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Kreisjagdverband und Polizei erklären das richtige Verhalten bei einem Wildunfall

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Von: Elena Royer

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Vorsicht, Wild: Warnschilder, sagt Jäger Josef Heßlinger, sollten auf jeden Fall beachtet werden. Und da heißt auch: Fuß vom Gas.
Vorsicht, Wild: Warnschilder, sagt Jäger Josef Heßlinger, sollten auf jeden Fall beachtet werden. Und da heißt auch: Fuß vom Gas. © dpa

Jetzt im Spätherbst, wenn es früh dämmert, haben Wildunfälle Hochsaison. Doch warum häufen sich die Unfälle gerade jetzt? Wie kann man sie vermeiden und was muss man beachten, wenn es trotzdem zum Zusammenstoß mit einem Tier gekommen ist?

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Im Frühjahr und Herbst ändert sich die Vegetation“, erklärt Josef Heßlinger, Pressereferent des Kreisjagdverbands. „Die Tiere gehen dann da hin, wo es das beste Futter gibt.“ So überquert das Wild beispielsweise die Straße, weil das Gras auf der einen Seite schon gemäht ist, auf der anderen aber noch steht. „In meinem Revier zum Beispiel, auf der Blombergseite, hat das Gras schon früher keine Mineralien mehr. Auf der anderen Seite, auf der Sonnenseite, hat es noch mehr Nährwert. Deswegen laufen die Tiere über die Straße.“

Fuß vom Gas nehmen

Oberstes Gebot ist laut Heßlinger, sich an die „Vorsicht Wild“-Warnschilder zu halten und das Tempo dementsprechend zu drosseln. Auf Strecken, die links und rechts von Wiesen gesäumt sind, könne man die leuchtenden Augen der Tiere im Dunkeln frühzeitig erkennen, so der Jäger. Straßen, die durch den Wald führen, seien unübersichtlicher. Deshalb rät Heßlinger dringend, dort den Fuß vom Gas zu nehmen – auch wenn keine Geschwindigkeitsbegrenzung vorgegeben ist.

Er selbst trage als Jäger auch zur Vermeidung von Wildunfällen bei, indem er Warnreflektoren an den Leitpfosten anbringt. „Die Reflektoren strahlen im 45-Grad-Winkel auf das Feld oder in den Wald. Ihre blaue Farbe schreckt die Tiere ab“, erklärt Heßlinger. Zusätzlich gebe es einen Schaum, der mit Duftmarken von Raubtieren versetzt ist und Wild fernhält, oder kleine Sender, die ein akustisches Signal abgeben, das die Tiere am Straßenrand kurz innehalten lässt.

Wie bei jedem anderen Unfall gilt: Unfallstelle absichern

Wenn alles nicht geholfen hat und ein Zusammenstoß mit dem Wild unvermeidbar ist, sollte man auf keinen Fall das Lenkrad herumreißen um auszuweichen, sondern stattdessen bremsen. „Hat man einen Wildunfall verursacht, sollte man anhalten, den Warnblinker anmachen und ein Warndreieck aufstellen“, sagt Polizeihauptkommissar Lars Werner von der Polizeiinspektion Bad Tölz. „Beim Aussteigen ist es wichtig, eine Warnweste überzuziehen.“ Auch wenn man denke, dass nichts Schlimmes passiert sei, müsse trotzdem die Polizei verständigt werden, ergänzt Heßlinger. Werner bestätigt das: „Die Polizei stellt eine Wildunfallbestätigung für die Teilkaskoversicherung aus.“ Fährt der Unfallverursacher weiter, so Werner, könne das eine Anzeige nach dem bayerischen Jagdgesetz nach sich ziehen.

Damit das Tier nicht unnötig leidet, Zusammenstoß immer melden

„In aller Regel sind die Tiere sehr schwer getroffen“, sagt Heßlinger. „Man sollte einen Unfall deshalb immer melden und nicht gleichgültig sein.“ Die Polizei habe eine Liste mit den Adressen der Revierinhaber, erklären Heßlinger und Werner. So könne der zuständige Jagdpächter verständigt werden, damit er das Tier erlöst.

Auf keinen Fall sollte man zu dem verletzten Tier hingehen, um beispielsweise eine Decke darüber zu breiten. „Wenn sich ein Mensch dem Tier nähert, könnte es hochschrecken und verletzt in den Wald hineinlaufen“, so Heßlinger. „Das erschwert es dem Jäger natürlich, das Wild zu finden.“ Läuft es weg, sei es wichtig, sich die Richtung zu merken, in die das Tier geflüchtet ist, damit der Jäger den Hund auf die Nachsuche ansetzen kann.

„Man kann ein Wildtier nicht tierärztlich versorgen“

„Das Tier zu erschießen, um es von seinem Leid zu erlösen, ist für den Jäger keine schöne Aufgabe“, sagt Heßlinger. „Aber es bleibt nichts anderes übrig. Man kann ein Wildtier nicht tierärztlich versorgen.“ Dem Jäger ist es deshalb ein Anliegen, dass die beteiligten Personen keine Diskussion starten, ob es wirklich nötig sei, das Tier zu töten, sondern weggehen, wenn geschossen werden muss. „Man ist in so einer Situation zwar aufgeregt, trotzdem sollte man einen ruhigen Kopf behalten“, rät Heßlinger den Autofahrern.

Wildunfälle haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen

Dass das Wild nur in der Dämmerung auf die Fahrbahn läuft, davon sollte man als Autofahrer nicht ausgehen. „Auch nachts kann es zu Wildwechsel kommen“, erklärt Heßlinger. „Das liegt daran, dass inzwischen tagsüber so viel im Wald los ist, dass die Tiere gezwungen sind, nachts zu fressen.“ Die Zahl der Wildunfälle habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, so der Jäger. „Betroffen sind aber nicht nur Rehe oder Hirsche, sondern auch Dachse oder Hasen.“

Werner kennt die Wildunfall-Zahlen für den Landkreis. „Bis zum 31. Oktober hatten wir in diesem Jahr 438 Wildunfälle. Die Jahre 2019 und 2018 waren mit 475 und 470 Unfällen ähnlich, wenn man davon ausgeht, dass heuer noch ein paar dazukommen.“ 2020 wurden im Landkreis dagegen nur 366 Wildunfälle registriert. Werner: „Es kann sein, dass das darauf zurückzuführen ist, dass während des Corona-Lockdowns weniger auf den Straßen los war.“

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