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Das Brauneck ist das Haupteinsatzgebiet der Lenggrieser Bergwacht.

Tag der offenen Tür

Die Lenggrieser Bergwacht rettet Leben - und manchmal auch Vierbeiner

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Wer einmal hinter die Kulissen der Lenggrieser Bergwacht blicken möchte, hat beim Tag der offenen Tür am 20. Juli die Möglichkeit. Der ehemalige Bereitschaftsleiter Sepp Bergmayr gibt vorab schon mal einen Einblick.

Lenggries – Eigentlich sei Bergsteigen oder Wandern nichts gewesen, woran er früher Spaß gefunden habe, sagt Sepp Bergmayr. Vielmehr verband er den Sport mit endlosen und vor allem schweißtreibenden Touren, die er in seiner Kindheit mit seinen Eltern hinter sich brachte. „Schinderei und Durst“ – dafür standen bei dem 53-Jährigen früher die Berge. Engagieren wollte er sich deshalb eigentlich bei der Wasserwacht. „Die fand ich gut.“ 

Dann aber verlor Bergmayr „Spezl am Berg“. Sie starben bei Unfällen beim Klettern oder Skifahren. In der Zeitung las er über die Einsätze und die Arbeit der Bergwacht – und kam schnell zu dem Schluss: „Die brauchen Leute, die da mitmachen und sich engagieren.“ Er nahm Kontakt zu Bereitschaftsleiter Hans Speer auf – und blieb hängen. 1982 war das. Bis heute hat Bergmayr rund 1500 Einsätze absolviert. „Wobei ich eine Zeit lang hauptamtlicher Bergwachtler für die Pistenrettung am Brauneck war“, sagt der 53-Jährige, der eigentlich als IT-Fachmann arbeitet.

Fünf Tote in einer Woche und die Evakuierung der Brauneck-Bahn

Im Schnitt dauert die Ausbildung zum Bergretter drei Jahre. Winter- und Sommermodule müssen absolviert werden – inklusive Prüfungen. Das Wissen – auch um Naturschutzbelange und Notfallmedizin – und das Können – von Sicherungstechniken bis Luftrettung –, das sich die Anwärter aneignen müssen, ist mehr als umfangreich. „Bei mir war das 1982 noch eher rudimentär“, sagt Bergmayr mit Blick auf seine eigene Ausbildung. Aber die Anforderungen hätten sich einfach gewandelt. Was gleich geblieben ist: Wer zur Bergwacht will, muss körperlich fit sein und Skifahren können.

Sepp Bergmayr ist seit 1982 bei der Lenggrieser Bergwacht

Zehn Jahre lang – bis 2013 – führte Bergmayr die Lenggrieser Bergwacht als Bereitschaftsleiter. Er kann sich an viele schwere Einsätze erinnern, beispielsweise an die eine Woche, in der es fünf Tote zu beklagen gab. In erster Linie wegen Herz-Kreislaufgeschichten, sagt der 53-Jährige. „Aber da hab’ ich dann schon mal eine Woche gebraucht, um mich wieder zu fangen.“ In Erinnerung geblieben ist ihm auch die Evakuierung der Brauneck-Bergbahn im Januar 2010. Über 40 Skifahrer, die in den Kabinen festsaßen, mussten unter anderem mit Hubschraubern aus der Zwangslage befreit werden. „Unser Glück war, dass wir gut auf diese Situation vorbereitet waren“, sagt Bergmayr. Dazu kam, dass unter der Woche nicht allzu viel am Brauneck los und das Wetter so gut war, dass Helikopter fliegen konnten. Einige Zeit später hätte das anders ausgehen können, als ein Gleitschirmflieger das Seil der Bergbahn nur knapp verpasste. Dieses Mal bei Nebel. „Wenn die Hubschrauber nicht fliegen können, sieht so eine Rettung anders aus“, sagt Bergmayr.

Bergwacht: TV-Sendungen vermitteln unrealistisches Bild

Was ihn übrigens stört, sind Fernsehsendungen, die die Arbeit der Bergretter völlig unrealistisch darstellen. Das führe auch bei Patienten zu falschen Erwartungen. „Wir hatten einen gestürzten Skifahrer, den wir mit dem Ackja runterbringen wollten, Da hat der Mann ganz erstaunt gefragt, ob jetzt nicht der ,Medicopter‘ kommt.“

Bergmayr kann sich in seinen vielen Jahren als ehrenamtlicher Helfer auch an den einen oder anderen ungewöhnlichen Einsatz erinnern. „Es gab mal einen Hund in Lenggries, der ist immer allein auf Wanderschaft gegangen und auch allein mit der Bergbahn gefahren“, berichtet der 53-Jährige schmunzelnd. Bei einer seiner Touren Richtung Seekar stürzte der Vierbeiner von einem Felsvorsprung. „Wir haben uns einiges einfallen lassen müssen, um ihn auf die Gebirgstrage zu bekommen.“

Tag der offenen Tür bei der Lenggrieser Bergwacht

Wer mehr über die Arbeit der Bergwacht wissen möchte, schaut am besten am kommenden Samstag in der Rettungswache an der Karwendelstraße vorbei. Die steht dort seit 40 Jahren – und das wird mit einem großen Tag der offenen Tür gefeiert. Es werden Filme über die Arbeit der Bergwacht gezeigt, sowie historische Fotoaufnahmen über die Bergrettung der letzten 100 Jahre. Für Kinder gibt es unter anderem Hüpfburg, Kletterbaum und Slackline. Außerdem zeigen die Bergretter hautnah, wie Patienten gerettet werden.

Die Bergwacht informiert außerdem über den geplanten Neubau ihrer Rettungswache und beantwortet dazu Fragen. Hunger und Durst muss an diesem Tag natürlich auch niemand leiden. Burger, Grillfleisch, Würschtel, Salat- und Kuchenbüfett und eine Bar warten auf die Besucher im Festzelt, dazu spielt die Grasleit´n Musi.

Los geht’s am Samstag, 20. Juli, um 10 Uhr in der Karwendelstraße 26b. Parkmöglichkeiten bestehen am Karwendelparkplatz. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung endet um 20 Uhr.

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