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Das Tölzer Land ist wunderschön. Diese Schönheit zu erhalten, ist eine Aufgabe des Landschaftspflegeverbands.

Verband in Bad Tölz-Wolfratshausen geplant

Landschaftspflege: Machen Bauern und Naturschützer bald gemeinsame Sache? 

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Das Verhältnis zwischen Bauernverband und Bund Naturschutz im Landkreis ist nicht das beste. Jetzt könnte ein Projekt die beiden Parteien an einen Tisch bringen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Landschaftspflegeverbände setzen sich für den Erhalt der Kultur- und Naturlandschaft ein. Damit das funktioniert, ist es wichtig, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Und genau daran scheiterte bislang die Gründung eines Landschaftspflegeverbands im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Denn Kommunalpolitik, Landwirtschaft und Naturschutz sitzen hier als gleichberechtigte Partner an einem Tisch. Vor allem die beiden Letzteren kommen im Landkreis aber nicht unbedingt immer gut miteinander aus.

Jetzt aber wagt die CSU einen Vorstoß und möchte zumindest im zuständigen Gremium des Kreistags einmal über das Thema diskutieren. Das brachte der Dietramszeller Kreisrat Michael Häsch in der jüngsten Kreistagssitzung zur Sprache – und in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am Dienstag, 10. September, steht das Thema nun auf der Tagesordnung. „Mich freut dieser Sinneswandel“, sagte Landrat Josef Niedermaier (FW). „Ich bin froh über diesen Antrag und werde ihn mit Begeisterung vorantreiben.“

Ein Landschaftspflegeverband „wäre für alle ein Gewinn“

Auch beim Bund Naturschutz (BN) rennt Häsch offene Türen ein. Dass der Antrag aus den Reihen der CSU kommt, hatte BN-Kreischef Friedl Krönauer allerdings nicht erwartet. Tatsächlich hätte ihn lediglich die Ankündigung, dass die USA das Waffenrecht verschärfen, noch mehr überraschen können, sagt Krönauer und lacht. Aber natürlich freue er sich über den Vorstoß. „Es gab immer wieder Versuche. Aber es hat geklemmt – allerdings nicht bei uns“, sagt der BN-Vorsitzende.

Ein Landschaftspflegeverband „wäre für alle ein Gewinn“, ist Krönauer überzeugt. Dafür sei es aber wichtig, dass auch die Landwirte mitziehen und man sich „auf Augenhöhe begegnet“. Krönauer ist klar, dass das Verhältnis zwischen BN und Bayerischem Bauernverband (BBV) nicht immer das beste war. Aber genau darum gehe es ja, „dass man ins Gespräch kommt, Fronten einreißt und sich zusammensetzt, wenn es Probleme gibt“. Der BN sei jedenfalls „gesprächsbereit“.

Bauern wollen wissen, welche Vorteile der Verband hat

Das sagt auch Bauernverbands-Kreisobmann Peter Fichtner. „Wir sind selbstverständlich immer zum Reden bereit“, meint der Heilbrunner. Vorher wollen er und seine Ortsobmänner aber einmal erläutert bekommen, welche Vorzüge die Gründung eines Landschaftspflegeverbands für die Bauern im Landkreis habe – und zwar vom bayerischen Umweltministerium. „Wir wollen, dass da jemand zu uns rauskommt, der etwas zu sagen hat – der Amtschef, nicht der Hausmeister oder irgendein Sachbearbeiter“, sagt Fichtner. Die Angst, wieder einfach etwas übergestülpt zu bekommen, das vielleicht Nachteile mit sich bringt, kommt nicht von ungefähr. „FFH ist nicht vergessen“, sagt der Kreisobmann mit Blick auf das damalige Vorgehen, als im Prinzip ohne Bürgerbeteiligung ein Schutzstatus über zahlreiche Flächen gelegt wurde. „Man kann es gar nicht anders sagen: Wir sind damals beschissen worden“, sagt Fichtner.

Deshalb will der Kreisobmann nun tatsächlich konkret wissen, was ein Landschaftspflegeverband bringt. Fällt die Antwort nicht zufriedenstellend aus, werde der BBV die Gründung nicht unterstützen – „und wenn wir der letzte Landkreis ohne Verband sind“, sagt Fichtner.

Der Landkreis ist einer der letzten weißen Flecken

Bad Tölz-Wolfratshausen ist tatsächlich einer der wenigen weißen Flecken (siehe Kasten). Bis 2018 war das auch der Nachbarlandkreis Miesbach. Dort gründete sich aber im Mai 2018 ein Verband. Auch dort geht es darum, „das Verständnis füreinander zu fördern und Gräben in den Köpfen zu überwinden, um natürliche Vielfalt zu erhalten und wertvolle Flächen zeitgemäß und nachhaltig zu pflegen“, heißt es auf der Homepage.

Freiwilligkeit sei dabei die Grundvoraussetzung. „Wer bei uns Mitglied wird oder mit uns zusammenarbeitet, tut dies aus freien Stücken.“ Mit der Pflege der Flächen, die dem Verband anvertraut werden, würden in erster Linie ortsansässige Landwirte betraut. Dies sei für die Betriebe oft eine Möglichkeit, sich ein zusätzliches Standbein aufzubauen. Zu den Projekten des Verbands gehören die Pflege von Streuobstwiesen und Magerrasenflächen genauso wie der Aufbau von Amphibien-Schutzzäunen, heißt es auf der Homepage.

Erst im Juni gründete sich auch in Weilheim-Schongau ein Landschaftspflegeverband. Auch dort war der Weg dorthin ein weiter. Rund ein Jahr leistete das Landratsamt Überzeugungsarbeit.

 Der Ausschuss für Umwelt und Infrastruktur tagt am Dienstag, 10. September, um 14 Uhr im Landratsamt.

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