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Hat ein großes Herz für Katzen: Susanne Ignjatovic aus Bad Tölz 

Katzen bedrohen laut Wissenschaftlern die Artenvielfalt 

Sollen Katzen zum Wohl der Vögel an die Leine?

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Die Niederländer diskutieren derzeit über eine Anleinpflicht für Katzen.  Nach Meinung der Juristen gefährden die Stubentiger  weltweit die Artenvielfalt, insbesondere von Vögeln. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Niederländer diskutieren derzeit über eine Anleinpflicht für Katzen. Der Grund: Eine aktuelle Studie von zwei Umweltrechtlern der Universität Tilburg. Demnach töten allein die rund zweieinhalb Millionen Hauskatzen in den Niederlanden jährlich etwa 140 Millionen Tiere. Nach Meinung der Juristen gefährden die Stubentiger damit weltweit die Artenvielfalt, insbesondere von Vögeln. Was also wiegt schwerer: Der Instinkt von Hauskatzen oder der Schutz von Vögeln?

Susanne Ignjatovic tut jeder Vogel leid, der einem Stubentiger zum Opfer fällt. Dass Hauskatzen künftig nicht mehr frei herumstreunen dürfen, hält die Tölzerin trotzdem für ausgemachten Blödsinn. „Das ist Natur“, sagt Ignjatovic, die regelmäßig Katzen zur Pflege bei sich aufnimmt. Der Frührentnerin zufolge sind die Vögel, die sich fangen lassen, ohnehin nicht mehr gesund. Sie spricht von einer natürlichen Auslese. „Man sollte lieber manche Menschen an die Leine nehmen und einen Maulkorb verpassen.“

„Das ist die Natur.“

Auch Stephanie Lang von Langen hält nichts von einer Anleinpflicht. „Das wäre ein immenser Stress für die Katzen“, sagt die Tierpsychologin, Hundetrainerin und Katzenhalterin aus Gaißach. Auch die Tiere nicht mehr raus zu lassen, sieht die Expertin kritisch: „Verhaltens- und Gesundheitsprobleme sind vorprogrammiert.“ Lang von Langen geht von ihren eigenen drei Freigängern aus: „Die würden mir die Bude auf den Kopf stellen, wenn sie nicht mehr raus dürften.“

Im schlimmsten Fall entwickelten die Katzen psychosomatische Verhaltensauffälligkeiten wie die sogenannte Stereotypie. Dabei wiederholen die Tiere immer wieder die gleiche Abfolge von Bewegungen. Dadurch setze der Körper beruhigende Wirkstoffe frei. Ein bekanntes Beispiel sei der Tiger im Käfig, der immer wieder den gleichen Weg hin- und herläuft. Oder eine Katze, die ständig ihren Schwanz jagt. „Mit einer artgerechten Haltung hat das nichts zu tun.“

Angeleinte Katzen? „Keine artgerechte Haltung“

Aus Sicht von Stephanie Lang von Langen müsse man woanders ansetzen, zum Beispiel mehr gegen das Insektensterben tun. Bekanntlich leiden viele Vögel unter diesem Phänomen, weil ihnen dadurch die Nahrung fehlt. Außerdem kann sich die Gaißacherin nicht vorstellen, dass die Hauskatzen die Vogelpopulation wirklich so drastisch dezimieren.

Zustimmung erntet Lang von Langen von Walter Wintersberger, dem Kreisvorsitzenden des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). „Ich sehe das nicht so dramatisch“, sagt Wintersberger. Natürlich gebe es Verluste durch Katzen. In den Siedlungsgebieten sei das aber nicht so schlimm, da hier in der Regel keine seltenen Arten betroffen sind. Anders sähe es aus, wenn herrenlose Tiere auf der Suche nach Nahrung bis in die Naturschutzgebiete vordringen würden. „Streuner-Katzen, die nicht gefüttert werden und sich unkontrolliert vermehren, sind für die Natur tatsächlich ein Problem.“

„Streuner-Katzen sind für Natur ein Problem“ 

Aus diesem Grund befürwortet der oberste Vogelschützer im Landkreis Kastrationsaktionen, wie sie in der Vergangenheit zum Beispiel die Isarwinkler Tierfreunde gestartet haben. Er selbst habe auch schon mal eine verwilderte Katze auf eigenen Kosten sterilisieren lassen. Zum Schutz der Vögel empfiehlt Wintersberger außerdem, im Frühjahr, wenn die Jungvögel ausfliegen, die Stubentiger ein bisschen weniger nach draußen zu lassen – oder ihnen ein Glöckchen umzuhängen. „Damit die Jungvögel gewarnt sind.“

Genau davor warntät allerdings Katzenliebhaberin Susanne Ignjatovic ab. Das ständige Gebimmel sei für die Tiere wie ein Tinnitus, mit dem Halsband könnten die Samtpfoten irgendwo hängen bleiben. Stattdessen plädiert die Tölzerin für eine Kastrationspflicht. Und dafür, nur hochwertiges Futter zu verfüttern. „Wenn eine Katze zuhause gut und artgerecht ernährt wird, macht sie sich nicht die Mühe, einen Vogel zu fangen.“

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