Blumen für die Ehefrau und jede Menge Reiseproviant fürs Wohnmobil: Helmuth Lutz (re.) verabschiedet als Raiffeisen-Kreisverbandsvorsitzender seinen langjährigen Kollegen Georg Peiß (58) in den Vorruhesstand.

Georg Peiß verabschiedet

Mehr Zeit für Frau Renate, das Wohnmobil und den neuen Job als Mentaltrainer

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Bad Tölz - Georg Peiß hat den Büroalltag hinter sich gebracht: Der Kreisverband der Raiffeisenbank Tölzer Land hat ihn nun verabschiedet.

Georg Peiß hat die Entscheidung noch nicht bereut. Vor einem Jahr hat er einen Schlussstrich unter sein Berufsleben gezogen und nach 42 Jahren Arbeit für die Raiffeisenbank gesagt: „Ich will nicht mehr.“ Seit Anfang 2016 genießt der 58-jährige Dietramszeller nun den vorgezogenen Ruhestand. „Ich bin erstaunt, wie schnell man den Büroalltag vergessen kann“, sagte Peiß gestern in Bad Tölz. Im Sitzungssaal der Raiffeisenbank Tölzer Land hat ihn der Kreisverband der Raiffeisenbanken im Landkreis offiziell verabschiedet.

„Du hast damals uns Kollegen, deine Mitarbeiter und Kunden ziemlich überrascht“, sagte der Kreisverbandsvorsitzende Helmuth Lutz. Er würdigte Peiß in seiner Laudatio als geradlinigen Kollegen, der den Kreisverband entscheidend geprägt habe. Und er zollte seinem langjährigen Mitstreiter Respekt für seinen konsequenten Schritt – „nach 42 Jahren einer Bilderbuchkarriere“.

Auslöser für den vorzeitigen Rückzug aus dem Bankgeschäft war für Peiß die Regulierungswut der Politik in der Folge der Finanzkrise im Jahr 2008. Lutz kann seinen Kollegen gut verstehen: „Du hast gesagt: Ich will nicht mehr. Nicht, weil ich nicht mehr kann, sondern weil mir keine Möglichkeit mehr bleibt, die Dinge so zu gestalten, wie ich sie mir vorstelle und wie ich sie für richtig halte.“ Immer mehr Vorschriften – auch aus den Büros der eigenen Verbände – tragen laut Lutz „nicht unbedingt dazu bei, unsere Arbeitswelt erträglicher zu machen“. Das führe zu Frust, „denn das ist nicht unsere Welt“.

Lutz erinnerte daran, dass die Genossenschaftsbanken von Mittelständlern gegründet wurden. Und der Mittelstand sei nach wie vor „unsere Kundschaft und der Leistungsträger unserer Wirtschaft“. Und wer den Mittelstand zerstöre, „der zerstört auch unsere Wirtschaft“.

Auch wenn er inzwischen mehr Zeit für seine Frau Renate und die Familie hat sowie für sein Motorrad und das Wohnmobil – und obendrein für sein neues berufliches Engagement als Mentaltrainer: Georg Peiß ist in Gedanken doch immer wieder in der Bankenwelt. Er ist sich sicher: Die Strukturen werden sich völlig verändern, aber es wird auch in Zukunft Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken geben, denn: „Wir alle sind die Heimat unserer Kunden.“

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