Ökologisch wertvolle Fläche: Eine Streuwiese mit Blauen Schwertlilien.
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Ökologisch wertvolle Fläche: Eine Streuwiese mit Blauen Schwertlilien.

Mehrere Gemeinden lehnen Beitritt ab

Landschaftspflegeverband: Bei vielen Bauern herrscht Misstrauen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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In Bad Tölz-Wolfratshausen soll ein Landschaftspflegeverband gegründet werden. BBV-Kreisobmann Peter Fichtner erklärt, warum viele Bauern Vorbehalte dagegen haben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In einer Landkreis-Kommune nach der anderen hat der Gemeinderat zuletzt einen Beitritt zum geplanten Landschaftspflegeverband abgelehnt. So war es zuletzt unter anderem in Wackersberg, Schlehdorf, Königsdorf und in der Jachenau. BBV-Kreisobmann Peter Fichtner ist von dieser Entwicklung nicht überrascht und führt sie auf eine skeptische Haltung der Bauern als Hauptbetroffene zurück. Und die wiederum, so erklärt der Heilbrunner im Gespräch mit dem Tölzer Kurier, habe mit mangelndem Vertrauen der Landwirte in die Politik zu tun.

„Der Hauptgrund für die Ablehnung ist der Vertrauensverlust im Zusammenhang mit den FFH-Gebieten“, erklärt Fichtner. Den Bauern sei versprochen worden, dass das mit keinen Einschränkungen ihres Eigentums verbunden ist, sagt er. „Das stimmt aber so nicht mehr.“ Diese Linie habe sich in den Folgejahren bei Themen wie Biotopkartierung oder Insektenschutzgesetz fortgesetzt. „Die Glaubwürdigkeit der Politik hat massiv gelitten“, sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV).

Bauern befürchten, dass sie ihre Flächen nicht mehr frei nutzen können

Und so gebe es auch jetzt Befürchtungen, dass ein Landschaftspflegeverband (LPV) die Nutzung der eigenen Flächen einschränken könnte. Der LPV soll sich dem Erhalt der ökologischen Vielfalt widmen – vor allem durch die Pflege ökologisch wertvoller Lebensräume. Wird eine Fläche nicht mehr bewirtschaftet, könnte der LPV den Auftrag zur Pflege dieses Areals vergeben – und zwar an örtliche Landwirte. Die Rechnung bezahlt der LPV, wobei es 90 Prozent Fördermittel vom Freistaat gibt.

Peter Fichtner, BBV-Kreisobmann.

In einer Versammlung der Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner im BBV-Kreisverband seien im Januar 2020 das Für und Wider des LPV diskutiert worden, berichtet Fichtner. Das Landratsamt hatte den Verband um eine Stellungnahme gebeten. Eine Abstimmung hatte laut Fichtner das Ergebnis, „dass wir den LPV selbst nicht einfordern, aber ihn konstruktiv begleiten, wenn er kommt“.

Die meisten Landwirte sehen nach Fichtners Darstellung keine Notwendigkeit für einen LPV. Dort, wo Landwirte ihre Flächen nicht selbst entsprechend pflegen könnten oder wollten, gebe es bereits die Möglichkeit, die Arbeiten über den Maschinenring durchführen zu lassen. Auch jetzt schon hätten sich auf diesem Weg einige Landwirte einen Nebenerwerb aufgebaut. „Das funktioniert zur allgemeinen großen Zufriedenheit, man hört keine Klagen.“ Es herrsche der Wunsch vor, „dass die Arbeiten in bäuerlicher Hand bleiben“. In einer Gegend mit kleinbäuerlich strukturierter Landwirtschaft sei ein LPV nach der Meinung vieler nicht nötig. „Wenn der Strukturwandel so weitergeht, dann könnte er notwendig werden“, meint Fichtner.

Sorge: Landschaftspflegeverband könnte „Bürokratiemonster“ werden

In erster Linie gehe es bei der Pflege ökologisch wertvoller Flächen im Landkreis um Streuwiesen, erklärt Fichnter. Hier gebe es die Sorge: „Was, wenn ich die Streuwiese nicht mehr brauche? Muss ich die dann trotzdem weiter pflegen?“ So mancher Grundeigentümer schätze zum Beispiel eine verbuschte Fläche auch als Brennholzreserve, meint der Heilbrunner. Das Landratsamt hingegen hatte zuletzt in einer Stellungnahme noch einmal die Freiwilligkeit aller LPV-Maßnahmen betont.

Bei den Landwirten gebe es zudem die Befürchtung, dass mit dem LPV ein „Bürokratiemonster“ entstehe und „nur Schreibtisch-Arbeitsplätze geschaffen werden“, so Fichtner. Das Landratsamt habe ihm Einblick in einen Satzungsentwurf nach einem Muster aus Miesbach nehmen lassen, berichtet er. „Der hat 15, 16 Seiten, das ist mir zu umfangreich“, sagt der Heilbrunner. Er habe sich für eine andere Mustersatzung des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege ausgesprochen, der halb so lang sei. „Der macht einen unbürokratischeren Eindruck.“

Fichtner ist überzeugt: Dass nun etliche Gemeinderäte den Beitritt zum LPV ablehnen, sei darauf zurückzuführen, dass die Mandatsträger gerade in bäuerlich geprägten Gemeinden bei den Landwirten vor Ort nachgefragt haben und dabei eine „gewisse Skepsis“ wahrnehmen. Diesen Wählerauftrag würden sie dann mit in die Sitzung nehmen.

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