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Im Tölzer Kreisausschuss gab es jetzt einen Zwischenbericht zum Thema Jugendhilfe.

Landkreis ist in der Jugendhilfe „super aufgestellt“

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Bad Tölz - Ein sehr gutes Zeugnis stellt ein externer Controller der Jugendhilfe im Landkreis aus.

Mit Sorge hatte die CSU-Fraktion im Kreistag die steigenden Kosten in der Jugendhilfe beobachtet. Zuletzt belief sich das Budget auf rund neun Millionen Euro. Bereits Anfang des Jahres war daher – auch von den Grünen – ein externes Controlling gefordert worden. Ein Experte sollte sich die Kostenentwicklung anschauen, deren Aufwärtstrend erklären und Optimierungspotenzial aufzeigen. Beispielsweise forderte die CSU in ihrem Antrag „auf alle Maßnahmen, die nicht zielführend und dringend notwendig sind, zu verzichten“ (wir berichteten).

Das Controlling wurde ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam das Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung – kurz Inso. Dessen Vertreter Marco Szlapka gab jüngst im Kreisausschuss einen Zwischenbericht ab.

Von 2005 bis 2011 habe es im Landkreis eine Budgetsteigerung von 30 Prozent gegeben. Im bayernweiten Schnitt stiegen die Kosten allerdings um 60 Prozent. Auch im Vergleich zu den anderen oberbayerischen Landkreisen ist die Steigerung eher gering. „Vielleicht ein schwacher Trost für Sie“, sagte Szlapka.

Auf relativ gleichbleibendem Niveau sind die Ausgaben für die Unterbringung von Kindern in Heimplätzen oder in Pflegefamilien. Deutlich gestiegen sind dagegen die ambulanten Hilfen. Das liegt aber auch an staatlichen Vorgaben. In diesen Bereich fällt nämlich auch die sogenannte Eingliederungshilfe. Schulbegleiter sollen behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern den Besuch einer Regelschule ermöglichen. Dabei handelt es sich um eine 1:1-Betreuung. Die Kosten sind entsprechend hoch. „Dahinter steckt der Inklusionsgedanke“, sagte Grünen-Fraktionschef Klaus Koch, der zudem das Sonderpädagogische Förderzentrum in Tölz leitet. „Aber hier wird eine staatliche Aufgabe auf die kommunale Ebene abgewälzt.“ In diesem Bereich erkannte Szlapka möglicherweise Sparpotenzial. „Ist hier wirklich eine individuelle Betreuung das Richtige oder gäbe es auch die Möglichkeit, Projekte an Schulen zu initiieren?“ Letzteres würde Koch auch besser gefallen: „Der Landkreis sollte hier einen mutigen Schritt tun und auch gerichtliche Auseinandersetzungen nicht scheuen.“ Besser als diese individuellen Hilfen wäre beispielsweise, wenn jede Schule einen pädagogischen Assistenten zugewiesen bekäme, der fest ins Team integriert werden könnte. „In der Regel brauchen die behinderten Kinder zu unterschiedlichen Zeiten Unterstützung. In den seltensten Fällen haben alle gleichzeitig Schwierigkeiten.

Generell stellte Szlapka dem Jugendamt ein hervorragendes Zeugnis aus: „Sie sind in der Jugendhilfe super aufgestellt.“ Die Aufteilung in Sozialräume sei „nicht falsch gewesen“. Der Anstieg der Kosten liege allein an der Zunahme der Fälle. Optimierungsbedarf sieht er dennoch. Sei einmal entschieden worden, dass für ein Kind Hilfen notwendig seien, werde dies nicht mehr hinterfragt. Auch die Vernetzung mit anderen Trägern von Hilfsangeboten könnte besser werden.

Koch war mit der Zwischenbilanz mehr als zufrieden. „Wir waren uns bei dem Antrag ja nicht so ganz einig. Aber im Nachhinein finde ich es sehr positiv, dass wir so genau auf die Jugendhilfe geschaut haben.“ Es habe sich gezeigt, „dass hier mit hoher Effizienz gearbeitet wird“.

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