+
Viel Lob für ihre Arbeit ernten in Wolfratshausen die Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht, (v. li.) Andreas Thomas, Katja Jasper und Gunther Perschon. 

Lenggries und Tölz sehen keinen Bedarf

Sicherheitswacht: Im Süden kein Thema

  • schließen

In Wolfratshausen gilt sie als „Erfolgsmodell“, in Geretsried hat man sich jetzt nach anfänglichem Zögern ebenfalls dafür entschieden. Im südlichen Landkreis hingegen ist die Einführung einer ehrenamtlichen Sicherheitswacht als Unterstützung für die Polizei weiterhin kein Thema.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Das erklären übereinstimmend die Bürgermeister von Bad Tölz und Lenggries auf Rückfrage des Tölzer Kurier.  „Die Sicherheitslage bei uns ist nicht so, dass wir eineSicherheitswacht bräuchten“, erklärt der Tölzer Rathauschef Josef Janker. „Es ist von Seiten der Bevölkerung auch noch nie an mich herangetragen worden.“ Daher sehe er weiterhin keinen Anlass, dem Stadtrat die Einführung solcher ehrenamtlicher Kräfte vorzuschlagen. Auf alltägliche Regelverstöße – wie etwa Vandalismus, Liegenlassen von Hundekot oder Radeln in der Marktstraße und ähnliches – habe in Bad Tölz bereits ein Außendienstmitarbeiter des städtischen Amtes für Sicherheit und Ordnung ein Auge. Er zeige auch bei besonderen Gelegenheiten wie Großveranstaltungen oder den aktuellen „Fridays for Future“-Demonstrationen Präsenz. Davon abgesehen sei jeder Bürger gefragt, im Fall der Fälle Zivilcourage zu zeigen und einzugreifen.

Lesen Sie auch: Unterwasser-Archäologe Florian Huber aus Lenggries: Der Mann, der aus der Kälte kam

Auch Jankers Lenggrieser Amtskollege Werner Weindl sah bislang noch keinen Grund, sich näher mit dem Thema Sicherheitswacht zu befassen. „Sicher gibt es auch mal Phasen, in denen es schön wäre, wenn vor Ort jemand verstärkt kontrollieren könnte“, sagt er. Im Allgemeinen sei eine Sicherheitswacht aber wohl eher ein Thema für eine Stadt als für eine Gemeinde wie Lenggries.

Eine Sicherheitswacht besteht aus freiwilligen Bürgern, die in Ergänzung zur Arbeit der Polizei auf Streife gehen. Sie dürfen – wie jeder andere Bürger auch – Straftäter, die sie auf frischer Tat ertappen, bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Zusätzlich haben die Ehrenamtlichen die Befugnis, Personalien festzustellen und Platzverweise zu erteilen. Bevor sie auf Patrouille gehen, erhalten sie 40 Stunden Ausbildung. Bei ihren Einsätzen stehen sie über Funk in Verbindung mit der Polizei. Als Aufwandsentschädigung erhalten sie 8 Euro pro Stunde.

Im Landkreis hatte der Rosenheimer Polizeipräsident Robert Kopp ab 2017 verstärkt für die Einführung von Sicherheitswachten geworben – obwohl sie gesetzlich schon seit über 25 Jahren möglich wären. In Wolfratshausen gehen seit Dezember 2017 eine Frau und vier Männer freiwillig auf Streife. Die Bilanz nach einem Jahr fiel überschwänglich aus: Sie ermahnten unter anderem 21 Radler, die nicht konform der Straßenverkehrsordnung unterwegs waren, wiesen Falschparker, Schlauchbootfahrer, Hundehalter und Jugendliche auf ihr Fehlverhalten hin, halfen verirrten und verwirrten älteren Menschen, verwiesen Bettlerbanden des Platzes und zeigten Präsenz bei Veranstaltungen. Während ihrer Premiere auf dem Christkindlmarkt 2017 fanden die Ehrenamtlichen gleich ein verloren gegangenes Kind wieder.

„Frauen im Fußball sind härter im Nehmen“

Von ihrer zuvor ablehnenden Haltung ist mittlerweile die Stadt Geretsried abgewichen: Ende Mai beschloss der Stadtrat nach kontroverser Debatte mit 22:8 Stimmen die Einführung einer Sicherheitswacht.

Wünscht sich die Polizei für den südlichen Landkreis dasselbe? Der Tölzer Inspektionschef Bernhard Gigl bezieht – wenige Tage, bevor er Ende Juni in den Ruhestand geht (wir berichteten) – dazu keine Stellung mehr. Eine Empfehlung an die kommunalen Entscheidungträger möchte auch Alexander Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, nicht abgeben. Allgemein seien aber die Erfahrungen in jeder Stadt und Gemeinde, die eine Sicherheitswacht eingeführt habe, „durchweg positiv“, sagt Huber. Diese Kräfte hätten sich als Ansprechpartner für die Bürger bewährt. Ihre Präsenz zeitige eine „präventive Wirkung“.

Pater Gracious bleibt in Jachenau: „Gott hat mich hierher geführt“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Am Kesselberg: Biker zeigt Autofahrer den Mittelfinger - dann bremst er ihn aus
Ziemlich daneben benommen hat sich ein Motorradfahrer am Kesselberg. Das führte zu einem Auffahrunfall - und einigen Anzeigen.
Am Kesselberg: Biker zeigt Autofahrer den Mittelfinger - dann bremst er ihn aus
Knapp 25 000 Besucher bei Lenggrieser Festwoche - aber sie trinken weniger Bier
Mehr als zufriedenstellend fällt die Bilanz der Lenggrieser Festwirte Michael und Peter Gascha nach der Festwoche aus.
Knapp 25 000 Besucher bei Lenggrieser Festwoche - aber sie trinken weniger Bier
Lorenz aus Lenggries
Die Familie Gerg in Lenggries-Anger zählt jetzt fünf Mitglieder. Ellen und Andreas Gerg haben jetzt ein lustiges Trio. Das jüngste Familienmitglied Lorenz kam am 17. …
Lorenz aus Lenggries
Tour mit Hindernissen: Mit dem Fahrrad bis in die Hauptstadt von Estland
Bis nach Tallinn ist der Tölzer Sebastian König von Pegnitz aus gefahren – mit dem Fahrrad. Ein tragischer Trauerfall drohte die Tour vorzeitig zu beenden.
Tour mit Hindernissen: Mit dem Fahrrad bis in die Hauptstadt von Estland

Kommentare