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45 Quadratmeter Gemütlichkeit: Die mongolische Jurte, die Sebastian Sixt bei Ebay erstanden hat, ist handgefertigt. Die Hülle besteht aus Yak-Filz, die Scherengitter werden von Tiersehnen zusammengehalten.

Leben in einer Jurte

Wohnzimmer aus der Mongolei

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Als Thaibox-Trainer und Kneipenchef sehnte sich Sebastian Sixt nach einem Ort der Ruhe. Nun lebt der Tölzer (30) in einer mongolischen Jurte im Wald. Am liebsten würde er eine ganze Siedlung errichten, Unterstützer dafür findet er aber nur schwer.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Bei so viel Abgeschiedenheit drängt sich die Frage nach dem unguten Gefühl auf: Und was, wenn nachts ein Einbrecher kommt? Sebastian Sixt schaut irritiert: „Wer soll da schon kommen?“, fragt er. „Außerdem bin ich Kampfsportler.“ Darauf weist das Capoeira-T-Shirt hin, das sich der 30-Jährige über seinen muskulösen Oberkörper gezogen hat. Er trägt eine Sonnenbrille, lehnt lässig am Holzofen, daneben steht ein Bett, dahinter ein Schrank mit Büchern, am Boden liegen Perserteppiche. Der Tölzer steht in seinem neuen Wohnzimmer. Es sind 45 Quadratmeter pure Gemütlichkeit.

Der Raum hat keine Ecken, aber viele Holzkanten. Und er passt perfekt zu Sixt: Einer, der ein Thaibox-Studio und einen Live-Musik-Schuppen in Tölz eröffnet, der stellt auch eine mongolische Jurte auf die Wiese, um darin ab sofort zu leben. Sixt ist kein Träumer, er erfüllt sich seine Träume einfach. Einen großen Bezug zu mittelasiatischen Nomaden hat er aber nicht. Das 900 Kilo schwere Zelt hat er bei Ebay gekauft und auf Holzpaletten gestellt. Auf einer Waldlichtung im Landkreis. Auf Privatgrund. Weil die Jurte nicht billig war, hat Sixt ihr einen Regenmantel verpasst. Unter der Plane blitzt nicht nur die orangefarbene, künstlerisch verzierte Eingangstüre hervor – sondern auch der Yak-Filz, der gut isoliert. „Alles handgefertigt in der Mongolei“, sagt Sixt. Und alles geschnürt und geknüpft, nicht verschraubt: die Scherengitter, die mit Tiersehnen zusammengehalten werden, und der Mittelkranz, der im Zentrum Sonnenstrahlen hereinlässt.

Im Regenmantel: Eine Plane schützt die Jurte mit der orangefarbenen, künstlerisch verzierten Eingangstür.

Im Einklang mit der Natur will Sixt leben, den Sommer über, aber wenn möglich auch im Winter. „Kein künstliches Licht hält dich abends wach, nur Kerzen, du pennst wie ein kleines Kind“, sagt er. Statt vom Smartphone-Wecker will er vom Singen der Vögel und vom Rascheln der Bäume geweckt werden.

Als Betreiber des Tölzer Thaibox-Studios und des „Shelter Music Pubs“ an der Mühlfeldkirche hat der 30-Jährige meistens Remmidemmi um sich. „Ich brauche einen Ort der Ruhe. Und hier kannst du Vollgas zur Ruhe kommen.“

Bei einem längeren Thailand-Aufenthalt vor ein paar Jahren freundete sich der Tölzer mit Lebensformen und Geisteshaltungen des Buddhismus an. In der Jurte müsse man gar nicht auf so viel verzichten, wie die Leute denken, sagt Sixt. „Du gewinnst viel mehr.“

Fließendes Wasser hat er nicht. Ein dicker Kanister hilft, genau wie die Solardusche draußen. Mit dem Bild des Abenteurers räumt er schnell auf: Für einen Stromanschluss und gewisse Grundbedürfnisse habe er auch noch seine Wohnung in Tölz. Das Motto „Zurück zu den Wurzeln“ lebt er trotzdem – und er würde gerne ein Geschäftsmodell daraus machen: ein Baumhaus- und Jurtencamp, eine alternative Hotelsiedlung, in der die Gäste Holz zum Feuermachen sammeln müssen und durch das offene Zeltdach die Sterne anhimmeln können.

Für seinen nächsten Traum hat Sixt Kontakt mit Gemeinden und Waldbesitzern aufgenommen. Bisher ohne großen Erfolg. „Manche fanden die Idee zwar interessant, aber bei der Umsetzung helfen wollte keiner. Dafür sind die Leute hier – man muss es so sagen – zu konservativ.“ Sixt findet, dass die Zeit zu hektisch und deshalb reif für eine umweltschonende Jurtensiedlung ist. „Jeder will wieder mehr bei sich sein“, sagt er.

Eine E-Mail mit seinen Überlegungen für das „Alleinstellungsmerkmal in der Region“ hat den Tölzer Bürgermeister Josef Janker schon im Sommer 2017 erreicht. „Die Idee finde ich großartig. Gerade für Familien mit Kindern oder Urlauber mit Tieren ist das eine interessante Alternative“, sagt der Rathauschef. Für ein Baumhaus- und Jurtencamp fehle in Tölz aber ein passendes naturnahes Grundstück. Die kommunalen Flächen lägen alle in der Innenstadt. Janker habe Sixt damals einerseits mitgeteilt, dass die Stadt kein Grundstück anbieten könne, ihm andererseits aber auch dazu geraten, das Konzept weiter auszuarbeiten.

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