Die Corona-Selbsttests sind auf Schloss Hohenburg angekommen: Sportlehrkraft Daniela Waidhauser (li.) und Vize-Schulleiterin Barbara Fischer verteilen sie.
+
Die Corona-Selbsttests sind auf Schloss Hohenburg angekommen: Sportlehrkraft Daniela Waidhauser (li.) und Vize-Schulleiterin Barbara Fischer verteilen sie.

Schule in der Pandemie

Kritik an Corona-Selbsttests für Grundschüler

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
    schließen

Seit Mitte der Woche gibt es an den Schulen Corona-Selbsttests für Lehrer. Bald sollen welche für Schüler folgen. Vor allem im Grundschulbereich sehen das viele Pädagogen kritisch. Sie hoffen, dass sich die Vorgaben ändern – auch wenn sie eigentlich genug vom allgemeinen Regelwirrwarr haben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bärbel Weixner hat zwei Elternbriefe vorbereitet: Einen für den Fall, dass ab nächster Woche wieder Wechselunterricht im Landkreis angeordnet wird. Und einen, wenn weiterhin Präsenzunterricht erlaubt ist. Entscheiden wird dies das Landratsamt am heutigen Freitag zwischen 9 und 10 Uhr, abhängig von der Inzidenz. Wenig Zeit also, um Schüler und Eltern zu informieren.

Die Leiterin der Grundschule am Lettenholz in Bad Tölz bleibt trotzdem ruhig: Nach einem Jahr Corona habe sie eine „gewisse Gelassenheit“ entwickelt, sagt Weixner mit Blick auf die sich ständig ändernden Vorgaben aus München. Beim Thema Selbsttests in der Grundschule wird diese Geduld allerdings auf eine harte Probe gestellt. „Das ist unvorstellbar, ich weiß nicht, wie das in der Praxis gehen soll.“

Am Mittwoch konnten sich die Schulen die Selbsttests im Landratsamt abholen. Vorerst stehen allerdings nur Tests für Lehrer zur Verfügung. Nach Willen der Regierung sollen sich die Pädagogen zweimal pro Wochen auf das Coronavirus testen, wenn sie das möchten. Geplant sind in naher Zukunft auch Tests für Schüler: einmal pro Woche unter Aufsicht der Lehrer im Klassenzimmer. Nicht nur aus Sicht von Bärbel Weixner ist das eine völlig undurchdachte Vorgabe. Die meisten Lehrer haben zwar mehr als genug vom ständigen Hin und Her. In diesem Fall aber wären sie offenbar froh über einen plötzlichen Kurswechsel des Kultusministeriums.

Als Personalratsvorsitzender der Lehrkräfte von Grund- und Mittelschulen am Staatlichen Schulamt Bad Tölz setzt sich Bernd Kraft genau dafür ein. „Tests sind gut, aber nicht da, wo sie noch mehr Probleme aufwerfen“, sagt der Rektor der Lenggrieser Mittelschule. Kraft treibt unter anderem das Szenario um, wenn der Test wirklich positiv ausfällt. Was heißt das für den Rest der Klasse, fragt sich Kraft. Ganz davon abgesehen, dass der Stäbchentest gerade für Sechs- oder Siebenjährige nicht einfach zu handhaben sei und eine gewisse Ernsthaftigkeit verlange. Auch um die Lehrer macht sich Kraft Gedanken: Im Gegensatz zu Testzentren hätten sie keine Schutzkleidung zur Verfügung.

Personalrat will, dass Kinder sich zuhause testen

Die Alternative wäre aus seiner Sicht einfach: Grundschüler sollten die Tests zuhause machen dürfen. „Im geschützten Rahmen, wo sie nicht vor der ganzen Klasse bloßgestellt werden und Mama und Papa trösten können, wenn der Test wirklich positiv ausfällt.“ Dann bliebe auch mehr Zeit zum Unterrichten: Nach dem ersten eigenen Selbsttest schätzt Kraft, dass das Prozedere locker 20 bis 25 Minuten einer Schulstunde verschlingen würde. Der Hauptpersonalrat des Kultusministeriums teilt Kraft zufolge seine Ansichten und will sich dafür einsetzen, dass die Tests zuhause gemacht werden dürfen.

Bei älteren Schülern gibt es ebenfalls Bedenken. Insgesamt aber sieht Alexander Göbel den geplanten Selbsttests „eigentlich sehr optimistisch“ entgegen. „Wenn man weiter Präsenzunterricht halten möchte, ist das eine hilfreiche Geschichte, finde ich“, sagt der Leiter des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums in Bad Tölz Allerdings müssten die Tests auch psychologisch gut vorbereitet werden. Denn wie Bernd Kraft fragt sich auch Göbel: „Was passiert, wenn ein Schüler in der Schule positiv getestet wird?“ Das Kollegium werde nun erst einmal die Selbsttests ausprobieren und sich daran gewöhnen – um die Tests der Schüler zu gegebener Zeit kompetent begleiten zu können.

An der St.-Ursula-Mädchenrealschule in Lenggries wartet man derweil ab, welche Vorgaben zu den Selbsttests vom Träger, der Erzdiözese München und Freising, kommen. Laut Barbara Fischer sei diese Haltung beispielhaft für die vorherrschende Arbeitsweise: „Wir gehen gelassen an die Sache ran, arbeiten strukturiert und fokussiert – und nehmen vieles mit Humor“, sagt die stellvertretende Schulleiterin mit Blick auf die schwierigen Rahmenbedingungen.

Allerdings könne man sich diese Gelassenheit auf Schloss Hohenburg nur leisten, weil sehr vieles sehr reibungslos funktioniere. Fischer spielt damit unter anderem auf die guten technischen Voraussetzungen der Schule, die hohe Arbeitsmoral von Lehrern und Schülern sowie die gute Zusammenarbeit mit den Eltern an. „Alle versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare