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Es gibt weiterhin Diskussionsstoff nach der Tölzer Leonhardifahrt.

Leonhardifahrt in Bad Tölz

Leonhardifahrt Bad Tölz: Nach Pferdetod meldet sich Landratsamt zu Wort 

Leonhardi in Bad Tölz sorgt für Diskussionsstoff. Insbesondere wegen zwei Zwischenfällen: einem Reitunfall sowie dem plötzlichen Tod eines Pferdes. Jetzt spricht das Landratsamt.

Samstag, 10. November, 7.30 Uhr: Zur Berichterstattung über Stute „Perle“, die an Leonhardi tot zusammenbrach, meldet sich das Landratsamt zu Wort. Die Behörde stellt klar, dass ein Amtstierarzt des Landratsamts in die Veranstaltung einbezogen sei – und zwar als „Teil des Kommunikationsplans der Polizei“. „Der Amtstierarzt begutachtet am Morgen jedes einzelne aus den Anhängern ausgeladene Tier, um sich einen Gesamteindruck zu verschaffen“, so Behördensprecherin Marlis Peischer. „Eine wesentliche Rolle spielt die Frage, ob es Anhaltspunkte gibt, dass ein Pferd aus tierschutzfachlichen Gründen für die Leonhardifahrt nicht eingesetzt werden darf. Während des Zuges postiert sich der Amtstierarzt so, dass er alle Zug- und Reittiere in Bewegung beobachten kann, um gegebenenfalls bei Auffälligkeiten sofort eingreifen zu können.“ Als nun am Dienstag in der Nockhergasse das Pferd zusammenbrach, habe der Führungsstab den Amtstierarzt informiert. „Er war nur sieben Minuten nach dem Anruf bei dem Tier, konnte jedoch nur noch den Tod feststellen.“

Leonhardifahrt in Bad Tölz: So geht es dem verletzten Reiter - Meldungen vom 9. November

Update, 9. November, 21.21 Uhr: Der Lenggrieser, der an Leonhardi bei einem Reitunfall verletzt wurde, ist am Freitag wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das teilt die Asklepios-Stadtklinik Bad Tölz mit. Der Mann wurde nach der Erstversorgung mit einer Platzwunde, Prellungen und starken Schmerzen im Brustkorb in die Notaufnahme eingeliefert. Dort wurde laut Asklepios-Sprecher Christopher Horn ein Schlüsselbeinbruch diagnostiziert. Nach erfolgreicher Operation und Behandlung sei der Patient sehr zufrieden und auch „froh, dass dem Pferd bei dem Unfall nichts passiert ist und es dem Tier soweit gut geht“. 

Leonhardifahrt in Bad Tölz: „Schöne Tradition, die auch erhalten bleiben sollte“ - Fachtierarzt im Interview

Update, 9. November, 8 Uhr: Der Fall des nach der Leonhardifahrt verendeten Pferds sorgt für viele Diskussionen. In einem Leserbrief und vor allem in den Sozialen Medien werden Vorwürfe von „ungeheuerlichem Stress für die Pferde“ bis zur Tierquälerei im Zusammenhang mit der Leonhardifahrt in den Raum gestellt. Der Tölzer Kurier hat mit Dr. Thomas Möllmann aus Eurasburg gesprochen. Er ist Fachtierarzt für Pferde, hat viele Kunden und „Patienten“ im Isarwinkel und Loisachtal und hat auch die verendete Stute regelmäßig betreut.

Haben Sie eine Vermutung, warum das Pferd verendet ist? 

Die 14-jährige Stute Perle wird von ihrem Besitzer schon seit Jahren regelmäßig eingespannt und war sehr gut trainiert. Sie hatte seit einigen Jahren keine Fohlen mehr. Meines Erachtens ist sie wohl an einem Aorten-Abriss gestorben.

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Was ist das? 

