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Leonhardifahrt in Bad Tölz: Die Helfer im Hintergrund

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Von: Elena Royer

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Letzte Vorbereitungen für die Leonhardifahrt: Leonhardifahrer Ignaz Berchtold (re.) und Hufschmied Martin Rest.
Letzte Vorbereitungen für die Leonhardifahrt: Leonhardifahrer Ignaz Berchtold (re.) und Hufschmied Martin Rest.  © privat

Schmied, Sattler, Brettlhupfer, Binderinnen: Mit Arbeit, die kaum einer sieht, tragen viele Menschen dazu bei, dass die Tölzer Leonhardifahrt gelingt.

Bad Tölz – Zwei Jahre mussten die Tölzer auf ihre Leonhardifahrt verzichten. Doch heuer ist es endlich wieder so weit. Am Montag, 7. November, ziehen Reiter und Wagen zu Ehren des Rossheiligen auf den Kalvarienberg und erhalten dort den Segen. Damit am Festtag alles reibungslos läuft, spielt sich schon Wochen zuvor im Hintergrund einiges ab, was die Zaungäste oftmals gar nicht mitbekommen. Ein Blick hinter die Kulissen:

Leonhardilader

„Im Hintergrund wird so viel gemacht, was man nicht sieht“, sagt Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair. „Das passiert einfach.“ Auch Lindmair ist schon seit Wochen eingespannt. Er und Anton Mayer sind heuer zum ersten Mal die Leonhardilader. Im Vorfeld fahren sie gemeinsam zu den Gespannführern, Rosserern und Bauern, um sie zu fragen, ob sie wieder an der Fahrt teilnehmen. „Das ist eine schöne und ehrenvolle Tradition“, sagt Lindmair. „Wir sind dafür an einigen Tagen unterwegs und machen um die 50 Besuche. Der persönliche Kontakt und das Gespräch sind ein wesentlicher Bestandteil.“ Er findet: „Wir sind ein gutes Team.“

Fungieren heuer zum ersten Mal als Leonhardilader: Michael Lindmair (li.) und Anton Mayer.
Fungieren heuer zum ersten Mal als Leonhardilader: Michael Lindmair (li.) und Anton Mayer. © Hias Krinner

Auch für das Organisatorische sind Mayer und Lindmair zuständig. So wirken sie zum Beispiel bei der Verlosung der Zugreihenfolge oder der Entwicklung des Sicherheitskonzepts mit und suchen das Leonhardi-Zeichen aus. „Am Tag der Leonhardifahrt selbst gibt der Lader um Punkt 9 Uhr das Startsignal“, erklärt Lindmair. Ihm macht es „riesigen Spaß“.

Dass die beiden ehemaligen Leonhardilader Anton Heufelder und Ludwig Bauer auch einmal Stadträte waren, so wie Mayer und Lindmair, ist übrigens Zufall. „Da gibt’s kein Regelwerk, wo der Leonhardilader herkommen muss“, erklärt Lindmair. „Stadtrat zu sein, ist kein zwingendes Muss.“ Lindmair freut sich schon sehr auf den Tag und die Stimmung. „Beim Laden haben wir oft gehört: ,Endlich ist wieder Lehards.‘ Gerade in diesen Zeiten ist das für die Leute sehr wichtig.“

Leonhardifahrer

Eine besonderer Tag ist der 7. November heuer für den Leonhardifahrer Ignaz Berchtold. Für den Berlbauern ist es die 40. Fahrt. „Meine Familie hat immer schon Pferde auf dem Hof gehabt“, erzählt der 61-Jährige, der aus Eichendorf im Landkreis Weilheim-Schongau kommt. Neben den acht Pferden gehören 170 Stück Vieh zur Landwirtschaft von Ignaz Berchtold. „Vor Leonhardi muss man mit den Pferden viel trainieren“, erklärt er. „Das Ganze läuft neben dem normalen Betrieb her. Das ist viel Arbeit, das muss man auf die Reihe bringen. Alles geht nur, wenn die Familie und Bekannte zusammenhelfen.“

Der Leonharditag selbst beginnt für Berchtold und seine Familie schon früh. „Wir stehen um 2 Uhr auf, dann stehen drei Stunden Stallarbeit an. Parallel werden die Pferde hergerichtet und um 5 Uhr auf den Hänger verladen.“ Zur Tölzer Leonhardifahrt ist Berchtold über einen Bekannten gekommen. „Als es einmal knapp war mit den Pferden, bin ich eingesprungen. Die Tölzer Leonhardifahrt hat mich schon immer gejuckt. Das ist ja quasi die Champions League“, erklärt er schmunzelnd.

