Am liebsten natürlich: Valentin Sommer von der Firma „Fuchs baut Gärten“ zeigt einen Schwimmteich, den der Betrieb für den „Benediktenhof“ in Arzbach gebaut hat. Aber auch in Privatgärten wollen immer mehr Menschen einen Pool haben.
+
Am liebsten natürlich: Valentin Sommer von der Firma „Fuchs baut Gärten“ zeigt einen Schwimmteich, den der Betrieb für den „Benediktenhof“ in Arzbach gebaut hat. Aber auch in Privatgärten wollen immer mehr Menschen einen Pool haben.

Poolbauer berichten

Lange Wartezeiten aufs eigene Becken: Pool-Boom in Bad Tölz-Wolfratshausen

Der Sommer meldet sich gerade noch einmal zurück – eine Erfrischung im kühlen Nass ist da sehr willkommen. Doch statt im Schwimmbad oder im Badesee suchen immer mehr Menschen Erfrischung auf dem privaten Grundstück.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Dass sich heuer außergewöhnlich viele Familien den Traum vom eigenen Pool im Garten erfüllen wollen, stellen auch die Poolbauer aus der Region fest. „Die Nachfrage ist extrem hoch“, bilanziert Stefan Manhart, Junior-Geschäftsführer der Firma „Manhart Garten & Pflaster“ aus Königsdorf. Er führt diesen Trend hauptsächlich auf Corona zurück. Denn Urlaubsreisen zu Pandemiezeiten gestalten sich deutlich schwieriger. Deshalb werde das Geld nun in den eigenen Pool investiert. Dass zumindest im vergangenen Jahr viele Badeseen im Umland überlaufen waren, tue sein übriges, meint Manhart.

Statt Strandurlaub lieber Pool im Garten

Gefragt sind bei den Kunden vor allem Naturpools, bei denen biologische Filtertechniken eingesetzt werden. So wird das Wasser auf natürliche Weise ähnlich wie in einem See gereinigt. „Der Pool kommt ganz ohne Chlor oder andere chemische Zusätze aus“, erklärt Manhart. Der Vorteil sei, dass dadurch das Badevergnügen deutlich hautverträglicher sei. Generell sei ein Pool in jedem Garten möglich, sagt der Junior-Geschäftsführer. Auch größentechnisch könne man sich vollständig den Wünschen des Kunden und der verfügbaren Fläche anpassen. Die Gartenbaufirma „Fuchs baut Gärten“ aus Lenggries verzeichnet ebenfalls eine gute Auftragslage, wie Valentin Sommer, Bauleiter und Planer, berichtet. Auch hier ist besonders die Nachfrage nach natürlichen Pools merklich gestiegen. „Naturpools werden immer häufiger als Alternativen zu herkömmlichen Chlorschwimmbecken gesehen“, sagt Sommer. Dies habe vor allem mit dem Nachhaltigkeits- und Umweltaspekt zu tun. Nicht nur durch die spezielle Filterung, sondern auch aufgrund des niedrigeren Strom- und Wasserverbrauchs würden natürliche Becken punkten. „Der Naturpool muss im Gegensatz zum Chlorpool nur einmalig befüllt und das Wasser nicht mehr ausgetauscht werden“, erklärt Sommer. Verdunstetes Wasser werde auf natürliche Weise durch Niederschläge wieder ausgeglichen.

Pool-Fachbetriebe führen stark gestiegene Nachfrage auf Corona zurück

Ein Schwimmbecken im Garten ist für Sommer mehr als ein kurzes Badevergnügen, sondern stellt auch eine langfristige Geldanlage dar. Denn das Grundstück erfahre eine Wertsteigerung. Allerdings ist das kühle Nass im heimischen Garten nicht gerade billig. Man muss mit Kosten zwischen 60 000 und 80 000 Euro je nach Ausführung rechnen. „Oft unterschätzen die Kunden die Ausgaben“, verrät Sommer. Wer sich einen Pool auf dem heimischen Grundstück anlegen lassen möchte, sollte frühzeitig planen. Die Bauzeit selbst beträgt nur etwa vier Wochen – wenn die Materiallage es zulässt. Von der Anfrage bis zum Baubeginn kann es derzeit gut drei Monate dauern. Neben im Boden eingelassene Schwimmbecken gibt es auch die Möglichkeit, stabile Aufstellpools mit Stahlwänden zu verwenden, wie Guido Heue, Geschäftsführer von „Rehe Schwimmbadbau“ aus Geretsried, erklärt. Sie sind ab etwa 5000 Euro erhältlich. Die Kunden können sie selbst zu Hause aufbauen.

Trotz guter Auftragslage können sich aber nicht alle Kunden heuer schon ihren Traum vom eigenen Pool erfüllen. „Das Problem ist, dass wir teilweise keine Ware bekommen“, erklärt Heue. Aufgrund des herrschenden Rohstoffmangels gibt es Lieferengpässe beziehungsweise starke Verzögerung von mehreren Monaten. Zudem seien die Händler nicht auf eine so hohe Nachfrage eingestellt gewesen, meint der Geschäftsführer. Aus diesem Grund werden neue Aufträge voraussichtlich erst im nächsten Jahr erfüllt werden können.

Lange Lieferzeiten für Materialien

Auch Franz Gold, Inhaber des gleichnamigen Heilbrunner Schwimmbadtechnikunternehmens, bekommt den Ressourcenmangel zu spüren. „Man merkt schon, dass die Lieferzeiten länger werden und die Materialien immer teurer“, erklärt Gold. Bislang bekomme er aber noch alle nötigen Werkstoffe. Er setzt insbesondere auf technische Pools, bei denen das Wasser durch chemische Chlor-Alternativen gereinigt wird. Auch bei Gold stehen die Kunden für einen Gartenpool Schlange. Die meisten Anfragen muss er jedoch aufgrund der „wahnsinnig vielen“ Aufträge ablehnen. Der aktuelle Ansturm habe sich laut dem Schwimmbadtechniker bereits vergangenes Jahr abgezeichnet, als abzusehen war, dass Corona noch länger andauert. Gold geht nicht davon aus, dass der Poolbau-Boom anhalten wird. „Wenn die Menschen wieder sorgenfrei in den Urlaub fahren können, wird die Nachfrage zurückgehen.“ Franziska Selter)

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare