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Aufgabe des Landschaftspflegeverbands könnte es auch sein, sich um Streuobstwiesen zu kümmern, die aus der Pflege genommen wurden. 

„Große Chance für die Bauern“

Landschaftspflege: Umweltausschuss unterstützt erneuten Vorstoß, einen Verband zu gründen

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Es ist ein zaghafter Vorstoß: Der Umweltausschuss des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen hat beschlossen, in ein Anhörungsverfahren in Sachen Gründung eines Landschaftspflegeverbandes einzusteigen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Vorstoß ist zaghaft, aber immerhin ist es ein Vorstoß: Der Kreis-Umweltausschuss hat in seiner Sitzung am Dienstag einstimmig beschlossen, dass der Landkreis in ein ergebnisoffenes Anhörungsverfahren in Sachen Gründung eines Landschaftspflegeverbands einsteigt.

Angestoßen hatte das Ganze die CSU. Michael Häsch erläuterte in der Sitzung die Hintergründe. Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe würden aufgeben. Das bedeutet auch, dass immer weniger Landwirte die Kulturlandschaft pflegen. Almen wachsen zu, Wälder werden nicht mehr bewirtschaftet, Biotope verschwinden. Dabei seien gerade die Landschaftspflege und der Erhalt der Kulturlandschaft auch wichtig für den Tourismus, der einen starken Wirtschaftsfaktor darstelle, sagte Häsch. „Wir wollen einsteigen in die Landschaftspflege und so eine Einkommenskombination für Landwirte schaffen“, sagte der Dietramszeller.

Der Landkreis ist einer der wenigen weißen Flecken in Bayern in Sachen Landschaftspflegeverband. In Miesbach und Weilheim-Schongau hatten sich zuletzt Organisationen gegründet. Vertreter der Kommunalpolitik, aus der Landwirtschaft und dem Naturschutz sind gleichberechtigte Partner in der Vorstandschaft, erläuterte Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde. „Ziele des Verbands sind zum Beispiel der Erhalt der vielfältigen artenreichen Kulturlandschaft und die Unterstützung der Landwirte durch Akquise von Fördergeldern“, erklärte Steger. „Landschaftspflegeverbände koordinieren und organisieren Naturschutzmaßnahmen, holen Kostenvoranschläge ein, beantragen Fördermittel und prüfen die fachgerechte Erledigung von Pflegemaßnahmen vor Ort.“ Im Landkreis sieht Steger ein „breites Betätigungsfeld“. Ein Schwerpunkt sei die Pflege von Streuwiesen, „weil wir da Bereiche haben, die brach gefallen sind“. Die Landwirte, die vom Verband mit Pflegemaßnahmen betraut werden, können sich aber auch um Magerrasenflächen kümmern, um die Pflege und Ergänzung der Heckenstrukturen, die Pflege von Almflächen oder auch die Herstellung von Kompensationsflächen für die Ökokonten der Gemeinden. Zusammengefasst sei die Aufgabe des Vereins, „den Artenreichtum zu fördern und dabei eine zusätzliche Einnahmequelle für die Landwirtschaft zu generieren“, sagte Steger.

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Drei Versuche gab es hier bereits, entsprechende Strukturen zu schaffen. Zweimal wagte der Bund Naturschutz in den 90er-Jahren einen Vorstoß. „Zweimal war der Kreisobmann des Bauernverbands nicht bereit dazu“, sagte Steger. Den dritten Versuch unternahmen Leni Gröbmaier und die Freien Wähler Ende der 90er-Jahre. „Das wurde aber vom Kreistag nicht unterstützt.“

2017 ging man den vierten Vorstoß nach einer Infoveranstaltung des Umweltministeriums an. „Es gab aber seitens des Kreisvorstands im Bauernverband große Vorbehalte“, so Steger. Dann sei Stillstand eingetreten. Nun aber habe der Maschinenring Wolfratshausen mit seinen 1200 Mitgliedern aus der Landwirtschaft das Gespräch mit dem BBV gesucht und plane eine Infoveranstaltung. Der Maschinenring sehe nämlich durchaus, „dass ein Landschaftspflegeverband besser an Fördermittel kommt und die Antragstellung leichter ist“, so Steger.

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Gespräche mit Verbandsvertretern und Politik sowie eine Infoveranstaltung für den Kreistag und die Bürgermeister schlägt nun auch das Landratsamt als weitere Vorgehensweise vor. Danach soll endgültig über die Gründung entschieden werden. Achim Rücker (Grüne) findet die Idee gut, störte sich aber an der Formulierung des Beschlusses. „Wenn wir doch alle einen Verband wollen, warum beschließen wir dann ein ergebnisoffenes Vorgehen?“, fragte er. „Weil es eben Vorbehalte bei den Bauern gebe“, sagte Landrat Josef Niedermaier (FW). Jeder solle sich mitgenommen fühlen – anders als bei der Ausweisung der Fauna-Flora-Habitat-Flächen (FFH). „Das ist Jahre her. Aber die Wunden sind noch da“, sagte Niedermaier.

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Das vorsichtige Vorgehen ist auch Häsch wichtig. „Es darf nie der Eindruck entstehen, dass den Bauern was übergestülpt wird.“ Auch Georg Riesch (FW) plädierte dafür, „die Landwirtschaft gut einzubinden“ – genauso wie Stefan Fadinger (CSU). Nikolaus Mair (Grüne), selbst Landwirt, freut sich jedenfalls über den Vorstoß. „Es ist eine große Chance für die Bauern. Schade, dass die Initiative erst jetzt kommt.“

va

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