Es gibt beim Pferd am Übergang vom Herzen zur Aorta eine Schwachstelle. Und die kann jederzeit, bei Belastung oder in der Ruhephase auf der Koppel, abreißen. Das passiert immer wieder. Dann verblutet das Pferd innerhalb weniger Minuten nach innen. Wenn man so will, war das für das Pferd ein schöner Tod. Denn das Tier musste nicht lange leiden. Bei einem Aorten-Abriss kann man auch als Tierarzt nicht mehr helfen. Wohlgemerkt, das ist meine Vermutung. Der Nachweis des Aorten-Abrisses könnte nur durch eine Sektion geführt werden.

Wäre das sinnvoll? 

Bestimmt. Dann wäre der Fall eindeutig geklärt, und es gäbe keine Grundlage für andere Vorwürfe.

Werden die Tiere bei der Leonhardifahrt überanstrengt? 

Das bei uns gebräuchliche Süddeutsche Kaltblut, die Haflinger und Percheron sind ja zum Teil seit Jahrtausenden für den Arbeitseinsatz gezüchtet. Früher waren sie im Wald und bei der Feldarbeit im Einsatz. Das war richtig schwere Arbeit. Im Vergleich dazu ist das Gespannfahren eher leichtere Arbeit.

Auch am steilen Maierbräugasteig? 

Das Anfahren an der Steigung ist natürlich die größte Kraftanstrengung. Das A und O ist aber immer gutes Training und eine gute Vorbereitung. Wenn die Pferde trainiert sind, können sie die Last aus dem Rücken und der Hinterhand problemlos ziehen.

Jede der genannten Rassen? 

Natürlich spielt das geringere Körpergewicht eines zierlichen Haflingers gegenüber einem massiv gebauten Percheron eine Rolle. Da wird man halt dann ein etwas geringeres Zuggewicht anspannen.

Ein Leserbriefschreiber spricht vom großen Stress, dem die Pferde bei der Leonhardifahrt durch vielfältige Quellen wie Lärm, Blasmusik und Menschen ausgesetzt sind. Was meinen Sie? 

Um auf „Perle“ zurückzukommen: Sie war seit Jahren auf unzähligen Umzügen mit dabei. Für die war das bestimmt kein Stress mehr gewesen. Sie kannte das, so wie die meisten Tiere.

Spielte das Wetter eine Rolle? 

Das glaube ich nicht. Natürlich haben die Pferde schon ihr Winterfell. Aber es war ja nicht extrem warm. Ich habe mit dem Besitzer von „Perle“ gesprochen. Er meinte, dass das Tier nicht übermäßig geschwitzt hat und auch die Atmung sich schon weitgehend beruhigt hatte.

Ist übrigens das Kopfsteinpflaster ein Problem? 

Ideal ist es nicht. Jedenfalls sollte man nicht galoppieren, denn der Beschlag mit Eisen und Stollen gibt auf dem Kopfsteinpflaster weniger Halt.

Haben Sie als Tierarzt unter dem Aspekt des Tierschutzes grundsätzlich ein Problem mit der Tölzer Leonhardifahrt? 

Das ist wie die anderen Leonhardifahrten und -ritte eine schöne Tradition, die auch erhalten bleiben sollten. Voraussetzung ist immer, dass die Pferde gut trainiert sind.

Irgendeine Anregung? 

Bei Reit- und Fahrturnieren ist auch immer ein Turniertierarzt dabei. Ich würde mir wünschen, dass bei einer Leonhardifahrt ein Tierarzt anwesend ist. Im Fall von „Perle“ hätte der aber wohl auch nicht mehr helfen können.

Leonhardi Bad Tölz: Fuhrleute, Pferdezüchter und Tierärzte nehmen Stellung

Bad Tölz – Vorab: Der Tölzer Tierarzt Dr. Hamed Coulibaly, der zufällig zu dem verendenden Ross in der Nockhergasse kam, vermutet wie sein Kollege Dr. Thomas Möllmann (siehe Interview oben) dass es sich um einen Aorten-Abriss handelte. Die Stute habe noch Puls gehabt, als er sie untersuchte. Sie sei aber dann schnell verendet. Verschwitzt sei sie nicht gewesen. Bis auf den fehlenden routinemäßig anwesenden Tierarzt vor Ort hat Coulibaly eigentlich nichts an der Wallfahrt auszusetzen. 

