Temperaturen von über 40 Grad im Schatten waren nicht leicht zu verkraften. Trotzdem: Alles verlief nach Plan. „Es ist das erklärte Ziel im iranischen Rettungswesen, dass sie sich besser aufstellen wollen“, sagt Haugeneder. Besonders die Art und Weise, wie man in Deutschland dafür Strukturen aufgebaut habe, interessiere sie sehr. „Aber es scheitert leider an Geld und Politik.“

Apropos Politik: Paul Schenk nimmt einen großen Unterschied zwischen der politischen Lage und dem tatsächlichen Leben der Bevölkerung wahr. Habe nach Barack Obamas Atom-Abkommen in dem Land eine regelrechte Aufbruchstimmung geherrscht, sei es nun durch den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump wieder deutlich schlechter geworden. Die Gastfreundschaft der Iraner sei nach wie vor grenzenlos und berührend, berichten die Tölzer. „Aber zum ersten Mal habe ich im Iran Menschen gesehen, die aus dem Müll gegessen haben“, sagt Schenk. Touristen würden derzeit kaum reisen, auch darunter leide die Wirtschaft und nicht zuletzt an einer hohen Inflation.

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Sowohl die Tölzer als auch die iranischen Bergretter hoffen, trotz der internationalen Spannungen ihre Zusammenarbeit fortsetzen zu können. Auch im Iran gehen die Menschen gerne in die Berge, die dort – ähnlich wie in den Alpen – vielfältig und anspruchsvoll sind. Auch Skifahren ist im Norden des Landes möglich. „Unser nächstes Ziel ist eine Winterübung“, sagt Paul Schenk. Schon drei Mal waren die Kameraden aus Persien im Tölzer Land – und die Hoffnung ist, dass sie wieder kommen können.

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