Dass er heuer das 40. Mal mit dabei sein darf, ist für Berchtold eine große Ehre. Um ein Haar wäre es anders gekommen. „Ich wollte eigentlich, dass der Junior schon heuer übernimmt, aber die Familie hat gesagt: Dein Jubiläum musst du noch fahren“, erzählt der 61-Jährige. Gesagt, getan: Im kommenden Jahr übernimmt dann aber sein Sohn. Der 24-Jährige ist mit Begeisterung dabei. „Wenn die Jugend nicht mitmacht, kann man eigentlich aufhören“, ist Berchtold überzeugt. „Die ganze Familie muss über Generationen dahinterstehen. Der Brauch lebt nur weiter, wenn man ihn weitergibt.“

Das Schönste an der Leonhardifahrt ist für den 61-Jährigen, „wenn alles gut geht und nix passiert. Leonhardi ist für uns der höchste Tag im Jahr“, sagt Berchtold, der mit einem kompletten Gespann anreist. „Die Wallfahrt ist im Vordergrund und entschädigt uns für die ganze Arbeit über das Jahr.“

Brettlhupfer

Dafür, dass alles gut geht, ist Martin Rest (Daxner) mit verantwortlich. Der 44-Jährige ist seit 20 Jahren Brettlhupfer. „Der Brettlhupfer muss alles machen, was der Fuhrmann vom Sattel aus nicht machen kann“, erklärt er. „Man trägt nicht nur die Verantwortung für die Leute auf dem Wagen, sondern auch für die Zuschauer.“ So gehört es zum Beispiel zu seinen Aufgaben, das Ross zu führen, wenn der Wagen zu nah an ein Hauseck kommt.

Hufschmied

Martin Rest kennt sich gut mit Pferden aus, denn der Gaißacher ist von Beruf Hufschmied. Auch sein Opa arbeitete als Hufschmied. Seit 1999 ist Rest selbstständig. „Im September fängt die Arbeit an“, erklärt er. Denn im Sommer seien die Pferde auf den Wiesen meist „barfuß“ unterwegs. „Die Pferde brauchen Hufeisen, Stifte oder Stollen, das kommt ganz auf den Untergrund an. In Tölz müssen sie zum Beispiel auf dem Kopfsteinpflaster Halt finden.“ Der Gaißacher freut sich schon sehr auf die Fahrt. „Das ist ein bissl wie ein Fieber, das jeder kriegt, wenn der Herbst kommt.“

Sattler

Zuständig für die Hauptakteure, die Pferde, ist auch Christian Lindner. Der 24-Jährige ist Sattlermeister. „Ohne Sattler gibt es keine Fahrt“, erklärt er. In vierter Generation arbeitet er mit Schwester Regina und seinem Vater Hans, beide ebenfalls Sattlermeister, im Familienbetrieb in Wessobrunn (Landkreis Weilheim-Schongau). „Wir sind fast einer der ältesten in Süddeutschland“, erklärt er. „Vor der Fahrt kommen die Leute und bestellen neue Halfter und Geschirre. Die werden auf Wunsch angefertigt.“ Aber auch Reparaturen und der Verkauf von Lederfett und Pflegemitteln gehören zu den Hauptarbeiten im Vorfeld der Leonhardifahrt.

„Ohne Sattler gibt es keine Fahrt“, sagt Christian Lindner. In vierter Generation arbeitet er im Familienbetrieb in Wessobrunn (Landkreis Weilheim-Schongau).
„Ohne Sattler gibt es keine Fahrt“, sagt Christian Lindner. In vierter Generation arbeitet er im Familienbetrieb in Wessobrunn (Landkreis Weilheim-Schongau). © Achim Frank Schmidt

In Wessobrunn selbst gibt es einen Leonhardiritt, „wenn der sich nicht mit der Tölzer Fahrt kreuzt, dann gehen wir natürlich auch nach Tölz, schauen zu und ratschen mit unseren Kunden“, sagt Lindner. „So eine Tradition ist ganz wichtig“, findet er. „Das gehört einfach dazu zum bayerischen Lebensgefühl.“