Das sehen die Kritiker der Leonhardifahrt anders, die in den Sozialen Medien aus Tierschutzgründen sogar eine Abschaffung „dieser überholten Tradition“ fordern. „Totaler Schmarrn“, erwidert Anton Mayer, zum Mang, dessen Hof heuer für 80-jährige Teilnahme ausgezeichnet wurde. Die Rösser „werden nicht überbeansprucht, sondern gut vorbereitet“, ist der Ellbacher überzeugt. Er selbst verwende keine Peitschenhilfe. Zur Stressfrage meint der Haflinger-Züchter, dass „ein Pferd, das ich verkehrssicher machen will, auch Lärm aushalten muss.“ 

Josef Bichlmair, Lamprechtbauer von Wegscheid, mag auch nichts vom Vorwurf der Tierquälerei hören. „Kaltblut, das sind Arbeitstiere, die durch Jahrtausende domestiziert worden sind. Die sind schon was gewohnt.“ Natürlich könne ein einzelnes Tier mal Stress haben. „Das geht jedem von uns doch genauso.“ Aber da schaue schon jeder Pferdebesitzer auf seine Tiere, sagt Bichlmair, der selbst auch viele Reit- und Fahrturniere bestritten hat und stolz darauf ist, „dass meine Pferde so viel unterwegs sind“. Natürlich auch an Leonhardi. 

„Es gibt durchtrainierte Sportler. Die fallen während eines Spiels um und sind tot.“

Was den Fall des gestürzten Reiters betrifft, hat Bichlmair eine eigene Meinung. Jeder Fuhrmann und Reiter sei grundsätzlich für seine Tiere verantwortlich und müsse seine Rösser unter Kontrolle haben. Im unteren Teil, wo es steiler sei, könne er auch einen Galopp nachvollziehen. „Oben, wo es flacher wird, muss man dann halt Tempo rausnehmen und in einen Trab übergehen.“ Das Kopfsteinpflaster sei schon ein bisschen rutschig, räumt der Wegscheider ein und wünscht sich, „dass die Stadt einen Lastwagen voll Splitt reinhaut“. Am Maierbräugasteig werde es ja auch gemacht. Florian Schelle ist Vorsitzender des Pferdezuchtverbands Oberbayern. Er stellt mit seinem Bruder Johann seit vielen Jahren ein Gespann für die Leonhardifahrt. Am Telefon stellt der Deisenhofener erst einmal die Gegenfrage: Wann ist das letzte Mal ein Pferd bei der Wallfahrt verendet? Auch er geht von einem Aorten-Abriss aus. „Das ist wie beim Menschen. Es gibt durchtrainierte Sportler. Die fallen während eines Spiels um und sind tot.“ 

Der oberste Pferdezüchter Oberbayerns stellt sich klar vor den Hof, aus dem die später verendete Stute kam: „Das ist ein Vorzeigebetrieb, was die Pferdehaltung betrifft.“ Die grundsätzliche Kritik radikaler Tierschützer an der Pferdehaltung kontert Schelle mit dem Hinweis, dass „es ohne Veranstaltungen wie die Leonhardifahrt wohl gar kein Süddeutsches Kaltblut mehr gäbe. Die Züchter haben die Rasse erhalten.“ Und schon der römische Name Noricum fürs Süddeutsche Kaltblut, wie er heute noch in Österreich in Gebrauch sei, zeige, dass das Kaltblut auf eine 2000-jährige Geschichte als Arbeitstier zurückblicke. Dieses „Kulturgut“ müsse auch heutzutage noch seinen Platz haben. Ganz kritiklos ist der Pferdefachmann nicht, was die Tölzer Leonhardifahrt betrifft. In der Marktstraße dürfe nicht galoppiert werden. Da müssten die Leonhardilader nicht nur Wünsche aussprechen, sondern Sanktionen erheben. „Die Stadt hätte da schon viel früher durchgreifen müssen.“ 

Keine Veranlassung sah die Stadt für eine von beiden Tierärzten ins Gespräch gebrachten Sektion. Diese „Leichenschau“ hätte den Aorten-Abriss bestätigt und Stress-Vorwürfen den Wind aus den Segeln genommen. Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach: „Das ist Sache des Pferdehalters.“

