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Die Szenen stammt aus dem Film „Willi“ , gedreht in München.

Kurzfilme im Tölzer Kino

Erzählkunst in zehn Minuten

Im Zeitalter von Twitter und Kurznachrichten darf diese Kunst nicht fehlen: jene der Kurzfilme. Fünf solche Werke zeigt Michael Fackelmann am Sonntag, 8. Oktober, im Kino am Tölzer Amortplatz.

Bad TölzIn jeweils etwa zehn Minuten erzählen die Filme Geschichten unterschiedlichster Art. Der Autor und Regisseur wird am Sonntag vor Ort dem Publikum Hintergründe erklären. 

Der Rentner Willi will etwas Anderes. Er verlässt seine kleine Wohnung und begibt sich in die Großstadt. Dort macht er vor einem Passanten einen Handstand, auf den ein Jugendlicher aufmerksam wird. Der Jüngere nimmt den Älteren mit zu seinem Kumpel – und weiter tief hinein in die Stadt. „Liesbeth und die Männerherzen“ basiert auf einer Kindergeschichte, die Fackelmanns Schwester und die Cousine schrieben. Der später bekannte Herzensbrecher Horst Janson spielt zusammen mit Monika Lundi in dieser tragischen Liebesromanze. Hier ist Fackelmanns Kunst zu sehen: Die Kameraführung beim Tanz lässt den Schauspielern Raum.

Die fünf Streifen drehte der Fotograf, Filmemacher und Autor Fackelmann zwischen 1964 und 1972. Sie sind alle in Schwarz-Weiß gehalten, liefen deutschlandweit als Vorfilme in Kinos und erhielten alle das höchste Prädikat. „Wenn der Kinobetreiber einen Film mit Prädikat zeigte, entfiel für ihn die Vergnügungssteuer“, erklärt Fackelmann. Die Auszeichnung war keine Selbstverständlichkeit: „Viele meiner jungen Kollegen gingen leer aus und erhielten damit auch keine Fördergelder“, sagt der Absolvent der Kunsthochschule Hamburg.

Für seinen Film „Musentempel“, der ebenfalls am Sonntag gezeigt wird, nahm Fackelmann 1964 Besucher im Pariser Louvre auf. „Ich bin damals einfach mit meinem Stativ und der Kamera in den Louvre reinspaziert“, berichtet er. „Das wäre heute ja gar nicht mehr denkbar.“ Damals aber störte sich niemand an dem Kameramann. Und die Beobachteten sind köstlich anzusehen. Heutige Museumsbesucher sind deutlich abgeklärter, die Kunst bringt sie kaum mehr zum Staunen. Nicht so damals: Lange, konzentrierte, aber auch irritierte Blicke und sogar Hände, die die Kunstwerke berühren, hat Fackelmann eingefangen.

Weitere Infos: Unter dem Titel „50 Jahre später – 5 Kurzfilme von Michael Fackelmann“ zeigt der Filmemacher seine Werke am Sonntag, 8. Oktober, um 11.30 Uhr im Kino am Amortplatz. bib

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