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Zukunft des „Kesselhauses“ 

Kult-Kneipe baut um und bleibt, wie sie ist

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Die Gerüchte gingen Betreiber Lars Wiedenhofer zuletzt ganz schön auf die Nerven. Aber nein: Die Tölzer Kult-Kneipe „Kesselhaus“ schließt nicht. Große Veränderungen stehen jedoch durchaus an: Wegen Brand- und Lärmschutzauflagen wird kräftig umgebaut. Und Pächter Arnold Torhorst will der Stadt das gesamte Areal des alten Krankenhauses abkaufen.

Bad Tölz – Nein, das „Kesselhaus“ schließt nicht. Lars Wiedenhofer ist froh, dass dieses Gerücht hiermit aus der Welt ist. Der Betreiber der Tölzer Kult-Kneipehat das Gerede der vergangenen Monate satt: „Ich werde am Tag zehnmal gefragt, ob wir zumachen. Und ich kriege zwei bis drei Mails, in denen sich Leute erkundigen, ob sie sich eine andere Stammkneipe suchen müssen.“ Das „Kesselhaus“-Team hat im Lokal ironisch auf das ständige Gemunkel reagiert. Auf einer großen Tafel neben der Männertoilette heißt es: „Ja, wir schließen. Sonntag bis Donnerstag um 1 Uhr. Freitag und Samstag um 3 Uhr. Wir freuen uns weiterhin auf euren Besuch.“

Wo die Gerüchte ihren Ursprung haben, weiß Wiedenhofer nicht, sagt er. Aber völlig aus der Luft gegriffen sind sie nicht: Denn am „Kesselhaus“ – und auf dem ganzen Areal des alten Krankenhauses, in dem die Rehaklinik von ReAL Isarwinkel sitzt – ändert sich einiges. Besser gesagt: Es muss sich einiges ändern. Das Landratsamt hat Auflagen in Sachen Brand- und Lärmschutz erlassen, und deshalb werden derzeit einige Baumaßnahmen am „Kesselhaus“ geplant. In aller Kürze: Küche und Biergarten kommen an andere Stellen, den aktuellen Zelt-Anbau Richtung Osterleite ersetzt ein Neubau mit Veranstaltungsraum und Toiletten.

All das erfährt man von Arnold Torhorst auf Nachfrage. Seine Firma Cipp GmbH pachtet das komplette Gelände seit 1993 von der Stadt. Wiedenhofer, der das „Kesselhaus“ seit 2007 alleine betreibt und dringend einen Geschäftspartner sucht, ist Torhorsts Untermieter.

Dessen Rehaklinik für psychisch kranke Menschen nutzt das alte Krankenhaus und die ehemalige Wäscherei. Das ist der längliche Querbau Richtung Süden, wo auch die „Kesselhaus“-Küche untergebracht ist. „Das Gebäude müssen wir komplett abreißen. Ein Jammer“, findet Torhorst. Er weiß aber, dass das Haus mit den engen Holztreppen und unzureichenden Fluchtwegen „vom Brandschutz her einfach nicht mehr auf dem neuesten Stand ist“. Im südlichen Teil des Querbaus finden sich Therapieräume, Büros und Aufenthaltsräume für das Personal der Rehaklinik. Sie sollen laut Torhorst in einem Neubau unterkommen, der weiter südlich Richtung Südschule errichtet werden soll.

Die „Rennsemmeln“ der Kneipe werden dann woanders belegt. Auch für die Küche entsteht ein Gebäude an der Südseite. „Wir wollen den Eingangsbereich mit Essensausgabe ähnlich wie jetzt gestalten“, sagt Wiedenhofer. Dort, wo der Querbau wegkommt, soll der Biergarten – bislang im Norden – hinziehen.

Der Wohnungsneubau der Stadt an der Osterleite habe mit der Versetzung nichts zu tun, betont Torhorst. Ihm sei nur eine anonyme Lärmbeschwerde von den Anwohnern oberhalb, „Am Schuss“, bekannt.

Den Zelt-Anbau an der Nordseite, eine Art überdachter Biergarten, werde man durch einen Festbau ersetzen, sagt Torhorst. „Das soll ein separater Gastraum werden, wo vielleicht mal ein Kabarettist oder Liedermacher auftreten kann“, ergänzt Wiedenhofer. Eine Plattform für Kleinkunst und Konzerte könne das „Kesselhaus“ bei den aktuellen Gegebenheiten nicht bieten. Die Bühne unten im Barbereich sehe man nicht von überall.

Die Detailplanungen stehen noch aus. Nebenbei bereitet Torhorst mit seiner Cipp GmbH den Erwerb des bislang von der Stadt gepachteten Areals samt der Gebäude vor: „Wir werden im ersten Quartal 2018 kaufen.“ Bürgermeister Josef Janker bestätigt diese Absicht: „Wir sind seit Längerem in Verhandlungen. Die Stadt hat keinen Nutzen für das Gelände.“ Vor „drei oder vier Jahren“ habe der Stadtrat erklärt, dass er grundsätzlich zu einem Verkauf bereit sei. „Die Finanzierung ist aber noch zu klären“, sagt Janker.

Dafür könne die Stadt Cipp entgegenkommen. Die Firma habe viel reininvestiert in den bald 25 Jahren, so der Bürgermeister. Das betont auch Torhorst: In den Jahren 1994 und 1995 zum Beispiel habe man für die Generalsanierung der Gebäude 11,3 Millionen D-Mark ausgegeben.

Für Arnold Torhorst, der das Lokal in der Anfangszeit ab 1995 mit einem Partner zwei Jahre selbst führte, war das „Kesselhaus“ schon immer eine Begegnungsstätte. Für die Zukunft verspricht Betreiber Lars Wiedenhofer: „Das verrückte Haus soll so bleiben, wie es ist. Ob Punker oder Bänker: Jeder ist hier willkommen.“

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