Erstmeldung: Leonhardi Bad Tölz - Reitunfall - Pferd rutschte weg

Bad TölzWelche Gefahren die Leonhardifahrt birgt, das machte der Sturz eines Pferdes in der Nähe des Khannturms deutlich. Wie berichtet, waren dem drei Vorreiter die Marktstraße hinaufgaloppiert. Eines der Pferde rutsche weg und fiel mitsamt dem Reiter, einem 34-jährigen Lenggrieser, zu Boden. Er brach sich das Schlüsselbein und erlitt eine Platzwunde am Kopf.

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Ist das Galoppieren bei der Leonhardifahrt verboten? Auf Anfrage des Tölzer Kurier erklärt Leonhardilader Ludwig Bauer, dass die Teilnehmer „aufgerufen“ seien, nicht zu galoppieren, da das Pflaster der Marktstraße dafür zu glatt sei. „Leonhardi ist kein Pferderennen“, sagt er. Ein explizites Verbot gebe es nicht. Bauer verweist auf die Straßenverkehrsordnung. Auch die Wallfahrer seien „Teilnehmer am öffentlichen Verkehr“ und hätten sich daher „so zu verhalten, dass niemand gefährdet wird“.

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In dieser Hinsicht sieht die Tölzer Polizei im konkreten Fall aber keinen Handlungsbedarf. Nach Auswertung von Videomaterial geht der stellvertretende Tölzer Inspektionsleiter Andreas Rohrhofer von keinem Fehlverhalten des Reiters aus, sondern davon, dass das Pferd einfach unglücklich ausgerutscht sei.

Auch Bauer möchte nicht davon reden, dass vonseiten der Organisatoren Konsequenzen gegen den Reiter zu ergreifen seien. Deutliche Kritik übt er an den Zuschauern. „Sie treiben die Reiter und Wägen noch an“, sagt Bauer. „Die Sensationslust der Menschen ist oft haarsträubend.“

Leonhardi Bad Tölz: Verendetes Pferd - Kritik von Tierschützern

In der Nockhergasse geriet am frühen Nachmittag ein Pferd plötzlich ins Wanken und verendete. Dieser Vorfall ruft Kritik von Tierschützern auf den Plan. Laut Polizei gibt es keinerlei offizielle Erkenntnisse über den Grund für den plötzlichen Tod des Tieres.

Leonhardilader Bauer lässt es nicht gelten, wenn aus dem Vorfall generelle Kritik abgeleitet wird. „Das Pferd ist seit Menschengedenken ein Nutztier und hat eine gewaltige Kraft“, sagt er. „Aber auch ein Mensch kann von einer Sekunde auf die andere umfallen und tot sein.“

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Augenzeugen kritisierten, dass der Sicherheitsdienst einen Tierarzt nicht zu dem kollabierten Tier vorgelassen habe. Dazu erklärt Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach, dass der Sicherheitsdienst den Bereich großflächig abgesperrt habe. „Umstehende Besucher beobachteten die Situation, es herrschte eine gewisse Aufgeregtheit, und zahlreiche Passanten boten sich an, dem Tier zu helfen. Allerdings lehnte dies der Besitzer des Pferdes ab, da er selbst sehr versiert in Pferdezucht und -haltung ist und zudem auch nicht klar war, ob unter den Passanten ein Fachmann war. So wurde tatsächlich auch ein Mann, der sich als Veterinär ausgab, zunächst abgewiesen. Innerhalb weniger Minuten verifizierte die Polizei jedoch die Angaben des Herrn und ließ ihn dann zum Tier vor.“

Otterbach erklärt zudem, dass die Pferdehalter angewiesen seien, „eigenverantwortlich Sorge zu tragen, dass lediglich gesunde und verkehrstaugliche Pferde zum Einsatz kommen“. Die Stadt selbst habe bislang keinen Veterinär in die Veranstaltung miteinbezogen. „Allerdings wird die Stadt im Zuge der Nachbesprechung zur Leonhardifahrt diese Thematik neu diskutieren.“

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