Die Personaldecke ist dünn. An manchen Schulen gibt es nur noch 50 Prozent ausgebildete Lehrer.
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Die Personaldecke ist dünn. An manchen Schulen gibt es nur noch 50 Prozent ausgebildete Lehrer.

Erst die Pandemie und jetzt das

Lehrermangel im Tölzer Land: Grund- und Mittelschulen können nur noch Pflicht-Unterricht anbieten

  • Patrick Staar
    VonPatrick Staar
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An vielen Fronten müssen die Grund- und Mittelschulen kämpfen. Nach eineinhalb Pandemiejahren mit viel Distanzunterricht scheint sich die Lage nun zu stabilisieren. Dafür macht den Schulen der Lehrermangel zu schaffen.

Bad Tölz - „Wir können nur noch Pflichtunterricht anbieten“, beklagt Christian Müller, Rektor der Tölzer Südschule und Interims-Rektor an der Jahnschule. „Auf Dauer ist das langweilig für die Schüler. Da leidet das ganze Schulleben darunter.“

Großteil der mobilen Reserven ist bereits fest an den Schulen verplant

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband stellt einen massiven Lehrermangel fest. Präsidentin Simone Fleischmann spricht von einem „Kartenhaus, das demnächst zusammenbricht“. Nach der langen Zeit des Distanzunterrichts hält sie es für besonders wichtig, Kinder individuell zu fördern. Das sei aber nicht möglich, da ein Großteil der mobilen Reserven bereits fest an Schulen eingeplant sei. An mancher Schule gebe nur noch 50 Prozent ausgebildete Lehrer.

Zusatzangebote wie Theater- und Sport-Arbeitsgemeinschaften entfallen

„Die Lehrerdecke ist bayernweit sehr dünn“, bestätigt Christian Müller. Pflichtunterricht könne angeboten werden, auch mithilfe von externen Lehrern. Zusatzangebote wie Theater- und Sport-Arbeitsgemeinschaften müssten an seinen Schulen dagegen entfallen: „Dabei bereichern gerade solche Geschichten das Schulleben.“ Die individuelle Förderung der Schüler bleibe mehr und mehr auf der Strecke.

Es gibt zu wenig qualifiziertes Personal

Wenn seine Schule auch nur einen Lehrer mehr zugewiesen bekomme, empfände er dies als „super. Und wenn wir drei zusätzlich bekommen würden, könnten wir noch viel mehr machen.“ Zugleich schränkt der Rektor ein: „Wo nichts ist, kann man nichts holen.“ Es gebe einfach viel zu wenig qualifiziertes Personal: „Um eine Schülergruppe zu führen, ist ein Hochschulstudium nicht immer ausreichend, wenn es in irgendeinem anderen Bereich erworben wurde.“ Es könne aber durchaus Sinn haben, externes Personal einzubinden. Musiker und Künstler könnten Unterricht in ihren Fachgebieten übernehmen. Ebenso freuen würde sich Müller, wenn sich junge Menschen melden, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr an der Süd- oder Jahnschule absolvieren wollen: „Sie könnten bei der Mittagsbetreuung, bei Wandertagen oder in der Verwaltung mithelfen. In den vergangenen Jahren hatten wir immer ein bis zwei FSJler, heuer hat sich noch kein einziger gemeldet.“

Es wurde versäumt, sich um den Lehrer-Nachwuchs zu kümmern

Jakob Dondl, Rektor der Franz-Marc-Grundschule in Kochel, bestätigt Müllers Ausführungen: „Die Grundversorgung ist in Ordnung, für Zusatz-Angebote stehen wenige bis gar keine Stunden zur Verfügung. Dabei waren die in der Vergangenheit das Salz in der Suppe.“ Wehmütig erinnert sich Dondl an die Zeiten, als seine Schule noch Fotografie-, Theater-, und Töpfer-Kurse anbieten konnte: „Für so etwas haben wir jetzt gar keine Ressourcen mehr.“ Es sei versäumt worden, sich um Lehrer-Nachwuchs zu kümmern, „und jetzt fehlen die Lehrer“. Derzeit tüftle seine Schule an einem Modell mit externen Kräften, „damit wir trotzdem was anbieten können“.

„Wir kämpfen alle mit den gleichen Geistern“, sagt die Rektorin aus Egling

Unter dem Personalmangel leidet auch die Eglinger Grundschule: „Wir kämpfen alle mit den gleichen Geistern“, sagt Rektorin Sigrid Prommer. „Uns geht es nicht besser als anderen Schulen – alle sind händeringend am Suchen, wen man noch einbinden kann.“ Um Förderkurse anbieten zu können, habe sie externes Personal geholt. So können die Eglinger nun den Kurs „Deutsch als Zweitsprache“ anbieten. Abgesehen davon gibt es keine Möglichkeit, Schüler mit Migrationshintergrund speziell zu fördern. „Es ist auch unmöglich, schöne Dinge wie einen Schulchor oder eine Theatergruppe anzubieten. Wir beschränken uns auf das allerdringlichste Förderangebot.“

Das sagt das Tölzer Schulamt zu der Problematik

Schulamtsdirektorin Petra Burkhardt bestätigt, dass für Zusatzangebote kontinuierlich etwas weniger Stunden zur Verfügung stehen. Die Stundenzuweisung erfolge gemessen an der Schüler- und nicht an der Klassenzahl: „Da wir im Landkreis viele kleine Klassen haben, benötigen wir einen großen Anteil der zugewiesenen Stunden für die Versorgung des Pflichtunterrichts, und es bleibt nicht so viel für die Arbeitsgemeinschaften übrig.“

Die Stunden zur Sprachförderung an den Grund- und Mittelschulen seien dagegen nicht reduziert worden. Burkhardts Fazit: „Aus unserer Einschätzung kann die Förderung an den Grund- und Mittelschulen bedarfsgerecht stattfinden.“

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