Laubbläser im Einsatz auf dem Tölzer Vichyplatz.
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Wo große Flächen von Laub befreit werden müssen, sind Laubbläser beispielsweise für die Stadt Bad Tölz unverzichtbar. Hier ist Martin Forster auf dem Vichyplatz in Bad Tölz im Einsatz.

Laubbläser im Tölzer Land

Naturschützer bitten: Lebensraum für Igel erhalten

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Herbstzeit, Blätterzeit, Laubbläser-Zeit. Vielerorts sind die Geräte derzeit zu sehen und zu hören. Für die einen sind sie eine Belastung, für die anderen eine wichtige Entlastung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Die Blätter flattern munter und finden sich so schön, sie werden immer bunter, am Ende fallen sie runter.“ So heißt es im Gedicht „Der Herbst steht auf der Leiter“ von Peter Hacks. Wenn das Laub den Boden bedeckt, kommen auch wieder vermehrt Laubbläser zum Einsatz.

Die Geräte sind umstritten. So bittet der Bund Naturschutz (BN) in einer Pressemitteilung Gartenbesitzer darum, Laub doch liegen zu lassen oder Laubhaufen zu bilden, damit beispielsweise Igel dort ein Winterquartier finden können. Die lauten Maschinen würden Winterquartiere zerstören oder Igel und andere Tiere durch den Lärm vertreiben, so die BN-Kreisgruppe. Deren Vorsitzender Friedl Krönauer erklärt, dass durch Laubbläser Lebensraum vieler Insekten und damit Nahrung von Vögeln verloren geht. „Unter dem Laub finden Tiere Schutz.“ Er wünscht sich, dass grundsätzlich überlegt wird, wo und ob der Einsatz des Laubbläsers wirklich notwendig ist. Zumal nicht nur Tiere davon beeinträchtigt werden, sondern auch Menschen. Zum einen aufgrund des Geräuschpegels, zum anderen ausgestoßene Abgase bei mit Motoren betriebenen Geräten. Auch würden Pilzsporen und andere kleine Teile aufgewirbelt, die derjenige, der das Gerät bedient ganz besonders abbekomme. „Ohne Schutzmaske sollte ein Laubbläser nicht verwendet werden.“

Laubbläser nicht überall einsetzen

Doch auf dem Laubbläser-Sektor hat sich einiges getan in den vergangenen Jahren, sagt Christian Kerndl, Marktleiter von „Hagebaumarkt“ in Bad Tölz. So gehe der Trend klar weg von den motorenbetriebenen Bläsern zu denen, die mit Akku laufen. „Die Lärmbelästigung ist geringer, es gibt keine Abgase und man muss nicht immer Betriebsmittel mitführen.“ Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, so Kerndl. Das liege unter anderem an den Konzepten der Hersteller. So könne beispielsweise bei manchen Marken ein und derselbe Akku im Laubbläser, in der elektrischen Heckenschere und in weiteren Geräten eingesetzt werden. Aber auch der Laubrechen habe längst nicht ausgedient. „In Kleingärten braucht man keinen Laubbläser, da ist immer ein Rechen nötig.“ Viele Hausmeister-Services würden beispielsweise auf XXL-Rechen zurückgreifen. Kerndl: „Damit ist man schneller, als mit dem Gebläse.“ Auch könne der Laubbläser nur bei trockenen Blättern eingesetzt werden.

Gerade für große Flächen, wie sie der Betriebshof der Stadt Bad Tölz betreut, seien Laubbläser „ganz wichtige Arbeitsgeräte“, sagt Falko Wiesenhütter. Sie kommen dort zum Einsatz, wo die Kehrfahrzeuge nicht hingelangen. Das Laub etwa von Gehwegen, Treppen und unter Bänken zu entfernen, habe eine Sicherheitsfunktion. Auf nassem Laub ist die Rutschgefahr sehr groß. „Die Anforderungen an Kommunen sind gestiegen“, so Wiesenhütter. Bei möglichen Unfällen werde heute schneller geklagt.

Die Stadt habe schon fast komplett auf die Akku-Laubbläser umgestellt. „Diese sind leiser und verursachen weniger Emissionen vor Ort.“ Konkrete Beschwerden gegenüber dem Betriebshof habe es nicht gegeben, so Wiesenhütter. Dass Laubbläser für Zwist sorgen, sei eher im privaten Bereich wie beispielsweise in Wohngebieten der Fall.

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