+
Die über 300 Jahre alte Sänfte, die Elisabeth Hinterstocker hier zeigt, gehört zu den wertvollsten Exponaten im Tölzer Stadtmuseum.  Derzeit ist sie bei der Landesausstellung in Regensburg zu sehen. 

Nach dem Raub in Dresden 

Kunstdiebstähle im Landkreis: Wenn wertvolle Handschuhe, Heiligenfiguren und Bilder verschwinden

  • schließen

Der Kunstraub im Grünen Gewölbe in Dresden ruft auch im Landkreis viele Emotionen hervor. Die Museumsleiter sind sich einig: Absolute Sicherheit gibt es nie. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Was da in Dresden passiert ist, ist ein richtiger Krimi“, sagt Elisabeth Hinterstocker, die Leiterin des Tölzer Stadtmuseums. Und scherzend fügt sie hinzu: „Ich musste gleich an James Bond denken, als ich davon gehört habe, wie es passiert ist.“

Aber Spaß beiseite: Sicherheit in Museen ist auch im Landkreis ein ernstes Thema. Denn Kunstdiebstähle passieren auch im lokalen Raum. Das Tölzer Stadtmuseum besitzt beispielsweise von einem Hauptmann, der in den 1740er-Jahren im Österreichischen Erbfolgekrieg diente und in Gaißach ermordet wurde, einen Säbel und ein Paar blaue Velourslederhandschuhe. „Säbel und Handschuhe wurden vor vielen Jahren immer wieder gestohlen“, weiß Hinterstocker von ihrem Vorgänger.

Die Diebe der Handschuhe konnte man jedes Mal ausfindig machen, aber der Säbel ist bis heute verschwunden. Warum tut jemand so etwas? „Für bestimmte Personen sind das Objekte mit hoher Symbolkraft“, erklärt Hinterstocker. „Da geht es um Familienehre, Selbstverteidigung und Freiheitsgedanken.“ Noch heute hofft sie, dass der Säbel vielleicht im Kunsthandel wieder auftaucht. In den 1930er-Jahren sei sogar eine ganze byzantinische Münzsammlung mit zirka 600 Münzen aus dem Tölzer Museum verschwunden. „Hätten wir sie heute noch, wäre sie ein Aushängeschild für unser Haus.“

Lesen Sie auch: 100 bayerische Schätze, und einer ist aus Tölz

In den vergangenen Jahren kam jedoch nichts mehr abhanden, sagt Hinterstocker. Die Sicherung des Museums entspreche den modernsten Vorschriften. „Aber 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben“, sagt die Direktorin. So müsse man beispielsweise auch einkalkulieren, dass in einer Altstadt jemand über die Dächer flüchte.

Auch im Kochler Franz-Marc-Museum ist man für alle Eventualitäten gewappnet. „Die Sicherung entspricht dem aktuellen Standard und wird immer kontrolliert“, sagt Leiterin Cathrin Klingsöhr-Leroy. Aufgrund der Lage des Museums wären die Fluchtwege kompliziert, da die Zufahrtswege gut abgesperrt werden können. Zudem dürfen in die Ausstellungen keine großen Taschen und Flüssigkeiten mitgenommen werden. Dennoch: „Fast alle Werke und alle Hauptwerke sind verglast.“

Im Walchensee-Museum von Friedhelm Oriwol (im Bild) werden unter anderem Bilder von Lovis Corinth ausgestellt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch.

Wertvolle Exponate beherbergt auch das Walchensee-Museum. „Bei uns ist noch nie etwas gestohlen worden“, sagt Gründer und Leiter Friedhelm Oriwol. Die sehr großen Heimatkundesammlungen seien alle in Verzeichnissen erfasst und mit Fotos sowie Werten bei mehreren Stellen hinterlegt. „Das gleiche gilt auch für die Kunstsammlungen.“ Auch hier wüssten Behörden und Finanzamt genauestens Bescheid. „Wir passen regelmäßig den Wert der Gesamtsammlung der Versicherungssumme an.“ Zudem habe das Museum moderne Sicherheitsanlagen.

