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Stehen für Beratungen zur Verfügung: (v. li.) Susanne Moog (Architektenkammer), Ralph Seifert (Behindertenbeauftragter), Christine Hodolitsch und Susanne Galonska (beide sind ehrenamtliche Wohnraumberaterinnen).   

Landratsamt stellt Beratungsangebot vor

„Barrierefreiheit ist Komfort für alle“

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So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben ist nicht nur der Wunsch von Senioren, sondern auch jüngere Menschen setzen sich damit schon konkret auseinander. Das Landratsamt bietet Beratungsstellen, die helfen, damit der Wunsch Realität wird.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Im Landratsamt wurde am Freitag eine neue ehrenamtliche Wohnraumberaterin vorgestellt: Susanne Galonska wird künftig mit Christine Hodolitsch Menschen aller Generationen vor Ort zum Thema barrierefreies Wohnen beraten. Weitere Ansprechpartner sind Ralph Seifert, der Behindertenbeauftragte des Landkreises, und Susanne Moog von der Bayerischen Architektenkammer. Zudem können sich Interessenten in der Fachstelle für Wohnungsangelegenheiten über finanzielle Fördermöglichkeiten informieren. Diese Fachstelle ist auch Anlaufstelle für Personen, die bereits mit einem Behinderungsgrad eingestuft sind und Informationen benötigen, welche Unterstützung ihnen zusteht. Ganz wichtig zu wissen: Alle Beratungsangebote sind kostenlos.

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Barrierefrei und behindertengerecht zu bauen, ist ein weites Themenfeld. „Erst allmählich wird vielen klar, dass es sinnvoll ist, sich darüber schon früh Gedanken zu machen“, sagte der Behindertenbeauftragte Ralph Seifert. Wenn man es jedoch nicht in Angriff nehme, gebe man „unbewusst ein Stück Selbstbestimmung ab“, sagte Seifert. Man lebe heute in einer Gesellschaft, „in der keiner alt werden will“. Seifert geht aber davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten die Plätze in Seniorenheimen knapp werden und sich das Problem der Betreuung verschärft, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert werden. „Und dabei sind alle gefragt.“

Die Berater im Landratsamt stehen allen zur Verfügung: für Senioren selbst, aber auch für deren Angehörige, für Bauträger und Vermieter ebenso wie für junge Bauherren. Denn erfahrungsgemäß gibt es viele Fragen, die zu klären sind.

Die beiden ehrenamtlichen Wohnraumberater beispielsweise kommen zu den Betroffenen nach Hause und schauen sich die Situation vor Ort an. Mit dabei haben sie viele Bilder: etwa, mit welchen Hilfsmitteln Betroffene im Badezimmer leichter zurecht kommen, wie man Treppenlifte und Handläufe montieren kann, Stolperfallen beseitigt oder mit einfachen Mitteln das Bett im Schlafzimmer erhöht. Sie sprechen mit den Bewohnern über ihre ganz konkreten Probleme und geben Tipps zur Abhilfe oder zur Vereinfachung. „Wenn man das Haus nicht mehr problemlos verlassen kann, gehen viele wichtigen sozialen Kontakte verloren“, sagte Susanne Galonska.

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Erfahrungsgemäß würden auch viele erwachsene Kinder in die Beratung kommen, wenn sie bei den Eltern Probleme merken, berichtete Christine Hodolitsch. „Es geht nicht immer gleich um einen Umbau“, sagt Hodolitsch. Die Berater kennen viele kleine Hilfsmittel, die die Lebensqualität verbessern, und informieren in Bezug auf finanzielle Unterstützung von Krankenkasse oder Staat.

Problembehaftet ist manchmal auch das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter. Investitionskosten spielten dabei eine nicht unerhebliche Rolle. „Im Hintergrund schwingt auch oft mit, ob das Mietverhältnis belastet ist oder nicht“, sagte Sozialamtsleiter Thomas Bigl. Allerdings gebe es in diesem Bereich auch sehr positive Beispiele, hob Margit Engl vom Ehrenamtsbüro Senioren hervor. Vielen Vermietern sei auch bewusst, dass es den Wert der Immobilie steigere, wenn man mit Barrierefreiheit werben könne.

Eine versierte Beraterin in allen baulichen Fragen zur Barrierefreiheit ist auch Susanne Moog von der Bayerischen Architektenkammer. Sie bietet jeden zweiten Freitag im Monat von 10 bis 12 Uhr eine Beratung im Landratsamt an. Auch diese ist kostenlos, allerdings muss man einen Termin vereinbaren. Sie berät sowohl Privatleute als auch Bauträger im öffentlichen Bereich. „Allein schon aufgrund des demografischen Wandels spielt Barrierefreiheit eine immer größere Rolle“, sagte Moog. Noch immer werde jedoch viel zu wenig beantragt und viel zu wenig gemacht. Moog: „Dabei ist Barrierefreiheit Komfort für alle.“

Anlaufstellen: Architektin Susanne Moog ist erreichbar unter Telefon 089/13 98 80 80 oder E-Mail info@byak-barrierefreiheit.de. Die ehrenamtliche Wohnraumberatung im Landratsamt ist erreichbar unter Telefon 0 80 41/ 505-307 (Margit Engl) oder E-Mail ehrenamtsbuero@lra-toelz.de. Informationen zu diesem Thema auch auf www.engagementkompass.net.

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