Die Geburtshilfe an der Kreisklinik Wolfratshausen wird seit 2018 als Außenstelle des Klinikums Starnberg betrieben. Der Landkreis schießt einen jährlichen Defizitausgleich von bis zu 1,5 Millionen Euro zu. Die Hoffnungen, dieses Geld zum Großteil vom Freistaat erstattet zu bekommen, haben sich bislang nicht erfüllt.
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Die Geburtshilfe an der Kreisklinik Wolfratshausen wird seit 2018 als Außenstelle des Klinikums Starnberg betrieben. Der Landkreis schießt einen jährlichen Defizitausgleich von bis zu 1,5 Millionen Euro zu. Die Hoffnungen, dieses Geld zum Großteil vom Freistaat erstattet zu bekommen, haben sich bislang nicht erfüllt.

Landkreis droht erneut auf Kostendefizit sitzen zu bleiben

Geburtshilfe: Landrat übt Kritik an „gnadenlosen Krankenkassen“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) hat in der Kreisausschuss-Sitzung am Montag scharfe Kritik an den Krankenkassen geübt. Die seien „gnadenlos beim Sparen“, sagte er. Das könnte nämlich den Landkreis teuer zu stehen kommen.

  • Schwangere aus dem Südlandkreis müssen zur Entbindung nach Wolfratshausen
  • Erneut gibt es Probleme bei der Abrechnung
  • AOK-Vorstandschefin lehnt Gespräch ab

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wo können Frauen noch entbinden: Das ist im Landkreis ein emotionales Thema. Nach Schließung des Kreißsaals an der Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz hatte die Kreispolitik ihre Kräfte auf die Rettung der Geburtshilfe an der Kreisklinik Wolfratshausen konzentriert. Dort wird die entsprechende Abteilung seit 2018 als Außenstelle des Klinikums Starnberg betrieben. Der Landkreis hat zugesagt, ein jährliches Defizit von bis zu 1,5 Millionen Euro zu übernehmen. Dabei besteht allerdings die Hoffnung, bis zu 85 Prozent davon vom Freistaat ersetzt zu bekommen, der defizitären Einrichtungen im ländlichen Raum unter die Arme greift.

2018 klappte die Erstattung im Landkreis schon mal nicht, weil die Bedingungen des Förderprogramms nicht erfüllt waren. Der Freistaat unterstützt Standorte, die zwischen 300 und 800 Geburten verzeichnen. Das passte, denn Wolfratshausen wies 572 Geburten auf. Eine andere Hürde aber „haben wir gerissen“, so Wolfgang Krause, Abteilungsleiter im Landratsamt. Von allen im Landkreis angemeldeten 1200 Neugeborenen hätte mindestens die Hälfte am Standort Wolfratshausen zur Welt kommen müssen. „Da hat sich der Freistaat nicht erweichen lassen“, sagte Krause und ergänzte: „Heuer werden wir dieses Kriterium voraussichtlich erfüllen.“

Es gibt noch keine Vereinbarung mit den Krankenkassen

Jetzt aber sei das Problem, dass sich das genaue Defizit gar nicht offiziell gegenüber dem Freistaat ausweisen lasse. „Denn es gibt noch keine Vereinbarung mit den Kassen, wie der einzelne Geburtsfall vergütet wird.“ Das Problem: Überschreitet eine Klinik eine vorab vereinbarte Fallzahl, überweisen die Kassen für die „überzähligen“ Fälle weniger Geld. Aktuell, so berichtete Niedermaier, stünden die Kassen auf der Position, die Wolfratshauser Geburten samt und sonders dem Starnberger Klinikum zuzurechnen – wodurch die einzelne Geburt die Kassen um 40 Prozent weniger koste.

Er, Niedermaier, und Karl Roth, bis Ende April Starnberger Landrat, hätten um einen Gesprächstermin bei der AOK-Vorstandschefin gebeten. Sie seien aber bei Irmgard Stippler abgeblitzt. „Sie stand nicht zur Verfügung.“

Info-Film über Kreißsaal in Wolfratshausen geplant

Ausgangspunkt der Debatte war in der Sitzung eigentlich eine andere Säule des staatlichen Geburtshilfe-Programms. So bekommt der Landkreis im Jahr circa 25 000 Euro für die Unterstützung von Hebammen, die in der Wochenbett-Betreuung tätig sind. Im Ausschuss ging es um die Frage, ob davon 6000 bis 8000 Euro verwendet werden sollten, um einen Film über die Abläufe bei Geburten in der Kreisklinik zu produzieren. Laut Krause könnte der Film eine Lücke füllen, nachdem die üblichen Info-Abende für werdende Eltern durch Corona ausfielen oder weniger besucht würden. Einen Teil der Fördergelder in den Film zu stecken, würde aber bedeuten, dass die einzelne Hebamme zum Beispiel statt 2200 nur noch 1500 Euro im Jahr erhält.

ÖDP-Kreisrätin Monika Achermann-Weinert, selbst Hebamme, hatte sich bei ihren Kolleginnen erkundigt. Die Beleghebammen, aus deren Reihen der Film-Vorschlag kam, seien nicht in der Wochenbett-Betreuung tätig und hätten somit noch nicht vom Fördertopf profitiert. Der geplante Film sei auch als Mittel zu verstehen, um mehr Geburten an die Kreisklinik zu ziehen. „Wir haben ja die Aufgabe, diese Klinik zu erhalten – und die Geburtshilfe ist ein Aushängeschild“, argumentierte Achermann-Weinert. Die Wochenbett-Hebammen hätten unterdessen erklärt, es sei schön, das Fördergeld zu bekommen, aber ihre Existenz hänge nicht davon ab. Der Ausschuss war am Ende einstimmig dafür, den Film mit in den Förderantrag aufzunehmen. Das Video soll laut Krause Ende des Jahres fertig sein.

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