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Wer ernsthaft krank ist, sollte sich so schnell wie möglich vom Facharzt untersuchen lassen. Damit die Patienten auch rasch Termine erhalten, soll eine neue Servicestelle Hilfestellung leisten.  

Kritik an neuem Angebot

Facharzt-Termine auch ohne Servicestelle

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Ein schnellerer Weg zu einem Facharzttermin soll die neue Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung sein. Bei Medizinern im Landkreis stößt die Neuerung auf Kritik. Ärztesprecher Dr. Andreas Lang spricht von „blindem politischen Aktionismus“.

Wer ernsthaft krank ist, sollte so schnell wie möglich einen Termin bei einem entsprechenden Facharzt erhalten. Mit der neuen Servicestelle versprechen die Kassenärztlichen Vereinigungen, einen Termin innerhalb von vier Wochen zu finden. Die Bunderegierung hat dies in einem Gesetz festgelegt, das am 25. Januar in Kraft getreten ist.

„Prinzipiell gut“ findet der Tölzer Urologe Dr. Mathias Hoppmann, dass der Patient erfährt, wo es einen freien Termin bei einem Facharzt gibt. Aber der Vorgang könne auch bizarre Formen annehmen. So habe einer seiner Patienten einen freien Termin in Bamberg genannt bekommen, berichtet Hoppmann. Außerdem – und das sei der Knackpunkt – ist das Signal aus Hoppmanns Sicht das falsche: „Suggeriert wird: Wir Fachärzte wollen unseren Patienten keine früheren Termine geben.“ Das sei falsch. „Wir arbeiten am Limit. Wir müssen unsere Terminsprechstunde planen können, um auch lebenswichtige Untersuchungen zeitnah anbieten zu können.“ Selbstverständlich müsse niemand mit Schmerzen mehrere Wochen auf einen Termin warten. Dafür gibt es jeden Tag eine Notfallsprechstunde. Aber für eine Routineuntersuchung, zum Beispiel Vorsorge, seien maximal zwei Monate Wartezeit einzukalkulieren.

Um die Hilfe der Servicestelle in Anspruch nehmen zu können, brauchen gesetzlich Versicherte eine Überweisung eines Hausarztes zu einem Facharzt. Nur bei Frauen- und Augenärzten ist diese nicht nötig. Weiterhin können Patienten auch direkt beim Arzt ihres Vertrauens anrufen und persönlich einen Termin vereinbaren.

Ein Termin sei in dringenden Fällen in seiner Praxis immer zu bekommen, sagt der Tölzer Orthopäde Dr. Maximilian Meichsner. „Bei Engpässen kann es vielleicht mal bis zum nächsten Tag dauern.“ Länger als zwei Wochen müssten Patienten mit weniger dringlichen Problemen selten warten. „Ich denke, dass uns die Servicestelle hier auf dem Land nicht so sehr betrifft. Das ist in Ballungszentren anders.“

Auch der Tölzer HNO-Arzt Dr. Sascha Tengg meint, dass es regionale Unterschiede gebe. „Hier bei uns gibt es sogar eine Überversorgung an HNO-Ärzten.“ Vier seien vorgesehen, neun niedergelassen. Es gebe keinen Patienten, der länger als vier Wochen auf einen Termin bei ihm warten müsse. In dringenden Fällen könne ein Kranker meistens am selben Tag kommen. Aber etwa bei einem Allergietest komme es nicht auf ein oder zwei Wochen an. Für manche Regionen, die nicht so gut versorgt seien, habe die Servicestelle vielleicht einen Sinn. „Aber das Problem ist, dass man sich dann eben nicht aussuchen kann, wohin man geschickt wird und auch weitere Fahrten in Kauf nehmen muss. Ich denke, es ist eher ein Politikum.“

Hertha Pecha, Versichertenvertreterin im Tölzer AOK-Beirat, hält die Vergabestelle „bei bestimmten Fachärzten“ für sinnvoll. „Generell ist die Neuerung schon als positiv anzusehen.“ Zu lange Wartezeiten seien nämlich oft problematisch. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Patienten, die bis zu zwei Monate auf einen Termin warten müssen, dann nicht mehr hingehen.“ Oft seien schwerwiegendere Probleme die Folge.

Für „blinden politischen Aktionismus“ hält Ärztesprecher Dr. Andreas Lang die Einführung der Servicestelle. „Das kostet nur einen Haufen Geld.“ In unserer Region sei sie völlig unnötig. „Wenn jemand seit Monaten ein leichtes Problem hat, kann er auf einen Termin warten. Wenn einer meiner Patienten ein schwerwiegendes Problem hat, dann erhält er einen Facharzt-Termin binnen einer Woche.“ Er kenne die Fachärzte alle und würde im Zweifelsfall auch selbst dort anrufen. „Wenn’s sein muss, organisiere ich auch eine Kernspin-Untersuchung am nächsten Tag.“ Allerdings funktioniere dieses System nur, wenn ausschließlich in ganz dringenden Fällen darauf zurückgegriffen werde. „Es liegt aber an uns Ärzten zu entscheiden, ob ein dringender oder weniger dringender Fall vorliegt.“

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