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Vor dem Altar der Tölzer Stadtpfarrkirche setzte der Knabenchor um die Dirigenten Christian Fliegner und Clemens Haudum (an der Truhenorgel) auf das Werk von Johann Sebastian Bach – und auf Volumen.

Tölzer Knabenchor beendet Jubiläumsjahr mit Auftritt in Stadtpfarrkirche

Kraftvolle Jugend

Gerade die jungen Sänger beeindrucken beim Festjahr-Abschlusskonzert des Tölzer Knabenchors in der Stadtpfarrkirche. Die Dirigenten müssen die lautstarke Jugend manchmal sogar bändigen.

Bad Tölz– Barbara Schmidt-Gaden kam gleich auf Johann Sebastian Bach zu sprechen. Sein Werk stehe im Zentrum der Arbeit des Tölzer Knabenchors, sagte die Geschäftsführerin zu Beginn des Konzerts am Freitag in der Stadtpfarrkirche. Es war das letzte im Feierjahr anlässlich des 60. Geburtstags. Bachs Motetten „Lobet den Herrn, alle Heiden“ und „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ standen am Anfang des Abends, die 14-minütige Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“ rundete ihn ab.

Während Christian Fliegner und Clemens Haudum dirigierten, saß der 79-jährige Chorgründer Gerhard Schmidt-Gaden inmitten der Zuhörer. Zur Freude seiner Tochter Barbara: „Schön, dass du heute bei uns bist, Papa“, sagte sie. Der Chorgründer durfte sich über „Timor et tremor“ von Francis Poulenc, Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ sowie zwei alpenländische Passionslieder freuen – ein breit gefächertes Repertoire.

Die Sänger beherrschten die leisen Töne wie im Vers „Denn seine Gnade und Wahrheit“, obwohl sie unmittelbar davor das kräftige „Preiset den Herrn“ gesungen hatten. Volumen und Kraft bevorzugten sie. Manchmal hatte Fliegner fast Mühe, sie zu bändigen. Haudum an der Truhenorgel und Günter Holzhausen an der Violone begleiteten den Gesang dezent und doch tragend. Holzhausen, Kontrabassist und ständiger Continuospieler des Knabenchors, ist Violonen-Profi, hält Vorträge an internationalen Musikhochschulen.

In den Chorreihen beeindruckten vor allem die jungen Sänger. Sie hielten Kurs mit ihrer Stimme, obwohl die Motetten im Kontrapunkt, also mit entgegenlaufenden, eigenständigen Melodien komponiert waren. Sie behielten den Überblick in all der Klangfülle, die die Seele berührte. Die Beherrschung von dissonanten Klängen des 20. Jahrhunderts führte der Chor mit Poulenc vor. In den beiden alpenländischen Passionsliedern, dreistimmig gesungen nur von den Knaben, lernte das Publikum Passionstexte für das Volk kennen: Der Verräter Judas „küsset so falsch“, der Meister wird eilig „weggeschleppt“, klagten die Verse. In den doppelchörigen Motetten stachen ein Dutzend Solisten hervor, darunter auch der Tölzer Julius Steinbach im Männerchor. Den musikalisch dunkel anmutenden und technisch herausfordernden Vers „denn ich habe dich erlöset“ inszenierte das Ensemble beeindruckend gelöst.

Mit dem strahlenden „Halleluja“ aus Bachs „Singet dem Herrn ein neues Lied“ begeisterten sie die Zuhörer abschließend. Das Konzert machte große Vorfreude auf das vierte Knabenchorfestival, das Ende Mai in Bad Tölz stattfindet. (Birgit Botzenhart)

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