Zur Tölzer Leonardifahrt wären heuer wieder um die 15 000 Besucher erwartet worden. Die Stadt hat die Veranstaltung nun abgesagt. Und auch in Benediktebeuern fällt die traditionsreiche Wallfahrt wieder aus.
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Zur Tölzer Leonhardifahrt wären heuer wieder um die 15 000 Besucher erwartet worden. Die Stadt hat die Veranstaltung nun abgesagt. Und auch in Benediktebeuern fällt die traditionsreiche Wallfahrt wieder aus.

Durchsetzung von 3-G nahezu unmöglich

Wegen Corona: Traditionelle Leonhardifahrt im Tölzer Land wieder abgesagt - „Trifft uns alle hart“

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Im zweiten Jahr in Folge fällt Leonhardi der Corona-Pandemie zum Opfer. Die beiden Wallfahrten in Bad Tölz und Benediktbeuern sind nun offiziell abgesagt.

Bad Tölz/Benediktbeuern – Die Nachricht kommt nicht mehr überraschend, aber erst jetzt ist sie unverrückbar: Die Stadt Bad Tölz und die Gemeinde Benediktbeuern haben am Dienstagmorgen in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt, dass die Leonhardifahrten in beiden Orten abgesagt sind. Die jeweiligen Leonhardiausschüsse, die in Benediktbeuern am Freitag und in Bad Tölz am Montag tagten, seien zu dem Schluss gelangt, dass es auch heuer keine rechtliche Möglichkeit zur Durchführung der Pferdewallfahrten gebe.

Bad Tölz: Leonhardifahrt wegen Corona in typischer Form nicht erlaubt

Wie die Tölzer Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach erklärt, hatten die Gemeinden im Vorfeld eine juristische Einschätzung des Landratsamts eingeholt, ob die Veranstaltungen mit der 14. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 1. September 2021 vereinbar gewesen wären.

Die Kreisbehörde wiederum habe Rücksprache mit der Regierung von Oberbayern gehalten. Das Ergebnis der Behörden: In der geplanten, typischen Form sind die Leonhardifahrten nicht erlaubt – und zwar gemäß Paragraf 15, Absatz 1 der Verordnung. Dort steht: „Volksfeste und öffentliche Festivitäten sowie das Feiern auf öffentlichen Plätzen und Anlagen sind untersagt.“

3-G-Regeln bei Leonhardifahrt: Praktische Umsetzung „schwer vorstellbar“

„Aber selbst wenn es dieses explizite Verbot nicht gäbe, wäre auch nur schwer vorstellbar gewesen, wie die rechtlich geforderte 3G-Regelung praktisch hätte umgesetzt werden sollen“, ergänzt Birte Otterbach. So hätte sichergestellt werden müssen, dass alle Teilnehmer und Besucher – „allein in Bad Tölz würden rund 15 000 Gäste erwartet“, so Otterbach – geimpft, genesen oder getestet sind.

„Die Nachweise zu kontrollieren, ist bei den nach außen nicht abgeschirmten Veranstaltungen und den zu erwartenden hohen Besucherzahlen nicht realistisch“, so die Sprecherin. Insoweit habe es für die Stadt Bad Tölz und die Gemeinde Benediktbeuern keine Möglichkeit gegeben, eine anderslautende Ermessensentscheidung zu treffen.

Absage wegen Corona: Langjähriger Leonhardifahrer hatte bis zum Schluss einen Rest Hoffnung

Die beiden Bürgermeister äußern ihr Bedauern. „Die erneute Absage trifft uns alle hart“, lässt sich der Tölzer Rathauschef Ingo Mehner zitieren. „Außenstehende können wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen, was das für die Leonhardifahrer und für die Tölzerinnen und Tölzer bedeutet.“ Ähnlich äußert sich sein Benediktbeurer Kollege Toni Ortlieb: „Dass eine der wichtigsten Veranstaltungen in der Gemeinde im Jahreslauf zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden muss, tut uns, besonders auch im Namen der zahlreichen Helfer, Gespanne und Rosserer, sehr leid.“

Einen kleinen Rest Zuversicht hatte sich bis zuletzt Anton Mayer aus Ellbach bewahrt. Für den Landwirt steht bereits die 50. Teilnahme als Leonhardifahrer an. Dieses persönliche Jubiläum muss er nun zum zweiten Mal aufschieben. „Wir hatten die Pferde schon etwas vorbereitet, es wäre klar gewesen welche Pferde im Vierergespann nebeneinander laufen – mit der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch gelingt, die Leonhardifahrt durchzuführen“, berichtet er.

Gleichzeitig sei ihm klar gewesen, dass die Durchsetzung der 3G-Regel schier unmöglich gewesen wäre. „Wenn genug Menschen geimpft wären, dann wäre halt schon ein großes Problem aus der Welt“, bedauert er. „Aber da müssten die Leute eben mitspielen.“ Unter den gegebenen Umständen „kann ich die Entscheidung vollkommen verstehen“, so Mayer.

Benediktbeuern: Tradition der Leonhardifahrt zu tief verwurzelt um abzureißen

Als verantwortungsvoll stuft der Benediktbeurer Pfarrer Heiner Heim die Absage ein. „Wir wollen ja die Situation nicht verschlimmern, sondern im Gegenteil einen Beitrag leisten, dass wir zur Normalität zurückkehren können“, erklärt der Geistliche. Erfreut ist freilich auch er nicht: „Leonhardi ist ein wichtiges Fest für das Dorf und die Gemeinschaft, da geht schon was verloren.“ Der Pfarrer ist aber sicher, dass die Tradition auch durch die zweite Absage in Folge nicht abreißt. „Dazu ist sie zu tief verwurzelt. Wenn die Leonhardifahrt wieder stattfindet, werden alle wieder mit Begeisterung dabei sein.“

Daran hegt auch Mayer keinen Zweifel. „Wir werden nahtlos wieder anknüpfen“, verspricht er. „Die Fuhrleute sind alle sehr darauf bedacht, die Tradition aufrecht zu erhalten.“

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