Betriebshof

Leonhardi kommt in Tölz zwar einem Feiertag gleich, gibt es trotzdem Menschen, die an diesem Tag arbeiten müssen. Zu ihnen zählt Helmut Kronseder. Er arbeitet beim Tölzer Betriebshof und bereitet die Stadt gemeinsam mit seinen Kollegen auf den großen Tag vor. „Etwa drei bis vier Wochen im Voraus starten wir“, erklärt er. „Wir bauen die Steh-Tribünen und Podeste auf dem Kalvarienberg und in der Marktstraße auf, stellen Fahnenmasten auf, richten die Wägen für den Stadtrat und die Geistlichkeit her, warten die Wägen und bauen sie zusammen.“ Gut 20-mal hat der Gaißacher das schon miterlebt. Und auch für ihn und seine Kollegen beginnt der Tag früh: „Wir fangen um 5 Uhr morgens an. Zu unseren Aufgaben zählen Ordnerarbeiten, danach müssen wir aufräumen, abbauen und mit der Kehrmaschine fahren. Das ist ein ganz normaler Arbeitstag.“

Wagner

Ohne prächtige Truhen- und Tafelwagen keine Leonhardifahrt. Für die ist der Wagner Wolfgang Linke zuständig. Er ist in Dießen am Ammersee daheim und seit 22 Jahren selbstständig. „Das Meiste, womit wir im Vorfeld zu tun haben, sind Reparaturarbeiten“, erklärt er. Kurz vor dem großen Tag geht es meist stressig zu in der Wagnerei von Wolfgang Linke. „Da braucht dann jeder noch was“, sagt der 42-Jährige. So müssen zum Beispiel Räder oder ein Untergestell repariert werden.

Ein ganzer Wagen wird selten bei Linke in Auftrag gegeben. „Es ist ja meist so, dass der Wagen von Generation zu Generation weitervererbt wird“, erklärt der Wagner. Heutzutage ist es so, sagt Linke, dass die Wägen nicht mehr das ganze Jahr über im Einsatz sind, so wie früher. Da hatte man den Wagen nicht extra für die Wallfahrt.

Weil es niemand anders mehr im Umkreis gibt, der dieses Handwerk beherrscht, kommen viele zu ihm nach Dießen. „Der Beruf ist mehr oder weniger ausgestorben“, sagt Linke.

Binderinnen

Für den großen Tag werden die Wägen prächtig geschmückt. Diese Aufgabe übernehmen die Binderinnen. Eine von ihnen ist Maria Bader. „Zwei Wochen davor treffen sich die Frauen und sammeln in der Natur Latschen, Almenrausch, Buchs, Islandmoos und Daxn“, erklärt die 57-Jährige, die bei der Friedhofsverwaltung der Stadt Bad Tölz arbeitet. Anschließend werden die Wägen geschmückt. „Dafür braucht man je nach Aufwand zwei bis vier Nachmittage“, erklärt die Tölzerin. „Bei den Tafelwägen wird das Geländer mit Grünzeug umwickelt. Die Truhenwägen sind bemalt. Aber auch die werden mit kleineren Girlanden geschmückt. Jeder Wagen ist für sich schön“, findet Bader.

Maria Bader (li.) und Anna Hochwind beim Binden des Hängkranzes, der als Girlande am Wagen befestigt wird.
Maria Bader (li.) und Anna Hochwind beim Binden des Hängkranzes, der als Girlande am Wagen befestigt wird. © privat

Das Wissen um das Binden der Wägen wird von Generation zu Generation weitergegeben. „Wenn die Frauen schon als Ledige mitgefahren sind, kennen sie es schon“, sagt Bader. „Und je öfter man das macht, desto mehr Routine entwickelt man.“ Bader selbst fährt schon über 20 Jahre bei den Reichersbeurer Schalkfrauen mit. „Der Wallfahrtscharakter, der gelebte Glaube und dass man seinen Glauben nach außen trägt, das steht für mich im Vordergrund“, sagt sie. Aber natürlich freut sie sich auch auf das „Zammsitzen und miteinander feiern hernach“.

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