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Taxis übernehmen häufig Krankentransporte.

DAK verschickt Brief an tote Mutter

Krebskranke vergisst kurz vor ihrem Tod eine Formalie: Die Krankenkasse will jetzt teils nicht zahlen

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Acht Monate nach dem Tod seiner Mutter bekommt ein Tölzer Post von ihrer Krankenkasse DAK - sie will einen Teil der Transporte nicht bezahlen. Hier schildert der Tölzer den verstörenden Fall.

  • Gertraud Schallenkammer ist an Lungenkrebs gestorben.
  • Kurz vor ihrem Tod waren viele Fahrten nach Tutzing zur Palliativstation nötig.
  • Die Rechnungen dafür hat die Todkranke nicht eingereicht. Und die Krankenkasse DAK will sie auch im Nachhinein zum Teil nicht bezahlen.

Bad Tölz – Christian Schallenkammer bezeichnet sich selbst als nicht gerade zart besaitet. Trotzdem zog es dem Tölzer die Schuhe aus, als ihn vor Kurzem ein Brief an seine Mutter Gertraud erreichte – acht Monaten nach deren Tod. Auch der Inhalt des Schreibens von der DAK war aus Schallenkammers Sicht skurril: Die Krankenkasse weigerte sich, die Fahrten seiner todkranken Mutter zu ihren Ärzten zu bezahlen.

Tölzer muss Krankentransport für verstorbene Mutter bezahlen - weil die vergaß, Rechnungen einzureichen

„Ich hätte gehofft, dass die DAK angesichts einer solchen Situation von dem ganzen Formalismus absieht“, sagt der Tölzer mit Blick auf den Leidensweg seiner Mutter. Gertraud Schallenkammer litt an Lungenkrebs. „Am Schluss war es so schlimm, dass sie zur palliativen Versorgung nach Tutzing musste.“ Weder ihr Sohn noch ihre Schwiegertochter konnten sie jedes Mal fahren: Beide sind berufstätig. Am Ende belief sich die Rechnung bei Taxi Much auf knapp 835 Euro. Nach dem Tod der Mutter soll Christian Schallenkammer diesen Betrag bezahlen. „Mir geht es nicht um das Geld“, sagt er. Schallenkammer will öffentlich machen, wie kühl und herzlos die DAK seine Familie behandelt habe. „Wer es sich aussuchen kann, sollte sich gut überlegen, ob er sich dort versichert.“

Christian Schallenkammer 

Dass die Krankenkasse vor Kurzem eingelenkt hat und vier von sechs Fahrten bezahlen will, ändert nichts an seiner Meinung. „Zwei der beantragten Fahrten konnten nicht übernommen werden, da für diese Fahrten keine ärztliche Verordnung vorgelegt wurde“, teilt DAK-Pressesprecher Stefan Wandel mit. Auf Grundlage dieser Verordnungen entscheidet die Krankenkasse vor Fahrtantritt, ob die Kosten für den Krankentransport übernommen werden oder nicht. Nachträgliche Genehmigungen seien gemäß der gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht möglich.

Bad Tölz: Kurz vor dem Tod andere Dinge im Kopf als Formalitäten

Solche pauschalen Regelungen ärgern Christian Schallenkammer. „Wenn man weiß, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis man stirbt, hat man andere Dinge im Kopf.“ Er wünscht sich mehr Verständnis für die Betroffenen – und weniger Bürokratismus. Zwar hatte Getraud Schallenkammer im September 2018 telefonisch und persönlich im DAK-Servicezentrum in Bad Tölz angefragt, ob eine Übernahme der Kosten für ambulante Behandlungsfahrten möglich sei. Ärztliche Verordnungen legte sie zu diesem Zeitpunkt aber nicht vor. Offenbar sagte sie aber zu, diese nachzureichen. Das geht aus dem Schriftverkehr zwischen der DAK und Christian Schallenkammer hervor. Die Unterlagen nachgereicht hat die schwer kranke Frau allerdings nie.

Neben dem starren Bürokratismus stört Christian Schallenkammer, dass die DAK aus Versehen einen Brief an seine tote Mutter sandte. „So ein Fehler darf nicht passieren“, findet er. DAK-Sprecher Stefan Wandel, zeigt sich zerknirscht: „Der Ende Februar verschickte Brief ist in diesem einen Fall durch eine Unachtsamkeit von uns an Frau Schallenkammer adressiert worden, was uns sehr leidtut.“ Auch wenn es sich um einen Einzelfall gehandelt habe, nehme sein Haus diesen Vorfall zum Anlass, um „unsere Briefkommunikations-Prozesse für solche Konstellationen zu überprüfen“.

Christian Schallenkammer besänftigen solche Aussagen kaum. Auch, dass die Kasse nun knapp 378 Euro der Fahrtkosten übernimmt, bringt ihn nicht dazu, seinen Widerspruch zurückzunehmen.

Der erste positive Eindruck sei schnell einem faden Beigeschmack gewichen. Es seien mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet worden. „Warum ändern sich urplötzlich die Voraussetzungen bei Verstorbenen?“, fragt Schallenkammer. Ob das etwas mit der Anfrage des Tölzer Kurier zu tun gehabt haben könnte? DAK-Sprecher Wandel winkt ab: Bereits zuvor habe der Widerspruchsausschuss entschieden, vier von sechs Fahrten zu übernehmen. Die Auseinandersetzung dauert an.  

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