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Geschichte mitverfasst: Eurosport-Kommentator Markus Theil (Mi.) mit den deutschen Doppel-Helden Kevin Krawietz (li.) und Andreas Mies im Studio in Paris. 

Roland Garros

Lehrer aus Lenggries kommentiert historisches Finale der French Open auf Eurosport

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Markus Theil aus Lenggries ist Lehrer an der FOS in Bad Tölz - und TV-Kommentator bei Tennis-Übertragungen. Jetzt erlebte er einen historischen Sport-Moment mit. 

Paris/Lenggries/Bad Tölz – Den entscheidenden Vorhandvolley spielt Markus Theil selbst mit. Das hat die KKK aufgezeichnet. Die Kommentatoren-Kabinen-Kamera. Der Eurosport-Sprecher aus Lenggries kommentiert traditionell das French-Open-Doppel-Finale. „Irgendwann bist du in so einem Rausch, wie in der Zone, ich wusste gar nicht mehr, was ich sage, hab’ nur noch mitgefiebert“, sagt der 50-Jährige.

Schließlich erlebte Theil gerade Geschichte mit: Mit Kevin Krawietz (Coburg) und Andreas Mies (Köln) triumphierte erstmals nach 82 Jahren wieder ein deutsches Tennis-Doppel bei einem Grand-Slam-Turnier, also einem der vier großen Turniere in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York. Die beiden, die erst seit anderthalb Jahren zusammenspielen und im Einzel noch nie etwas gewannen, holten mit dem Gewinn der French Open im Stade Roland Garros einen historischen Sieg. Und Theil, Lehrer für Sozialkunde und Geschichte an der Tölzer FOS, war mittendrin.

Schon das Halbfinale der French Open hatte Eurosport außerplanmäßig übertragen 

„Es war auch für uns völlig überraschend, dass die beiden souverän ins Finale durchmarschieren und dann auch noch gewinnen.“ Schon das Halbfinale übertrug der Sender außerplanmäßig wegen der deutschen Beteiligung. „Danach kamen die beiden völlig verschwitzt ins Studio und haben gefeiert“, sagt Theil. „Für die war es schon Wahnsinn, Boris Becker zu treffen, ihr erstes Fernseh-Interview zu geben“, meint Theil. Und nicht nur für sie: Familie und Freunde versammelten sich auf den Stufen zum Studio und feierten die beiden. Krawietz’ Bundesliga-Club, der TC Großhesselohe, schickte ein Glückwunschvideo, das Theil einspielte.

Doch es ging ja noch weiter. Es wartete noch das Finale. „Da haben sie sich noch nicht allzu viel mit beschäftigt“, sagt Theil, der das Doppel-Finale der Männer seit Jahren kommentiert. Auch für ihn war es eine Herausforderung, weil das Spiel Novak Djokovic gegen Dominic Thiem noch nicht beendet war. „Das habe ich noch fertiggesprochen, und mich dann schon auf die Deutschen gefreut.“

Die Voraussetzungen standen alles andere als günstig für Krawietz und Mies. Fast alle der 5000 Zuschauer standen hinter den Franzosen Jeremy Chardy und Fabrice Martin. „4500 Kehlen haben ,allez les Bleus‘ gerufen“, sagt Theil. Für Mies war es eine besondere Situation. Er hatte noch vor Kurzem mit Martin zusammengespielt, gemeinsam das ATP-Turnier in Genf gewonnen. Jetzt stand ihm der Franzose als Gegner gegenüber. „Die beiden waren angespannt vor dem Finale“, sagt Theil. „Aber sie haben es souverän gemacht.“

Bei Eurosport-Kommentator Markus Theil flattern die Nerven

Überragend gespielt, die Franzosen in keine Rhythmus kommen lassen, nach jedem Return sofort ans Netz gegangen. Dabei ergänzten sich die Spieler optimal, sagt Theil. Krawietz hat die Ruhe auf dem Platz, öffnet seinem Partner die Chance zum direkten Punkt am Netz. „Ich kenne keinen besseren Netzräuber als ihn“, sagt Theil. „Der steht mit dem Bauchnabel am Netz und hält jedes Tempo aus.“ Die Deutschen legten schnell auf 4:0 vor, gewannen den ersten Satz klar mit 6:2, „die französischen Fans wurden immer stiller“, sagt Theil. „Und im zweiten Durchgang hatten die Deutschen die besseren Nerven.“

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Die flatterten jedoch beim Eurosport-Kommentator immer mehr. „Entschieden war noch gar nichts, da habe ich im Tennis schon zu viel erlebt.“ Die Fans im Stadion wachten wieder auf, es war ein enges Spiel. „Erst bei 6:3 im Tie-Break war mir bewusst, dass das tatsächlich etwas werden könnte.“ Und dann hielt ihn nichts mehr. Er entschuldigte sich sogar bei den Fernseh-Zuschauern dafür, dass er nun die Neutralität aufgeben und den Deutschen den Sieg wünsche würde. „Man sieht schon noch jeden guten Ball des Gegners, aber die beiden haben sich den Sieg einfach verdient.“

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Und so hielt die KKK Theils vernichtenden Vorhand-Volleyschlag fest. Anschließend fielen Mies und Krawietz gemeinsam rückwärts um und konnten ihr Glück nicht fassen. „Für mich war das auch etwas Besonderes“, sagt Theil. „Weil es für die beiden, ihre Freunde und Familien so etwas Einmaliges war, einfach ehrliche Freude.“ Und die brach sich auch bei Theil Bahn, als er im Studio den Matchball mitverwandelte.

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