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Das Team in Äthiopien: Ephrem Bekele (vo. li.) leitet Solgits Projekt vor Ort.

Soziales Projekt

Kunst macht Straßenkinder stark

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Bad Tölz - „Wenn die Gesellschaft nicht gegenseitig auf sich achtet, gibt es kein Wir“: Solomon Solgit, der in Tölz lebt, setzt sich in seiner Heimat Äthiopien für die gesellschaftliche Entwicklung ein. Im September eröffnet sein erstes Jugendzentrum.

Als Solomon Solgit vor einem Jahr in seiner Heimat Äthiopien war, gab es nur einen Ort für Jugendliche – den Fußballplatz. Inzwischen ist der Treffpunkt einem Gebäude gewichen. „Die Jugendlichen sitzen davor und schauen in die Gegend“, berichtet Solgit. Ab September wird es aber wieder einen Ort für die Heranwachsenden geben: Solgit gründet eine Art Jugendzentrum, mit dem er die Jugendlichen in seiner Heimat von der Straße holen will. Das Projekt „SunEko“ liegt ihm am Herzen.

Solomon Solgit lebt seit fünf Jahren mit seiner Frau in Bad Tölz. Der 29-Jährige kommt aus der Stadt Adama in Zentral-Äthiopien. Er lebt seinen Traum, als Akrobat auf der Bühne zu stehen und Jugendliche zu unterrichten. „In Äthiopien gibt es keine Möglichkeit, Künstler zu sein“, sagt Solgit. Kunst zählt nicht als Beruf. Solgits Eltern wollten, dass er studiert, Doktor wird. Doch er hatte Glück und gewann ein Stipendium in China, wo er sein Talent ausleben konnte.

Kunst helfe bei der sozialen Entwicklung, sagt Solgit. „Mit Kunst kann man die Gesellschaft verbessern, Menschen zusammenbringen.“ Das ist die Idee hinter „SunEko“. Solgit arbeitet seit drei Jahren daran, hat ein Team in Äthiopien aufgestellt und ein Gebäude von der Stadtverwaltung seiner Heimat zur Verfügung gestellt bekommen. „Die Non-Profit-Organisation funktioniert, auch wenn ich nicht vor Ort bin.“ In Bad Tölz hat Solgit einen Verein gegründet, der das Projekt unterstützt.

Im September eröffnet das Jugendzentrum in Adama für 150 Mädchen und Buben. Danach will Solgit seine Idee in fünf weiteren Regionen Äthiopiens umsetzen. Es funktioniert wie eine Schule, „aber besser als die reguläre Schule“, sagt Solgit. Kinder und Jugendliche erhalten Zirkus- und Kunsttraining, und das Projekt unterstützt sie mit Nachhilfe und Lernmaterial.

Es wird einen Treffpunkt nach der regulären Schule geben, zu dem jeder kommen kann. Von dort können die Schüler in eine andere Gruppe wechseln, wenn sie Talent haben und fleißig lernen. „Wir motivieren sie, gut zu sein“, sagt Solgit. In einer dritten Gruppe kommen Kinder unter, die keine Familie oder ein schlechtes Sozialleben haben. Für sie will Solgit mit Hilfe der Kunst eine Ersatzfamilie schaffen.

„Wir bauen eine Gesellschaft für sie. Wenn ein Kind ohne Liebe aufwächst und nicht von der Gesellschaft unterstützt wird, ist es ihm egal, später jemanden umzubringen“, sagt Solgit. In seiner Heimat klafft die Schere zwischen arm und reich weit auf. Es gibt Straßenkinder, die überhaupt nicht in die Schule gehen, und arme Kinder, die in der Schule geärgert werden, weil sie die falsche Hose tragen.

Laut Solgit kostet es 35 Euro, damit ein Kind in Äthiopien zur Schule gehen kann. „Es kann viel für die ganze Welt bringen, wenn sich vor Ort etwas bewegt“, sagt der 29-Jährige. Das Projektteam in Äthiopien besteht aus Freunden von Solgit und Unterstützern, die sich bei ihm gemeldet haben, weil das Nationalfernsehen über den Akrobaten berichtet hat. „Sie sind alle mit dem Herzen dabei.“

Weitere Infos zum Projekt gibt es auf www.solomon-solgit.com

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