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Auch an Grundschule gibt es immer mehr verhaltenauffällige und hilfsbedürftige Kinder. Hier kann die Jugendsozialarbeit an Schulen ansetzen.

Jugendsozialarbeit an Grundschulen

Lehrkräfte „immer häufiger an ihre Grenzen gebracht“

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Jugendsozialarbeit gewinnt auch an Grundschulen immer mehr an Bedeutung. Denn auch schon bei den Sechs- bis Zehnjährigen gibt es Auffälligkeiten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Jugendsozialarbeiter an Schulen (JAS) sind Ansprechpartner bei allen Sorgen und helfen Kindern und Jugendlichen dabei, Lösungen zu finden. Bis auf Gaißach gibt es an allen Mittelschulen im Landkreis JAS-Stellen. Auch an fünf der 21 Grundschulen sind Sozialarbeiter im Einsatz. „An drei weiteren sind Stellen in Planung“, erklärte Christian Lösch vom Jugendamt in der Sitzung des Kreis-Jugendausschusses. Grundvoraussetzung ist, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund über 20 Prozent liegt. Das sei bislang eigentlich nur in den Städten der Fall gewesen. Deshalb sind die fünf JAS-Kräfte im Moment nur in Tölz und Geretsried im Einsatz. „Hier gibt es aber eine Verschiebung“, so Lösch. Auch Landschulen würden den Migrationsanteil in Zukunft häufiger erreichen. „Das zeigt das Beispiel von Kochel.“ Dort ist nun ebenso wie in Waldram eine halbe JAS-Stelle beantragt.

Jugendsozialarbeit – braucht es die wirklich schon bei den Sechs- bis Zehnjährigen? Diese Frage hat sich früher auch Susanne Merk (Freie Wähler) gestellt. „Aber ich war dabei, als die Schulleiter ihre Anträge erklärt haben“, sagte sie in der Sitzung. Der Anteil der Alleinerziehenden steige, dazu kommen Kinder mit Migrationshintergrund und andere Faktoren. Eine halbe JAS-Stelle sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Natürlich habe ich geschluckt, dass wir damit jetzt schon in den Grundschulen anfangen müssen, aber die Anträge sind wirklich sehr, sehr begründet“, sagte Merk.

Diese Dringlichkeit geht auch aus dem Schreiben von Jakob Dondl, Schulleiter der Kochler Franz-Marc-Grundschule, hervor. „Immer häufiger sehen sich die Lehrkräfte unserer Schule an ihre Grenzen gebracht“, heißt es in dem Brief. „Neben dem eigentlichen Unterricht wird es immer mehr zur Hauptaufgabe der Lehrkräfte, sich um verhaltensauffällige oder hilfsbedürftige Schüler zu kümmern.“ Es gebe aus unterschiedlichsten Gründen immer mehr Kinder, die ihre Probleme mit in die Schule bringen und mehr Aufmerksamkeit brauchen. „Vermehrt ist zu beobachten, dass Familienstrukturen auseinanderbrechen. Immer mehr Schüler befinden sich in Beratungsmaßnahmen und Therapien. Im Schuljahr 2016/17 waren elf Flüchtlingskinder an unserer Schule, von denen die meisten nur schlecht Deutsch sprechen und einige traumatisiert sind.“ All das zusammengenommen führe unter anderem auch zu einer zunehmenden Aggression bei manchen Kindern.

Sein Waldramer Kollege Josef Märkl schildert ähnliches. „Innerhalb der Schule begründen Fälle des Mobbings, exzessiver Medienkonsum, mangelndes Konfliktverhalten, Konzentrationsprobleme und daraus resultierend defizitäres Sozial- und Lern- beziehungsweise Leistungsverhalten einen immer höheren Einsatz an personellen Ressourcen, so dass hier die Unterstützung durch eine qualifizierte Jugendsozialarbeit im Bereich der Grundschule notwendig ist“.

Beiden Anträgen auf jeweils eine halbe Stelle stimmte der Ausschuss zu. Josef Birzele von der Jugendsiedlung Hochland fand, „dass der Landkreis stolz sein kann, dass wir so frühzeitig in die JAS eingestiegen sind“.

Sabine Lorenz (CSU) bedauerte, dass in Löschs Gesamtübersicht die Realschulen nicht auftauchen. Denn auch dort gibt es Stellen. „Die Projekte an den Realschulen haben wir aber bewusst zeitlich begrenzt. Das möchte ich hervorheben“, antwortete Lösch. Hintergrund ist, dass diese Stellen anders finanziert werden. Denn während es für die JAS an Grund- und Mittelschulen ein staatliches Förderprogramm gibt, bleiben 90 Prozent der Kosten für die Realschul-Stellen am Landkreis hängen. Die restlichen zehn Prozent finanziert ein Träger vor Ort wie der Jugendförderverein Wolfratshausen. Bei den anderen JAS-Stellen teilen sich Freistaat, Landkreis, die jeweilige Gemeinde und ein Träger die Kosten. Diese belaufen sich für eine 50-Prozent-Stelle auf rund 35 000 pro Jahr. 

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