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Eine Wohnung zu mieten, ist im Landkreis teuer. Deshalb hat der Sozialausschuss nun die Grenze angepasst, bis zu der der Landkreis die Miete bei Hartz-IV- und Sozialhilfe-Empfängern übernimmt. 

Landkreis erstattet höhere Mietkosten

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Wer auf Sozialhilfe oder Hartz IV angewiesen ist, findet im Tölzer Land kaum eine Wohnung, bei der das Amt die Miete in voller Höhe erstattet. Das hat auch der Landkreis erkannt und bessert jetzt nach.

Bad Tölz – Die Mieten im Landkreis sind in den vergangenen Jahren explodiert. Wohnraum ist knapp, neue Wohnungen entstehen anscheinend vor allem im Luxusbereich. Davon kann jeder ein Lied singen, der umziehen möchte. Noch schwieriger ist es, eine Wohnung zu finden, wenn man auf Hartz IV, Sozialhilfe oder Grundsicherung angewiesen ist und das Amt nur bis zu einer genau definierten Obergrenze die Miete übernimmt. 3000 Menschen im Landkreis sind davon betroffen. Für einen Ein-Personen-Haushalt lag diese Grenze bislang bei 360 Euro. Für zwei Personen gab es maximal 440 Euro. Diese Richtwerte gelten im Landkreis seit 2009. „Bei der Mietpreisentwicklung bei uns dürfte jedem klar sein, dass das überholt ist“, sagte Kreis-Sozialamtsleiter Thomas Bigl am Montag im Kreis-Sozialausschuss. Höchste Zeit also für eine Anpassung.

Die Festlegung einer angemessenen Mietobergrenze darf nicht einfach willkürlich erfolgen, schließlich soll sie später auch etwaigen Klagen standhalten. Tatsächlich ist das Erkunden des Mietmarkts und das Zusammentragen und Auswerten von Daten so umfangreich und komplex, dass der Landkreis dafür ein externes Büro mit an Bord holen musste.

Eine der wesentlichen Veränderungen ist, dass der Landkreis bei den Mietobergrenzen nicht mehr einheitlich behandelt wird. Warum? Weil Wohnen in Münsing einfach teurer ist als in Bichl, weil eine Wohnung in Bad Tölz mehr kostet als in Benediktbeuern. Daher wurde der Landkreis jetzt in drei Zonen eingeteilt. Im Nordwesten, zu dem Wolfratshausen, Geretsried, Münsing und Icking gehören, liegt die Mietobergrenze für einen Zwei-Personen-Haushalt künftig bei 600 Euro, in der Zone Nord (mit Bad Tölz) bei 550 Euro und im Süden (Loisachtal mit Lenggries, Gaißach und der Jachenau) bei 490 Euro. Ähnlich fallen die Staffelungen bei den Drei- bis Fünf-Personen-Haushalten aus. „Die Steigerungen bei den Mietobergrenzen liegen zwischen acht und 36 Prozent“, sagt Bigl mit Blick auf die bislang geltende Richtlinie.

Fehlender Wohnraum ist „die größte Baustelle“

Grünen-Kreisrätin Barbara Schwendner begrüßte die Anpassung. „Auf dem freien Wohnungsmarkt dürfte es trotzdem hier und da schwer werden, etwas zu finden.“ Sie appellierte daher, verstärkt in den sozialen Wohnungsbau einzusteigen. Und nicht nur in diesen, ergänzte Landrat Josef Niedermaier. München müsste jedes Jahr zehntausende Wohnungen schaffen, um dem Zuzug Herr zu werden. „Die Stadt redet mittlerweile mit allen umliegenden Landkreisen, wie wir das Problem gemeinsam lösen können.“ Dazu wäre es auch nötig, mal in den Landgemeinden über Geschosswohnungsbau nachzudenken. „Aber das ist ja oft politisch nicht gewollt.“ Dass fehlender Wohnraum „die größte Baustelle ist“, bestätigte auch Bigl. „Und daran ändert auch die Anpassung der Mietobergrenze nichts.“

Die Anhebung wurde vom Ausschuss einstimmig befürwortet. Stimmen nun noch Kreisausschuss und Kreistag zu, könnte die neue Richtlinie ab Juni in Kraft treten. Wie lang sie dieses Mal gilt, wird sich zeigen. Bigl: „Wir werden beobachten müssen, wo sich die Mieten im Landkreis hinbewegen.“

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