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Die Tölzer Leonhardifahrt lockte am Montag wieder tausende Zuscheuer an. Drei tage später wird sie heute offiziell in das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Festakt in der Residenz

Leonhardifahrt wird heute offiziell Kulturerbe

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Bad Tölz – Eine 20-köpfige Delegation aus Bad Tölz fährt heute zu einem Festakt in der Münchner Residenz. Kultusminister Ludwig Spaenle lädt ein: In festlichem Rahmen werden zehn Traditionsveranstaltungen und Bräuche in das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Neben dem Zwiefachen, dem Feldgeschworenenwesen und dem Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald ist – drei Tage, nachdem sie wieder stattgefunden hat – die Tölzer Leonhardifahrt neu auf der Liste. Aus Sicht von Klaus Pelikan, der von städtischer Seite die Leonhardifahrt begleitet, ist das eine bedeutende Anerkennung.

Herr Pelikan, was macht die Tölzer Leonhardifahrt so besonders, dass sie ein immaterielles Kulturerbe ist?

Klaus Pelikan

Man hat es ja gerade am Montag wieder gesehen: Die Tölzer Leonhardifahrt ist herausragend durch ihr unausgesprochenes Regelwerk, durch die Bewahrung ihrer Originalität, durch ihre Pracht und Gewalt im positiven Sinn. Wenn die Kirchenglocken läuten und es losgeht, bekomme ich jedes Mal wieder eine Gänsehaut. Was auch auffällt, ist der unbändige Wille und die Freude daran, die Fahrt jedes Jahr so zu begehen. Das gilt gerade auch für die jungen Leute. Es kann sein, dass ich an der Supermarktkasse eine junge Frau sehe, gepierct und mit lila Haaren. Aber an Leonhardi sitzt sie brav als Wallfahrerin auf dem Wagen und ist mit Inbrunst dabei.

Was bringt die Aufnahme auf die bayerische Kulturerbe-Liste?

Im Rathaus sehen wir das auf der einen Seite als Anerkennung der Tradition und der Kultur, auf der anderen Seite als Schutzfunktion vor übereifrigen Bürokraten. Bei der Leonhardifahrt läuft nicht alles nach DIN-Norm. Die Fuhrwerke sind auf Eisenreifen unterwegs, nicht auf Gummireifen, sie haben keine Hydraulikbremsen, und sind nicht nach der Straßenverkehrsordnung beleuchtet. Die Aufnahme als Kulturerbe ist ein großer Schritt zur Sicherstellung und Bewahrung der Wallfahrt, wie sie ist. Man weiß nie, auf welche Ideen Bürokarten der EU und des Bundes kommen, zum Beispiel – ich übertreibe bewusst –, jeden Wagen außenrum mit LED-Lampen auszustatten.

Ist die Klassifizierung als Kulturerbe nicht auch eine Einengung?

Nein. Das wäre nur der Fall, wenn wir Grundsätzliches ändern würden. Beim Bau der Dresdner Waldschlösschenbrücke war es natürlich ein Problem, dass der Entzug des Welterbetitels drohte. Doch so weitgehende Veränderungen wird es bei der Leonhardifahrt nicht geben.

Kann die Leonhardifahrt auch Weltkulturerbe werden?

Das wäre noch ein ganz, ganz weiter Weg. Mit der Aufnahme in die bayerische Liste wird die Leonhardifahrt vom Freistaat jetzt zunächst einmal für die Bundesliste gemeldet. Ob wir es auf diese Liste schaffen, darüber soll noch dieses Jahr die Kultusministerkonferenz entscheiden. Das wäre aus unserer Sicht schon ein sehr erfreuliches Ergebnis. Von der deutschen Liste wird aber nicht einmal ein Vorschlag pro Jahr auf die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Dass wir da dabei sind – ich denke, da solten wir den Mund nicht zu voll nehmen.

Dient der Kulturerbe-Titel auch der Werbung?

Wie Sie wissen, war ich selbst lange Touristiker (Pelikan war bis 2012 Kurdirektor, Anm. d. Red.). Es wäre gelogen, wenn man sagt, dass die Tourist-Info mit dem Titel nicht werben könnte. Es wird dabei aber mit Sicherheit immer darauf geachtet, klarzustellen, dass Leonhardi eine Wallfahrt ist und weder ein Event noch ein Pferderennen oder ein Schnapsbesäufnis.

Für Sie war es die letzte Leonhardifahrt, die Sie von der Stadt aus begleiten, bevor Sie zum Jahresende in Ruhestand gehen.

Ja. Deswegen schwingt jetzt schon etwas Wehmut mit. Die ganze Vorbereitung, das Laden, die Zugnummern-Verlosung, die Wallfahrt selbst und der abschließende Empfang in der Franzmühle: Das alles war etwas Besonderes für mich, und es wird mir fehlen. Der jetzige Festakt ist aber ein schöner Abschluss.

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