Landgericht

Happige Haftstrafen für Drogen-Trio

  • schließen

Bad Tölz/München – Nach monatelangem Prozess hat das Landgericht München II ein Drogen-Trio aus dem Raum Bad Tölz zu happigen Haftstrafen verurteilt.

Ein Lagerarbeiter (27) erhielt eine Strafe von sechs Jahren, außerdem wurde seine Unterbringung in einer Entzugsklinik angeordnet. Ein Schweißer (29) muss für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis, ein Medientechniker (42) für fünf Jahre. Alle drei nahmen die Strafe ohne äußerliche Regung entgegen. Sie hatten wohl schon mit Verurteilungen in dieser Größenordnung gerechnet.

Es war ein wahrer Drogensumpf, der vergangenes Jahr in Bad Tölz trockengelegt wurde. Dreh- und Angelpunkt war ein berufsloser Tölzer (27), der Amphetamine aus Holland heranschaffte und in der Heimat verkaufte. Er war bereits im April zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt und ebenfalls in die Entziehungsanstalt eingewiesen worden. Als er über die Drogenmachenschaften auspackte, trat er damit sieben weitere Verfahren los, unter anderem gegen das Trio.

Der Rädelsführer musste auch im aktuellen Prozess als Zeuge aussagen und wurde dafür aus dem Gefängnis gebracht. Möglicherweise aus Angst ließ der Lagerarbeiter noch schnell über seinen Verteidiger ein Geständnis ablegen. Er gab allerdings an, vom Amphetamin-Angebot des Tölzers überrollt worden zu sein. „Ich habe nichts vorbestellt. Er ist einfach gekommen und hat gesagt: Du nimmst es, ich brauche es nicht. Er hat es mir fast aufgedrängt.“ Der 27-Jährige schilderte es etwas anders. Fakt ist aber, dass der Lagerarbeiter 2,5 Kilogramm Amphetamin bekam – teils zum Weiterverkauf, teils zum eigenen Konsum. Auch mit Marihuana, Haschisch, Kokain, Heroin und Ecstasy hat er in erheblichen Mengen gedealt.

Der Medientechniker hatte dem verurteilten Tölzer Marihuana und Ecstasy-Tabletten verkauft und bei ihm ein Kilo Amphetamingemisch zum Preis von 2500 Euro bestellt, die er aber wegen der Festnahme seines Dealers nicht mehr in die Hände bekam.

Auch der Schweißer hatte bei dem Hintermann Amphetamin erworben – einmal sogar 1,5 Kilo. „Er sagte, er habe so viel und fragte, ob ich nicht was haben wolle“, schilderte er. Er räumte auch ein, seine Wohnung als Lager zur Verfügung gestellt zu haben. Weiterverkauft habe er Drogen nur, um seinen eigenen Konsum zu finanzieren.

Der Schweißer war der erste, der merkte, dass ihm die Drogengeschichten über den Kopf wuchsen. Deshalb sei er extra nach München gezogen, „um wegzukommen von Tölz“. Doch da war es schon zu spät. Seit 1. Dezember 2015 sitzt er ebenso wie seine Mitverurteilten in Untersuchungshaft. 

Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Stromausfall im Gewerbegebiet
Im Tölzer Gewerbegebiet Farchet fiel am Freitag gegen 13 Uhr für 15 Minuten der Strom aus - weil zu diesem Zeitpunkt zu viel Strom ins Netz eingespeist wurde.  
Stromausfall im Gewerbegebiet
Sommer-Stimmung an der Loisach: Unser Leserfoto des Tages
Sommer-Stimmung an der Loisach: Unser Leserfoto des Tages
1200-Jahrfeier in Steingau und Erlach
Die Steingauer und Erlacher hatten Glück: Während am Freitagabend ein folgenschweres Unwetter über die Region hinwegzog, lachte am Sonntag die Sonne vom Himmel. Beste …
1200-Jahrfeier in Steingau und Erlach
Krebspatientin Jacky Drappeldrey (27) gestorben
Krebspatientin Jacky Drappeldrey (27) gestorben

Kommentare