Mehr Infrastruktur für Elektroautos: Im Landkreis laufen aktuell viele Bemühungen, um mehr Ladestationen – wie hier auf dem Gelände der Stadtwerke Bad Tölz – zu schaffen.
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Mehr Infrastruktur für Elektroautos: Im Landkreis laufen aktuell viele Bemühungen, um mehr Ladestationen – wie hier auf dem Gelände der Stadtwerke Bad Tölz – zu schaffen.

Elektromobilität

E-Ladestationen in Bad Tölz: Nachfrage steigt „extrem“

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Elektromobilität wird ein immer größeres Thema im Tölzer Land. Die Nachfrage steigt stark an. Nun reagiert die Stadt und prüft neue Standorte für Ladestationen.

Bad Tölz – Ingo Mehner ist hin- und hergerissen, wenn es um das Thema Elektromobilität geht. Auf der einen Seite glaubt er nicht, dass diese Antriebsart für die weltweite Klimabilanz den ganz großen Durchbruch bringt. Ganz bewusst hat sich der Tölzer Bürgermeister daher auch noch kein E-Auto gekauft. Auf der anderen Seite spürt er, dass die Nachfrage nach Ladestationen extrem steigt – wovon die Stadtwerke profitieren.

E-Mobilität: Tölzer Bürgermeister Mehner hin- und hergerissen

Und so will sich Mehner dafür einsetzen, dass die Anzahl der Ladestationen im Stadtgebiet erheblich steigt. Die „Boston Consulting Group“ prophezeit in einer Studie, dass das Stromgeschäft mit E-Autos in den kommenden Jahren rasant wachsen wird. Die Unternehmensberatung geht davon aus, dass im Jahr 2030 jedes zweite zugelassene Fahrzeug ein E-Auto ist, berichtet das „Handelsblatt“. Die Zahl der Ladepunkte werde sich verzehnfachen. Die Fahrzeuge werden Strom im Wert von sieben Milliarden Euro verbrauchen, prognostizieren die Experten.

Dieser Trend spiegelt sich in den Zahlen im Landkreis wider. Die Zahl der Elektrofahrzeuge, die hier unterwegs sind, stieg in den vergangenen zwei Jahren von 229 auf 625. Die Zahl der Ladesäulen kletterte innerhalb von drei Jahren von 13 auf 33.

Dem Trend zur Elektromobilität will sich die Stadt Bad Tölz nicht verschließen. Für den Betrieb von zwei E-Bussen der Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) steuert die Stadt 10 000 Euro pro Monat bei. „Die Bevölkerung wünscht sich weniger Lärm und weniger Abgase“, sagt Mehner. „Und das schaffen wir mit E-Bussen.“

Oberlandenergie will Kommunen beim Ausbau unterstützen

Seine private Meinung zum Thema weltweite Ökobilanz sei in diesem Zusammenhang uninteressant: „Als Stadt hinterfragen wir das nicht, sondern schauen, ob es Nachfrage nach Infrastruktur gibt. Wer bei uns wohnt, arbeitet oder einkauft, der erwartet, dass es Tankstellen für Strom gibt.“ Derzeit werde geprüft, an welchen Stellen im Stadtgebiet neue Ladesäulen entstehen können. Teils befänden sich die möglichen Standorte auf privatem, teils auf städtischem Grund. Abgesehen davon gibt sich der Bürgermeister zugeknöpft: „Ich will keine Wasserstandsmeldungen kommunizieren, wie viele Flächen in Frage kommen.“

Der regionale Energieversorger „17er Oberlandenergie“ bietet den Mitgliedskommunen an, sie beim Aufbau der Elektro-Infrastruktur zu unterstützen. Außerdem weist die Oberlandenergie in einem Schreiben an die Gemeinden darauf hin, dass neue Ladestationen vom Staat üppig gefördert werden – die Gemeinden können beim Bau mit bis zu 80 Prozent Zuschuss rechnen. Auf das Schreiben habe es eine große Resonanz gegeben, berichtet Vertriebsleiter Klaus Hochwind: „So ungefähr 15 Kommunen haben sich schon gerührt. Man spürt, dass sich beim Thema E-Mobilität eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Es gibt ein Umdenken, die Nachfrage der Tourismus-Betreiber ist da.“

Stadt Bad Tölz prüft neue Standorte

Dies bestätigt Michael Betzl, Vertriebsleiter bei den Tölzer Stadtwerken: „Der Strom-Absatz an den Ladesäulen steigt exponentiell.“ Die Entwicklung hin zur Elektromobilität lasse sich nicht mehr aufhalten. Zum einen übe die EU „massivsten“ Druck auf die Fahrzeughersteller aus, die Emissionswerte zu senken. Zum anderen werde die Elektromobilität stark gefördert. Die Zahlen der Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen hätten sich innerhalb von einem Jahr auf 200 000 verdreifacht. Wenn man davon ausgehe, dass der Markt jedes Jahr um 30 Prozent weiterwächst, sei das von der Bundesregierung vorgegebene Ziel – zehn Millionen E-Autos bis 2030 – locker zu erreichen. Betzl ist überzeugt: „Der Trend wird sich massivst fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass die Verkaufsziele mehr als erreicht werden.“

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