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Landtagskandidaten von AfD und Grünen vor der Kamera: Die Diskussion zum Nachlesen

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Von: Andreas Steppan

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Live-Diskussion (v.li.): Hans Urban (Grüne), Kurier-Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz und Anne Cyron (AfD). © arp

Auch wenn grundlegende Unterschiede klar waren: Das Live-Gespräch vor der Kamera des Tölzer Kurier zwischen den Landtagsdirektkandidaten Anne Cyron (AfD) und Hans Urban (Grüne) wurde nur teilweise zum erwarteten Schlagabtausch. Es gab auch Übereinstimmungen.

Bad Tölz – Bisweilen wird schon davon gesprochen, dass die Grünen und die AfD dabei seien, zu den beiden neuen Volksparteien aufzusteigen. Im ersten Internet-Livstream des Tölzer Kurier zur Landtagswahl saßen am Montagabend nun die beiden Stimmkreis-Direktkandidaten dieser beiden Gruppierungen am Tisch. Obwohl Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz eingangs eine „Diskussionsrunde der Gegensätze“ angekündigt hatte, entwickelte sich nicht der erwartete Schlagabtausch zwischen Anne Cyron (AfD) und Hans Urban (Grüne). Stattdessen war in dem sachlich geführten Gespräch zu beobachten, wie Cyron bei Urbans Worten häufig zustimmend nickte – zumal sich die AfD-Kandidatin mehr als einmal von den offiziellen Positionen ihrer Partei distanzierte.

Dabei hatte der Grünen-Kandidat die AfD zu Beginn als „Zündelpartei“ bezeichnet, deren Einzug in den Landtag es zu verhindern gelte. Der 40-jährige Biobauer aus Eurasburg kritisierte vor allem die Rhetorik von AfD-Politikern, die vom „Schießbefehl auf Flüchtlinge“ und von „Kopftuchmädchen“ sprächen. Er, Urban, sei stolz darauf, wie Deutschland, seine Politiker, Sicherheitskräfte und Ehrenamtliche die Flüchtlingssituation von 2015/16 bewältigt hätten.

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Cyron entgegnete, die AfD sei „aus einer bestimmten Notwendigkeit heraus entstanden“, nämlich der Euro-Politik und der „völlig unkontrollierten Massenzuwanderung nach Deutschland“. Auch ihr gefalle die Rhetorik einiger AfD-Politiker nicht. „Aber Herr Gauland ist nicht die Partei“, schränkte sie ein. „Man darf nicht verallgemeinern, dass die AfD rechtsradikal, xenophob und homophob sei, nur weil gewisse Leute ihre Wortwahl nicht zügeln können“.

Kurier-Redaktionsleiterin Ahn-Tauchnitz lenkte das Gespräch alsbald auf inhaltliche Fragen abseits der Flüchtlingspolitik – und bezog die Frage nach einer „Obergrenze“ auf den Flächenverbrauch in Bayern. „Ich möchte nie von einer Obergrenze sprechen – nicht bei Flüchtlingen und nicht beim Flächenverbrauch“, sagte die 63-jährige AfD-Kandidatin aus Rosenheim. Man müsse in jeder einzelnen Gemeinde abwägen: „Was verschandelt die Landschaft? Und was brauchen wir, um eine Stadt am Leben zu erhalten?“ Im Einzelfall solle „das Volk entscheiden“.

Biolandwirt Urban erklärte: „Bayern ist zu schön, um sich nur über Gewerbeflächen und Straßenbau zu definieren“. Wege zur Begrenzung des Flächenverbrauchs sah er darin, Betriebe aus der Metropolregion München in andere Regionen abzusiedeln, wo bereits jetzt genügend ungenutzte Gewerbeflächen bereit stünden. Wohnungsbau verhindere die von den Grünen geforderte Reduzierung des Flächenverbrauchs nicht.

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Übereinstimmung zwischen den Kandidaten gab es bei der Forderung, den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen und entschiedenere Maßnahmen zum Ausbau des Klimaschutzes zu ergreifen. Cyron überraschte dabei mit der Aussage, dass sich die Kernkraft für sie „erledigt“ habe und sie – „entgegen der Linie meiner partei“ – der Windkraft große Bedeutung zumesse. Auch vom AfD-Wahlkampfslogan „Diesel ist super“ distanzierte sich die Lehrerin. Allerdings lehne sie den aktuellen „Feldzug gegen den Diesel“ ab. Aus ihrer Sicht sei vielmehr die „Vernachlässigung der Forschung“ das Problem. Während Deutschland 45 Milliarden Euro im Jahr für Flüchtlinge ausgebe, betrage die Forschungs- und Technologieförderung nur 17,6 Milliarden im Jahr.

Urban verwahrte sich dagegen, „die Energiewende über das Flüchtlingsthema auszutragen“ – es müsse „beides gleichzeitig möglich sein“. Im Zusammenhang mit der Diesel-Problematik plädierte Urban für einen umfassenden „Paradigmenwechsel“. Anzustreben sei, vom Feinstaub belastetet Knotenpunkte wie die Münchner Innenstadt „autofrei“ zu bekommen. Und mit einem flächendeckenden durchgängigen ÖPNV-Angebot von frühmorgens bis spätabends könne der Freistaat beitragen, „dass man sich den Zweitwagen sparen kann“. Urban: „Was hindert uns, den Menschen zu ermöglichen, an Endhaltestellen mit subventionierten Taxis weiterzufahren?“

Klar unterschiedlich fielen die Antworten auf die frage aus, was die Kandidaten von einer schwarz-grünen Regierung im Freistaat halten. „Ein Horror“, meinte Cyron, Urban hingegen: „Das ist es, was Bayern braucht.“

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