Bernhard Redel Inhaber von „Hut und Tracht“
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Bernhard Redel Inhaber von „Hut und Tracht“

Fakeshop-Falle

Ladenschließung erfunden: „Hut & Tracht“ Opfer von Betrug

  • Melina Staar
    VonMelina Staar
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Bernhard Redel, Geschäftsinhaber von „Hut & Tracht“ entdeckte gefälschte Abverkaufs-Werbung im Internet. Die Verfolgung der Urheber ist kaum möglich.

Bad Tölz/Holzkirchen/Westerham – Geärgert hat sich Bernhard Redel von „Hut & Tracht“, das auch eine Filiale in der Tölzer Marktstraße besitzt, kürzlich über eine Anzeige bei Facebook. Von mehreren Kunden wurde er im Laufe der vergangenen Woche darauf aufmerksam gemacht, dass Fotos von seinen Trachtenprodukten verwendet wurden, versehen mit dem Hinweis, dass man leider das Geschäft schließen müsse und es deshalb einen großen Abverkauf gebe.

Kunden wurden aufmerksam auf Fotos von Redels Trachtenprodukten

„Andere Kunden haben sich an uns gewandt und gesagt, dass sie es schade fänden, dass wir zumachen.“ Aber das entspreche nicht der Wahrheit. Natürlich habe sein Geschäft unter der derzeitigen Krise zu leiden, sagt Redel. „Momentan hat keiner die Motivation, Tracht zu kaufen.“ Aber geschlossen wird trotzdem nicht. Redel hat sich bei Mitbewerbern schlau gemacht: Es gibt noch weitere Firmen, die von dieser Falsch-Werbung betroffen sind. Einer der Kollegen habe sich bei der Polizei informiert und die Information bekommen, dass es schlicht unmöglich sei, die Urheber zu verfolgen. „Die sitzen irgendwo im nicht-europäischen Ausland.“ Die angegebenen Kontaktmöglichkeiten würden nicht funktionieren. „Das sind reine Fake-Seiten, darauf ausgelegt, jemanden abzuzocken.“ Für die Bilder der Fake-Werbung haben sich die Drahtzieher ausschließlich hochwertige, namhafte Trachtengeschäfte ausgesucht.

Noch weitere Firmen von Falsch-Werbung betroffen

Wenn nun jemand auf die Anzeige reagiere und sich über diese Facebook-Seite vermeintlich hochwertige Produkte kaufen wolle, bekomme er „nicht das, was er bestellt hat“, sagt Redel. Im ersten Moment sei er schon geschockt gewesen. Gerade in der jetzigen Zeit hätte Bernhard Redel auf diesen Ärger gut verzichten können. „Es ist schon der Hammer. Aber dann habe ich es relativiert. Weil wir ja nichts tun können.“ Und weil sein Geschäft schließlich überall sehr präsent sei und den Kunden somit schnell klar sei, dass es nicht schließe. „Uns selber schadet es wahrscheinlich nicht so. Wir werden die Kunden wieder mit unserer eigenen Werbung überzeugen. Energie für solche Machenschaften einzusetzen, lohnt sich nicht.“

Typische Masche von „Fakeshops“

Anzeigen in diese Richtung seien bislang nicht eingegangen, so Carolin Englert vom Polizeipräsidium Oberbayern auf Anfrage. Allerdings sei die Masche eines „Fakeshops“, also eines „Anscheinsladens“ bekannt. Dort würden „Artikel zu außerordentlich günstigen Preisen angeboten“. Die Täter erwecken den Anschein einer bekannten, vertrauenswürdigen Handelsplattform. Es gehe hierbei ausschließlich um Lockangebote, um Schnäppchenjäger dazu zu bekommen, die Waren zu kaufen. Als Zahlungsmöglichkeit werde immer nur Vorkasse angeboten. Meist könnten die Kunden, so Englert weiter, wie bei einem richtigen Online-Shop den Bestellvorgang verfolgen und den Zahlungseingang beobachten. Oft folgt darauf allerdings kein Warenempfang und wenn habe dieser nichts mit dem Bestellten zu tun oder sei von minderwertiger Qualität. Eine Rückgabe sei nicht möglich, „das Geld der Kunden ist weg“. Durch solche Shops entstünde hoher wirtschaftlicher Schaden. Bei Fakeshops im Allgemeinen sei eine Ermittlung äußerst aufwendig, „da sich die Täter im Internet nahezu anonym bewegen können“.

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