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Die Quelle Biburg 3 liefert rund 16 Liter exzellentes Trinkwasser pro Sekunde.

Im Test

Leitungswasser: Viel besser als sein Ruf

Bad Tölz – Warum viele Wassertrinker lieber zum teuren Mineralwasser greifen statt zum günstigen Leitungswasser, ist ein Rätsel. Auch die Stiftung Warentest erkennt kaum Qualitätsunterschiede.

Mineralwasser wird immer beliebter. Die Verbraucherschutz-Organisation „Stiftung Warentest“ hat deshalb in der August-Ausgabe ihres Magazins gängige Mineralwasser-Sorten aus dem Handel mit normalem Leitungswasser verglichen. Letzteres konnte in dem Test problemlos mithalten. Nur 8 von 30 Mineralwässern besaßen zum Beispiel mehr Mineralstoffe als das inhaltsreichste Leitungswasser aus Rinteln in Niedersachsen.

Auch das Tölzer – und damit Gaißacher – Wasser liegt von den Werten her ganz locker im Mittelfeld der Mineralwässer. Umso unerklärlicher ist es Stadtwerke-Chef Walter Huber, warum Menschen freiwillig das rund 450-Fache für Mineralwasser bezahlen. Das Tölzer Wasser kostet rund 1,44 Euro pro 1000 Liter – Hauslieferung inklusive. Ein normales Mineralwasser im Supermarkt kostet pro Flasche rund 0,65 Euro. Wer es exklusiv will, kann sich auch Mineralwasser vom japanischen Berg Rokko bestellen. „Fillico Roi“ kostet im Internet-Shop 196,35 Euro. Dafür bekommt man allerdings auch nur 0,75 Liter des zu flüssigen Gold gewordenen Wassers.

Was macht die Qualität des Tölzer Wassers aus? Ganz bestimmt nicht nur die Zahl der Mineralien, wundert sich Huber etwas über die gängigen Qualitätsvergleiche. In Tölz sei halt weniger Magnesium enthalten, dafür mehr Calzium (Kalk). Das macht das Wasser hart, „ist aber gut bei Osteoporose“. Ansonsten sei die Summe der Mineralstoffe wie etwa Magnesium, Calcium, Natrium, Sulfat und Hydrogencarbonat nicht so entscheidend, sondern eher ein „Werbegag“ der Unternehmen. Der Mensch decke seinen Mineralhaushalt schließlich längst nicht nur aus Wasser.

Viel wichtiger sei die Qualität des Wassers. An den drei Brunnen in Gaißach-Rain und dem einen in Biburg (Gemeindegebiet Wackersberg) werden jährlich rund 1,5 Milliarden Liter Quellwasser gefördert. Belastungen durch coliforme Bakterien seien bislang nie aufgetreten, sagt Walter Huber.

Auch sonst gab es in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Beanstandungen bei den beiden monatlich vorgeschriebenen Proben. In der Biburger Quelle war vor Jahren ein erhöhter Atrazin-Wert festgestellt worden. Schuld war ein Maisfeld, das mit dem Pflanzenschutzmittel gespritzt worden war.

Der Ellbacher Brunnen wurde von den Stadtwerken vor Jahren geschlossen, weil die Bundesstraße 13 zu nahe war und die Deutsche Bahn ihre Gleisanlagen im Schutzzonenbereich mit Unkrautmittel gespritzt hatte. Das Pflanzenschutzmittel war bis zum Grundwasser vorgedrungen. Heute wird das Unkraut abgebrannt, der Brunnen bleibt dennoch geschlossen.

In Gaißach gab es noch nie Beschwerden, sagt Huber und dankt den „verständnisvollen Landwirten“. Der Nitratwert (Gülle) liege bei einem Zehntel der Grenzwerte und sinke sogar seit Jahren. Das Tölzer Wasser sei sogar für Säuglinge empfehlenswert, sagt Huber und berichtet von Kommunen in Norddeutschland, wo das aufgrund der intensiven Agrarwirtschaft längst nicht mehr selbstverständlich ist.

Die hiesigen Landwirte müssen freilich mit Wasser-Schutzzonen unterschiedlicher Qualität und strikten Bewirtschaftungsauflagen fertig werden. Eine heikle Geschichte. Lenggries wehrt sich bis heute gegen die Schutzgebietsausweisung in Gaißach, nachdem festgestellt wurde, dass eine veränderte Fließrichtung des Grundwassers auch Lenggrieser Flächen im Ortsteil Steinbach tangiert.

Christoph Schnitzer

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