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Aufträge ohne Ende: Auf viele Handwerker im Landkreis muss man als Kunde lange warten.   

Fachkräftemangel und Bau-Boom 

Volle Auftragsbücher bei Handwerkern

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Wer im Landkreis einen Handwerker braucht, der muss sich teils auf sehr lange Wartezeiten einstellen. Die Auftragsbücher sind voll, doch das Personal fehlt in den meisten Betrieben. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Hahn tropft, die Heizung bleibt kalt, oder ein neuer Wohnzimmerschrank soll eingebaut werden – wer sich selbst nicht zu helfen weiß, der ruft Installateur, Schreiner und Co. Doch bis ein Handwerker Zeit hat, kann es im Landkreis derzeit lange dauern. Denn an Aufträgen mangelt es den Handwerkern in ganz Bayern nicht. Im Durchschnitt dauert es derzeit neun Wochen, bis ein Auftrag ausgeführt werden kann, teilt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mitteilt. Im Bau- und Ausbau-Bereich dauert es mit 13,4 Wochen sogar noch länger.

Im Durchschnitt muss man bis zu 13 Wochen warten 

Auch im Landkreis haben die Handwerker volle Auftragsbücher, berichtet Herbert Kozemko, Obermeister der Bauinnung Bad Tölz. „Es gibt jedoch auch Betriebe, die aus verschiedenen Gründen mit Auftragslöchern zu kämpfen haben, etwa durch die Witterung oder Zulieferungsschwierigkeiten.“ Auch für die Betriebe sei die Situation nicht leicht, sagt Kozemko. Wichtig seien jetzt „gute Rundumplanung und Vorbereitung, sprich: rechtzeitige Partnersuche, abgeschlossene Genehmigungsverfahren und eine fertige Planung“.

Landkreis als beliebte Zuzugsregion 

Kozemko nennt zwei Gründen für den Boom: Zum einen sei der Landkreis eine beliebte Zuzugsregion, zum anderen sei die Situation am Kapitalmarkt günstig. Das sagt auch Feodor Schraml, Obermeister der Maler- und Lackiererinnung der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. „Das Geld ist bezogen auf den Zins nichts mehr wert. Daher bauen jetzt sehr viele“, sagt der Heilbrunner.

Ein großes Problem ist jedoch der Fachkräftemangel. „Wir suchen händeringend nach geeigneten Mitarbeitern“, sagt Schraml. Damit steht er nicht alleine da. Laut ZDH bleiben im Handwerk derzeit jährlich bis zu 20 000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Hintergrund seien die demografische Entwicklung und die Tendenz vieler Schulabgänger zu studieren.

Fachkräftemangel bereitet jeder Handwerksbranche Probleme 

Das spürt auch Johannes Haas, Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik und Spengler: „Man hat viel zu wenig Kapazitäten aufgrund des Personalmangels“, sagt der Wackersberger. Sein eigener Betrieb kann mittlerweile nicht mehr alle Aufträge annehmen. „Wir sind immer öfter an der maximalen Auslastungsgrenze“, sagt Haas. „Zusätzlich kommen oft Notfall-Reparaturen dazwischen, die sofort erledigt werden müssen.“ Leider hätten viele Kunden kein Verständnis für die Wartezeiten: „Aber mehr als durchgehend arbeiten können wir auch nicht.“

“Heute muss ja immer alles schnell, schnell gehen“

Auch bei den Schreinern sieht die Lage nicht anders aus. „Momentan müssen Kunden etwa neun Wochen auf einen Termin warten, sofern es sich nicht nur um eine kleine Reparatur handelt“, sagt Josef Oswald, Obermeister der Schreinerinnung. Heute werde erwartet, dass alles sofort erledigt werde: „Als ich 1975 gelernt habe, hat man teilweise ein Jahr auf die Auftragsrealisierung warten müssen. Aber heute muss ja immer alles schnell, schnell gehen“, kritisiert der Wackersberger.

Auch in seinem eigenen Betrieb hat Oswald sehr viel zu tun: „So viel Arbeit wie jetzt gab es selten. Normalerweise ist im Januar und Februar eigentlich immer wenig los.“ Für seinen Betrieb seien das freilich rosige Umstände: „Durch die hohe Nachfrage kann man momentan auch anständige Preise verlangen“, sagt der Schreiner-Obermeister. „Je weniger Arbeit es gibt, desto mehr muss man die Preise unrealistisch drücken.“

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