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Das „Summer Village“ im Moraltpark war auch heuer wieder ein finanzielles Minusgeschäft.

Stadtrat

Kultur-Etat soll Risiken abfedern

Ob „Summer Village“, Rosentage oder Openair in der Marktstraße: Private Veranstalter stellen in Bad Tölz etliche Großereignisse auf die Beine. Der Tölzer Stadtrat hat nun grundsätzlich die Einrichtung eines jährlichen Kulturetats beschlossen, um solche Highlights zu bezuschussen oder abzusichern.

Bad Tölz – Rahmenbedingungen und Hintergrund: Die Stadt hat viele private Veranstalter und wird dafür von vielen Kommunen beneidet, die selbst viel Geld in die Hand nehmen, um Großveranstaltungen auf die Beine zu stellen. Die privaten Unternehmer in Tölz tragen allerdings ein hohes finanzielles Risiko und sind dazu zunehmend nicht mehr bereit. Die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier nannte das Beispiel „Summer Village“. Die Veranstalter Peter Frech und Stephanie Hörmann wollen sich zurückziehen (wir berichteten) oder fordern Unterstützung bei wetterbedingten Ausfällen. Im vergangenen Jahr hatte der Amoklauf in München mit neun Toten am Tag des Festival-Starts zu erheblichen Einbußen geführt. Frey-Allgaier erinnerte auch an den „Herbstzauber“, bei dem heuer wegen Regens erstmals ein ganzer Tag weggefallen sei.

Um solche Risiken aufzufangen, soll nun ein Kulturetat im Haushalt aufgestellt werden. Private Veranstalter sollen Zuschüsse beantragen können und müssen dafür Konzept, Kalkulation und vor allem Schlussabrechnung vorlegen. Alternativ denkt die Stadt über Ausfallbürgschaften nach, die nicht vorhersehbare Risiken abdecken.

Im Stadtrat entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. „Was fördere ich, was nicht, das ist schwer abzugrenzen“, meinte Willi Streicher (SPD) und hielt ein Gaufest mit einem Konzert in der Marktstraße für nicht vergleichbar. Ein äußerst exakter Kriterienkatalog wäre auch für den Fraktionskollegen Jürgen Renner unabdingbar.

Florian Rein (FWG), heuer selbst Großveranstalter mit „The Heimatdamisch“ in der Marktstraße, befürwortete die Idee eines Kulturetats. „Kunst und Kultur kosten immer Geld.“ Er erinnerte daran, dass Städte wie Wolfratshausen eine eigene Kulturmanagerin haben, der ein Budget von mehreren 100 000 Euro pro Jahr zur Verfügung stehe. „Und damit“, merkte Kämmerer Hermann Forster an, „machen die eine Kulturwoche, und das war’s dann auch.“ Er rief den Räten in Erinnerung, dass auch die Stadt Tölz viel Geld in die Kultur stecke. Etwa bei der Förderung der übers Jahr laufenden Musikveranstaltungsreihe „Stadt mit der besonderen Note“ im sechsstelligen Euro-Bereich. Forster erkannte ein Darstellungsproblem. „Wir müssen uns da als Stadt besser verkaufen“, hatte auch Streicher vorab gesagt.

Der Kämmerer stellte auch klar, dass es keinen „Selbstbedienungsladen“ geben dürfe, sondern „wir mit einem Kulturetat nur Finanzmittel im Haushalt binden“. Und: „Es geht nur um Großveranstaltungen.“

Michael Lindmair (FWG) dachte einen Schritt weiter. Ein Kulturetat sei wichtig für die Stadt und solle ebenso wie die Märkte künftig in einem aufgewerteten Kur- und Tourismus-Ausschuss behandelt werden. Kurdirektorin Brita Hohenreiter merkte an, dass sich die Stadt nicht nur eine eigene Kulturmanagerin, sondern eine eigene Veranstaltungsabteilung am Max-Höfler-Platz leiste. „Das wird oft vergessen.“

Der sehr detaillierte Beschlussvorschlag mit vier Punkten wurde am Ende auf einen einzigen Grundsatzbeschlusses reduziert. Im Haushalt 2018 wird es nun einen Posten in Höhe von 100.000 Euro für Kultur geben. Private Großveranstalter können Anträge auf Zuschüsse oder Ausfallbürgschaften stellen.

Christoph Schnitzer

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