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Leser helfen helfen: Aus den Wechseljahren in die Lebenskrise

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Ihren Bandscheibenvorfall erwähnt Carolin A. nur am Rande. Denn die Wechseljahre brachten in ihrem Körper alles durcheinander. So sehr, dass sie ihren Beruf als Betreuungsassistentin aufgeben musste. Dann kam auch noch der Brustkrebs. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Carolin A. (Name von der Redaktion geändert) achtet auf ihren Körper, auch wenn sie sich nicht wohl in ihm fühlt. An einem Morgen im Jahr 2016 ist das lebenswichtig. „Ich habe mir angewöhnt, mich beim Duschen selbst abzutasten“, erzählt sie. An jenem Tag ertastet Carolin A. zwei Knoten in ihrer linken Brust und geht deshalb zum Arzt. Der findet noch einen weiteren – und die Diagnose: Brustkrebs.

Als wäre die Frau mit Mitte 50 noch nicht genug vom Schicksal gebeutelt: Der Bandscheibenvorfall ist da – so blöd es klingt – noch das geringste Problem. Das viel größere im Falle von Carolin A. waren die Wechseljahre. Depressive Verstimmungen bringen sie schon mal mit sich – die Isarwinklerin aber stürzten sie in eine Lebenskrise. „Mein Körper hat komplett gesponnen. Ich habe am Rad gedreht. Und das Bett war jeden Morgen voller Blut“, erinnert sie sich. Sie sei extrem geschwächt gewesen. „Und ich habe wegen jeder Kleinigkeit geheult. Dazu kamen die ständigen Hitzewallungen, die ich sogar heute manchmal noch habe.“

„Das Geld reicht hinten und vorne nicht“

Die Wirkungen des Wechsels machen es Carolin A. unmöglich, als Betreuungsassistentin in einem Pflegeheim weiterzuarbeiten. „Ich habe meine Senioren geliebt – und sie mich“, sagt sie. 2013 muss sie ihren Beruf mit einem ärztlichen Attest aufgeben und Hartz IV beantragen. „Seitdem geht’s mir richtig schlecht. Das Geld reicht hinten und vorne nicht.“

Ihre Zwei-Zimmer-Wohnung in der Tölzer Umgebung ist mit etwas über 600 Euro Warmmiete einfach zu teuer. Etwas noch günstigeres zu finden, ist auf dem hiesigen Wohnungsmarkt in ihrer Situation schier unmöglich. Auf ihren 40 Quadratmetern geht ständig etwas kaputt, zuletzt das Rollo im Schlafzimmer. „Solche Sachen lassen mich verzweifeln“, sagt sie. Vor allem, weil sie Alltagsprobleme gerne selbst lösen würde – aber nicht kann. „Ich darf nichts heben, was annähernd schwer ist.“ Selbst ihr Bett zu beziehen, wird zur Tortur.

Ein passender Begriff auch für das, was Carolin A. nach der Brustkrebs-Diagnose durchleben musste. Kurz gesagt waren es fünf Operationen: Bei der ersten wurde ihr die linke Brust entfernt, die anderen vier waren im Nachhinein alle umsonst. Nach dem fünften Eingriff gab der Arzt auf: Das künstliche Implantat und Carolin A. passten einfach nicht zusammen. „Mein Körper hat es abgestoßen.“ Und wie: Immer wieder begann es, an den Operationsnarben zu bluten und zu eitern. Genauso schlimm wie die Schmerzen ist für die nun 57-Jährige der Ekel vor dem eigenen Anblick: „Ich traue mich nicht mal mehr, mich vor einer Frau auszuziehen. Ich will einfach nicht mit nur einer Brust leben“, sagt sie.

Wenn Carolin A. daheim in ihrem kleinen Wohnzimmer sitzt, ist sie oft in Gedanken schon bei der nächsten OP. Im Januar will es der Arzt mit Eigenfett statt künstlichem Material versuchen. Wohl ihre letzte Chance auf eine zweite Brust.

Die einzige gute Nachricht in dieser Geschichte ist, dass der Krebs nicht gestreut hat, sagt Carolin A. Aber sie weiß auch: „Er kann wieder kommen.“

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