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Der Kreißsaal in Weilheim schließt – vorerst für drei Monate. Nach dem Aus der Tölzer Geburtshilfe verschärft dieser Schritt die Situation für werdende Mütter im Oberland weiter. 

Krise der Geburtshilfe

Schon wieder schließt ein Kreißsaal: „Irgendwann bleibt nur Starnberg übrig“

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Schon wieder schließt eine Geburtshilfe in der Region. In Weilheim soll der Kreißsaal zwar nach drei Monaten Pause wieder in Betrieb gehen. Doch die Sorge um die Situation werdender Mütter im Oberland vergrößert sich.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Es ist die nächste Hiobsbotschaft zum Thema Geburtshilfe im Oberland: Ein halbes Jahr nach Schließung der Geburtshilfe an der Tölzer Asklepios-Stadtklinik gehen zum 1. Oktober auch im Kreißsaal am Weilheimer Krankenhaus die Lichter aus. Die Auswirkungen auf den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen halten sich in Grenzen. Trotzdem: Die Nachricht wirft ein neues Schlaglicht auf die Probleme der Geburtshilfe im ländlichen Raum.

Nach Stand der Dinge ist die Schließung der Weilheimer Geburtshilfe nur vorübergehender Natur. Vier von fünf freiberuflichen Hebammen haben dort gekündigt, deswegen kann der Betrieb aktuell nicht aufrecht erhalten werden. Die Wiedereröffnung ist für den Jahresbeginn 2018 fest vorgesehen.

Vorerst aber fällt für schwangere Frauen in der Region eine Klinik mehr weg, in der sie ihr Kind zur Welt bringen könnten. Aus Bad Tölz-Wolfratshausen hätten bislang nur wenige Weilheim in Betracht gezogen, erklärt Hebamme Kristina Hasenknopf aus Habach. „Die meisten haben Weilheim gar nicht so auf dem Schirm, sondern tendieren eher nach Garmisch.“ Einige wenige Frauen aus Bichl und Benediktbeuern entscheiden sich laut Hasenknopf für eine Geburt in Weilheim, „aber sie sind die Ausnahme“. Die Hebamme kann sich vorstellen, dass diese werdenden Mütter nach Wolfratshausen ausweichen, weil sie kleinere Geburtsstationen vorziehen.

Ob es tatsächlich so kommt, „das ist ganz schwer zu sagen“, meint Hubertus Hollmann, Geschäftsführer der Wolfratshauser Kreisklinik. Aktuell liegen ihm zufolge drei Anmeldungen von Frauen aus dem Bereich Weilheim vor – ob das mit der Kreißsaal-Schließung in er Nachbarstadt zusammenhängt, kann Hollmann nicht sagen. In jedem Fall habe er das Thema mit den acht Beleghebammen sowie den Ärzten an seiner Klinik besprochen. Das Ergebnis: „Wir sind darauf vorbereitet, einige Geburten mehr zu betreuen, wir können es leisten.“ Hollmann rechnet damit, dass die Zahl der Geburten an der Kreisklinik heuer bei etwa 380 liegen wird – gegenüber 260 im Vorjahr. Der Zuwachs sei auf die Schließung der Tölzer Geburtshilfe zurückzuführen. Um die Zukunft der Wolfratshauser Geburtshilfe abzusichern, wird wie berichtet über eine Kooperation mit der Starnberger Klinik verhandelt. Dazu Hollmann: „Wir sind dran.“

Die Tölzer Hebamme Doris Wallé bestätigt: Nach dem Aus in Bad Tölz seien die Frauen aus dem südlichen Landkreis vor allem nach Wolfratshausen und nach Agatharied ausgewichen – nach Weilheim so gut wie gar nicht. Trotzdem alarmiert sie die Schließung in Weilheim. „Von den kleinen Geburtshilfen verschwindet eine nach der anderen“, sagt sie. In Weilheim gab es vergangenes Jahr 345 Geburten, heuer waren es bis 1. August 186. An eine Wiedereröffnung zum 1. Januar mag Wallé noch nicht recht glauben – und sie geht davon aus, dass sich die Spirale weiterdrehen wird.

„Als nächstes werden die Geburtshilfen mit 1000 Geburten im Jahr schließen, dann die mit 2000.“ Das würde bedeuten, dass auf mittelfristige Sicht auch die Geburtshilfen in Garmisch-Partenkirchen und Agatharied (je um die 1000 Geburten) keinen Bestand hätten, und irgendwann im weiten Umkreis nur noch Starnberg und Harlaching als große Geburtszentren übrig blieben – eine Vision, die Wallé für alles andere als erstrebenswert hält.: „Entweder man kommt weg von der kranken Vorstellung, dass es nur noch riesige Medizinzentren geben darf, oder es können noch ganz viele Klinken zumachen.“

Was genau ihre Kolleginnen in Weilheim dazu brachte zu kündigen, das weiß Doris Wallé nicht. „Aber es muss schon viel passieren, damit eine Hebamme hinwirft“, sagt sie. Allgemein verschlechtere sich die Situation ihres Berufsstands immer mehr – zuletzt durch die Entscheidung einer Schiedsstelle bezüglich der Vergütung freiberuflicher Hebammen. Demnach dürfen sie nur noch die Betreuung von maximal zwei Schwangeren gleichzeitig abrechnen. In der Praxis sind es laut Wallé aber bisweilen deutlich mehr Fälle in einer Stunde – dafür dann phasenweise wieder gar keine, was sich bislang finanziell einigermaßen ausglich. „Man hat das Gefühl, unser Beruf soll ausradiert werden“, sagt die Tölzerin.

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