Auch im Stadtmuseum in Wolfratshausen kam noch nie etwas abhanden. „Wir haben ein modernes Alarmsystem“, sagt Martin Melf, Rathaus-Abteilungsleiter für den Bereich Verwaltung, Service und Bildung.

Melf denkt jedoch auch an die vielen Kapellen auf dem Land, in denen immer wieder etwas gestohlen wird. Er kann sich noch gut daran erinnern, als in den 1970er-Jahren in die Schimmelkapelle in Ascholding eingebrochen wurde. Sein Onkel war dort Kirchenpfleger. Die Täter schlugen mit Brecheisen Gemälde aus dem Balkongitter. Dabei verursachten sie nicht nur materiellen Schaden in der Kirche. „Gestohlen wurde unser immaterielles, geschichtliches Genmaterial“, sagt Melf. Er wird emotional, wenn er an diesen und ähnliche Vorfälle denkt. „Kunst hat Geschichte, sie trägt zur Identität einer Stadt und einer Region bei. Es ist mit das Schlimmste, was man einer Gesellschaft antun kann.“

Immer wieder wurden aus Kirchen Votivtafeln und Heiligenfiguren gestohlen. „Und das alles nur für ein paar Euro auf dem Kunstmarkt“, sagt Melf traurig. „Dabei sind das alles Sachen von großem Wert für die Region.“ Auch wenn man eine Figur nachschnitzen könnte, „es wird nie mehr die alte sein“.

Melf beobachtet mit Sorge, dass bei Kunstdiebstählen die Brutalität steigt. Ähnlich wie Hinterstocker denkt auch er, dass es absolute Sicherheit nie geben werde. „Dann müssten wir ja alle Sachen in den Safe legen.“ Das sei aber nicht der Sinn eines Museums, und zudem würde man sich dann den Dieben beugen. Melf wünscht sich, dass Kunstdiebstähle härter bestraft werden.

„Ich hoffe ja noch immer, dass die gestohlenen Juwelen in Dresden Duplikate waren“, sagt Anita Zwicknagl, stellvertretende Fachbereichsleiterin für Kultur, Archiv und Museum in Geretsried. Im dortigen Museum werden die Exponate in Vitrinen gelagert, es gibt Absperrbänder und eine Aufsicht. Abhanden kam dort noch nie etwas, sagt Zwicknagl.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

In der Lenggrieser Kläranlage wird aus Faulgas Strom und Wärme
Aus Faulgas wird in der Lenggrieser Kläranlage Strom und Wärme gewonnen. Das könnte mittelfristig dafür sorgen, dass die Gebühren für die Bürger sinken.
In der Lenggrieser Kläranlage wird aus Faulgas Strom und Wärme
Neue Ausstellung im Stadtmuseum: „Wenn Engel ihreFlügel schwingen“
Der Tölzer Christkindlmarkt bekommt ab diesem Wochenende eine besinnliche Station: Das Stadtmuseum zeigt die Ausstellung „Wenn Engel ihre Flügel schwingen“.
Neue Ausstellung im Stadtmuseum: „Wenn Engel ihreFlügel schwingen“
Allzeit mit der Natur verbunden: Trauer um den bekannten Maler Erwin Beier
Eine große Trauergemeinde hat vor wenigen Tagen in Bichl Abschied genommen von Erwin Beier (78). Der bekannte Maler ist Ende November nach kurzer, schwerer Krankheit im …
Allzeit mit der Natur verbunden: Trauer um den bekannten Maler Erwin Beier
Auf der Tölzer Isarbrücke könnte es bald rund gehen: Zweiter Kreisel geplant
Auf der Tölzer Isarbrücke könnte es demnächst rund gehen: Die Stadt lässt den Bau eines weiteren Kreisverkehrs am Marktstraßenende prüfen. Das könnte auch eine deutliche …
Auf der Tölzer Isarbrücke könnte es bald rund gehen: Zweiter Kreisel geplant

Kommentare