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Einem Asylbewerber aus Eritrea wurde zur Last gelegt, in Wolfratshausen eine Vergewaltigung begangen zu haben. Der Vorwurf ließ sich nicht beweisen, er wurde wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung verurteilt. 

Kriminalitätsstatistik der Polizei 

Nur wenige Straftaten von Flüchtlingen im Tölzer Land

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Bad Tölz - Wie oft geraten Flüchtlinge im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Konflikt mit dem Gesetz? Wie viele Ladendiebstähle oder Sexualdelikte begehen sie tatsächlich? Die Statistik der Polizei gibt darüber nun detailliert Auskunft.

Die „gefühlte Wahrheit“ und belastbare Zahlen klaffen bisweilen auseinander. Vermutungen, Asylbewerber könnten für eine starke Zunahme der Straftaten im Landkreis sorgen, finden jedenfalls keine Entsprechung in der polizeilichen Statistik. Das erläuterte nun der Rosenheimer Polizeipräsident Robert Kopp im Landratsamt.

Wie berichtet ist die Zahl der im Landkreis erfassten Straftaten 2015 auf niedrigem Niveau geblieben. Sie stieg um 1,5 Prozent auf 4119 an. „In unserem ganzen Zuständigkeitsbereich ist Bad Tölz-Wolfratshausen der sicherste Landkreis“, sagte der Chef des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Vergleichen lässt sich das anhand der Straftaten pro 100 000 Einwohner. Die Zahl beträgt in Bayern bei 4687, in Oberbayern Süd bei 4159 und in Bad Tölz-Wolfratshausen 3324.

Für das Jahr 2015, das einen ungekannten Zustrom von Flüchtlingen in die Region brachte, hält die Polizeistatistik genau fest, wie viele Straftaten von „Zuwanderern“ begangen wurden. Dieser Begriff umfasst alle Flüchtlinge und Asylbewerber oder Aufenthaltsberechtigte in allen Verfahrensstadien.

Demzufolge waren 78 von insgesamt 2124 ermittelten Tatverdächtigen „Zuwanderer“, also etwa 3,6 Prozent. 45 von diesen 78 Personen wird Körperverletzung zur Last gelegt. Diese Taten wiederum hätten sich ganz überwiegend innerhalb von Sammelunterkünften abgespielt, so Kopp. „Dort leben viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten auf engem Raum zusammen, was zu Aggressionen führen kann“, ergänzte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier. Einen auffällig hohen Anteil haben „Zuwanderer“ an der erfassten „Gewaltkriminalität“. Hier macht diese Gruppe 24 von 117 Tatverdächtigen aus. „Dabei ging es in erster Linie um Widerstand gegen Polizeibeamte“, sagte Kopp.

Der Polizeipräsident zieht aus der Statistik den Schluss: Die Ankunft der Flüchtlinge habe auf die Sicherheit der Menschen, die schon lange vor Ort leben, „nicht die Auswirkungen, wie man meint“. Dies stehe im Gegensatz zu Gerüchten, die „leider zum Beispiel in sozialen Netzwerken kursieren“, sagte er. „Da gibt es die abenteuerlichsten Geschichten von angeblichen Massenvergewaltigungen und reihenweise Ladendiebstählen.“ Die Wahrheit sehe anders aus. So wurden 2015 im Landkreis genau zwei Vergewaltigungen registriert. In einem Fall, der sich wie berichtet am Rande der „Mexican Night“ in Sachsenkam ereignete, wurde ein Deutscher als Tatverdächtiger ermittelt. Wegen Vergewaltigung angeklagt war außerdem ein 21-jähriger Asylbewerber aus Eritrea nach einem Vorfall in Wolfratshausen. Vor Gericht konnte ihm die Vergewaltigung nicht nachgewiesen werden. Er wurde wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung verurteilt.

Die Gesamtzahl der Sexualdelikte im Landkreis stieg 2015 um 15,8 Prozent an. Die prozentuale Steigerung relativiert sich aber, wenn man die niedrige Gesamtzahl von 44 Fällen berücksichtigt. Und davon werden allein acht Taten – sie sollen sich in einer Asylbewerberunterkunft abgespielt haben – einem einzigen Beschuldigten zur Last gelegt. Bei drei von 23 Tatverdächtigen im Bereich Sexualdelikte handelte es sich um Zuwanderer.

Auch in Bezug auf Ladendiebstähle hält sich die Zahl der beschuldigten „Zuwanderer“ in Grenzen. Hier machen sie genau 11 von 203 Tatverdächtigen aus.

Sorgen der Bevölkerung nehme die Polizei dennoch ernst und bemühe sich, Präsenz zu zeigen und etwa mit Fußstreifen „für den Bürger sichtbar zu sein“, sagte Kopp. Dafür, dass bei einigen Bürgern die „gefühlte Sicherheit“ geringer geworden ist und sie sich deshalb Pfefferspray oder den Kleinen Waffenschein anschaffen, sieht Kopp im Geschehen vor Ort keine objektiven Gründe. Die Ursache liege eher in Meldungen wie über die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln.

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