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„Wissen, wo ich hingehöre“: Dabei hilft nach den Worten von Kultusminister Ludwig Spanele eine Tradition wie die Tölzer Leonhardifahrt.

Ludwig Spaenle in Bad Tölz

Leonhardi-Verlosung mit Minister

Die Tölzer Leonhardifahrt steht vor der Tür. Zu den umfangreichen Vorbereitungen gehört die Zugnummernverlosung für die teilnehmenden Gespanne. Diesmal mit Minister-Besuch.

Bad Tölz – Während in den zurückliegenden Jahren das Prozedere um die Festsetzung der Wagenreihenfolge immer nach gleichem Schema verlief, hatte diese Veranstaltung heuer einen gewissen „Mehrwert“: Kultusminister Ludwig Spaenle stattete den im Kurhaus versammelten Stadtoberen, Gespannführern und Rosserern einen Besuch ab. Als sichtbares Zeichen für den erreichten Eintrag in die Landesliste des immateriellen Kulturerbes überbrachte er eine Plakette.

Bekanntermaßen ist die Tölzer Leonhardifahrt schon bald nach der Aufnahme in das Landesverzeichnis auch in die Bundesliste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Die Wallfahrt sei etwas Gewachsenes und Herausragendes, sie vermittle Identität und Einmaligkeit, betonte Spaenle in seiner Ansprache. Sie gehöre zu den kulturellen Werten, „die die Welt im Innersten zusammenhalten und den Menschen einer Region Heimat vermitteln“.

Dies sei in aktueller Zeit, in der Globalisierung und Digitalisierung das Lebensumfeld verändern und Unsicherheiten aufkommen lassen, von besonderer Bedeutung. Ein Unikat wie die Leonhardifahrt könne die Menschen der Region darin bestärken, sich selbst wiederzufinden, „zu wissen, wohin ich gehöre und sich sicher zu fühlen auch in dem Bewusstsein, dass sich vieles verändert.“ Vor allem junge Menschen würden sich damit oft schwertun und könnten mit dem Gefühl von „dahoam in der Globalisierung“ eine Identitätsstütze finden.

Er wolle seinen Dank aussprechen an alle Mitwirkenden, die diese Tradition in das 21. Jahrhundert tragen, wandte sich Spaenle an die zahlreichen Leonhardifahrer im Saal.

Bürgermeister Josef Janker schloss sich den Ausführungen des Ministers an und erinnerte daran, dass die Tölzer Leonhardifahrt überdies im April 2017 von Heimatminister Markus Söder mit dem „Heimatpreis Oberbayern“ geehrt worden sei. Die Wallfahrt sei bodenständig und authentisch geblieben. „Die erhaltenen Auszeichnungen sind uns ein neuer Auftrag, sie weiterhin zu hegen und zu pflegen und an die junge Generation weiterzugeben.“

Stadtpfarrer Peter Demmelmair ging in seinem Grußwort dem Begriff „Wallfahrt“ nach. Die Bezeichnung „Wallfahrt“ finde man inzwischen nur noch selten, heute werde stattdessen „gepilgert“. Doch Wallfahren und Pilgern sei nicht dasselbe. „Pilgern kann jeder allein, das hat mit Selbstsuche, Selbstfindung und Individualisierung zu tun und lehnt sich an den Zeitgeist an. Eine Wallfahrt dagegen ist etwas Gemeinschaftliches. Man hat gemeinsame Gebete und Lieder, man feiert miteinander Gottesdienst, man hat ein gemeinsames Ziel.“

Er erlebe die Tölzer Wallfahrt sehr positiv, so Demmelmair, „da wird noch viel gebetet.“ Aufgrund des großen Zuspruchs im vorigen Jahr werde auch heuer am Nachmittag des 6. November um 16 Uhr in der Stadtpfarrkirche eine Andacht stattfinden.

Um die praktische Abwicklung des Wallfahrtstags ging es indes bei Leonhardilader Anton Heufelder: Rechtzeitiges Eintreffen am Morgen, zügiges Fahren, kein Schnapsausschank an Fremde, keine Plastikbecher, kein Galopp über die Marktstraße für Gespanne und Vorreiter: So lauteten die Regeln für die Teilnehmer. Der Wunsch, dass es eine schöne und unfallfreie Fahrt werden solle, war allen Anwesenden aus der Seele gesprochen.

Von Rosi Bauer

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