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Bei einer Pressekonferenz zogen (v. re.) Kreisbrandrat Alfred Schmeide und Landrat Josef Niedermaier Bilanz.

Schneechaos

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Das Ende des  Katastrophenfalls

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Der Katastrophenfall ist seit Dienstagvormittag aufgehoben, an diesem Mittwoch beginnt auch wieder der reguläre Schulunterricht. Zeit für eine Bilanz des Großeinsatzes, der 3347 Rettungskräfte über vier Tage lang in Atem hielt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Der Katastrophenfall ist beendet“, sagte Landrat Josef Niedermaier am Dienstagvormittag bei einer Pressekonferenz. Ihm war es vor allem ein großes Anliegen, Danke zu sagen – den Rettungskräften, die draußen auf den Dächern geschaufelt oder anderweitig geholfen hatten, aber auch denen, die in der Einsatzzentrale im Landratsamt alles koordinierten. „Wir hätten es nicht geschafft, wenn Ihr nicht alle so tatkräftig hingelangt hättet.“

Donnerstagabend um 22.37 Uhr hatte Niedermaier den Katastrophenfall ausgerufen. Zuvor hatte es Gespräche mit den Bürgermeistern der 21 Gemeinden gegeben. Schon da zeigte sich, dass die Betroffenheit im Landkreis völlig unterschiedlich war. Während im Loisachtal beispielsweise alles noch im grünen Bereich war, war schnell klar, dass in Dietramszell, Icking oder auch Geretsried ohne Hilfe von außen nichts mehr gehen würde. Dass ausgerechnet das Mittelzentrum Geretsried-Wolfratshausen beim Abschaufeln der Dächer besonderen Bedarf hatte, erkläre sich durch die Schneelastzonen. Im Landkreis-Süden sind Häuser so gebaut, dass die Dächer höhere Schneelasten aushalten, „während in Geretsried schon bei deutlich geringerer Belastung Probleme erkennbar sind“, erklärte Niedermaier. Zwar seien die Zonen nach dem Ausnahmewinter 2005/06 angepasst worden. „Aber das ändert ja nichts an den älteren Gebäuden.“

Das Ausrufen des Katastrophenfalls „heißt nicht, dass die Welt untergeht“, verdeutlichte der Landrat noch einmal. Es sei ein „verfahrenstechnischer Vorgang“. Einsatzkräfte von außen können so mobilisiert und vor allem koordiniert werden. „Bei mehr als 1000 Helfern läuft sonst jeder irgendwohin – das wäre dann die wirkliche Katastrophe“, sagte der Landrat.

Sechs leichtverletzte Rettungskräfte

Und zu koordinieren gab es einiges, wie Kreisbrandrat und Örtlicher Einsatzleiter Alfred Schmeide erkläuterte. 3347 Einsatzkräfte waren im Landkreis tätig. „Eine beeindruckende Zahl.“ Darunter Feuerwehr-Hilfekontingente aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, Stadt und Landkreis Straubing, aus Rottal Inn und Kelheim. Dazu kamen Feuerwehr-Führungskräfte aus dem Landkreis München und von der Staatlichen Feuerwehrschule in Geretsried, Kräfte von BRK und Bergwacht, THW, Bereitschaftspolizei, Gebirgsjäger aus Mittenwald und „zivile Kräfte, die die Autokräne bedient haben und vom Maschinenring“, so Schmeide.

Besonderes Lob gab es fürs BRK, das sich um die Verpflegung der Helfer kümmerte. Bis zu 1100 Personen mussten pro Tag in den Feldküchen bekocht werden. „Und eine Portion für jemanden, der die ganze Zeit schaufelt, schaut anders aus als eine normale“, sagte Josef Niedermaier.

Trotz aller Vorsicht gab es bei den Einsätzen sechs Leichtverletzte – drei aus den eigenen Reihen der Landkreisfeuerwehren, drei aus den Hilfekontingenten. Quetschungen, Prellungen, eine Augenverletzung durch einen zurückschnalzenden Ast und ein Sturz von einer Leiter waren dabei.

Trauer um drei Tote

Tief betroffen ist Niedermaier nach wie vor über den tödlichen Unfall eines Räumfahrzeugsfahrers am Freitag. Trotz dieses Schocks verrichteten die trauernden Kollegen aus der Straßenmeisterei aber weiterhin ihren Dienst. „Das nötigt mir einen Heidenrespekt ab“, sagte der Landrat. „Unser ganzes Mitgefühl gilt jetzt seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen.“

Das Schneechaos hatte in der vergangenen Woche noch zwei weitere Menschenleben gefordert. Am vorvergangenen Samstag starb ein 19-Jähriger bei einem Zusammenstoß auf der B 472 bei Reichersbeuern, einen Tag später wurde ein Skitourengeher (44) am Blomberg von einem abgebrochenen Baumwipfel erschlagen.

Was die Einsätze im Zuge des Katastrophenfalls gekosten haben, lasse sich noch nicht beziffern, sagt Niedermaier. „Jede Zahl, die wir jetzt nennen würden, wäre verkehrt.“ Zunächst werden die Kosten von jeder Organisation oder den Gemeinden selbst bezahlt, dann können die Rechnungen bei der Regierung von Oberbayern eingereicht werden.

Ab Mittwoch wieder Schule

Nach über einer Woche Unterrichtsausfall beginnt an diesem Mittwoch, 16. Januar, auch wieder die Schule. Die lokale Koordinierungsgruppe Schulausfall hatte das am Dienstagvormittag nach engem Austausch mit der Führungsgruppe Katastrophenschutz entschieden. Allerdings nimmt die Bayerische Oberlandbahn (BOB) voraussichtlich erst im Laufe des Tages den Betrieb auf der Strecke von Holzkirchen nach Lenggries wieder auf. Das Landratsamt empfiehlt auch Schülern, die aus noch schlecht erreichbaren Regionen kommen und nicht in die Schule gehen können, sich direkt mit den Schulen in Verbindung zu setzen.

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