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Spendenaktion: Leser helfen helfen

Der Tod der Mutter stürzte ihn ins Chaos

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Als die Mutter starb, verlor Rolf L. seine einzige Bezugsperson. Dem 57-Jährigen fehlt nicht nur jeglicher sozialer Kontakt, sondern auch das Geld für eine ordentliche Matratze.

Bad Tölz-Wolfratshausen  – Was hilft finanzielles Kapital, wenn das soziale Kapital fehlt. Rolf L. hat von beidem sehr wenig. Mit dem Arbeitslosengeld schleppt sich der 57-Jährige gerade so von einem Monat in den nächsten. Noch dramatischer: Er kann keinen einzigen Freund nennen. Und Familie? Gibt es seit dem Tod der Mutter vor drei Jahren auch nicht mehr.

Rolf L. ist ein klassischer Fall für die Kurier-Spendenaktion „Leser helfen helfen“. Ilka Öhrlein von der

Tölzer Diakonie betreut den Mann aus Tölzer Umgebung und vermittelt ihn schließlich. Am Telefon ist sie nicht ganz sicher, ob das mit dem Interview Sinn macht: „Er redet wenig und sehr ungern über seine schwierige Situation.“ Öhrlein vermutet eine Art Sozialphobie bei Rolf L.

Beim Gespräch mit dem Reporter unserer Zeitung huscht ein gebrechlicher Mann aus seinem Sessel hoch – und fängt überraschenderweise sofort an zu erzählen. Zunächst spricht er von seinen vielen körperlichen Leiden – die kaputte Hüfte, der schmerzende Rücken und die Augen-OP, der er sich kürzlich wegen des grauen Stars unterzog. Als es dann um seine Mutter geht, wird klar, wie sehr sich Rolf L. für dieses Gespräch überwinden musste. „Ihr Tod, das war ein Schlag in die Fresse“, platzt es irgendwann aus ihm heraus. Die Mama war seine einzige Bezugsperson, mit Mitte 50. Er hing an ihr – und sie an ihm. „Uns ging es gut“ sagt er. Die kleine Rente der alten Frau und sein Hartz IV-Satz reichten für das Nötigste im Leben.

Rolf L. tat alles dafür, dass es seiner Mutter, die am Ende schwer krank war, einigermaßen gut ging. Sie kümmerte sich bis ins hohe Alter um den Haushalt und darum, dass ihr Sohn ordentliche Mahlzeiten auf den Tisch bekam. Jetzt macht das niemand mehr. Der 57-Jährige muss alleine in seiner chaotischen 35-Quadratmeter-Bude zurechtkommen. Wie man einen Haushalt führt, hat er nie wirklich gelernt.

Ilka Öhrlein von der Diakonie überlegt deshalb, ab und an einen mobilen Sozialdienst nach ihm sehen zu lassen. „Er ist komplett vereinsamt“, sagt die Sozialpädagogin. Der Blick in die Zukunft von Rolf L. offenbart ein tragisches Dilemma: Bei körperlicher Arbeit spielen Hüfte und Rücken nicht mit, bei geistiger der Kopf. Außer einer spärlichen Schulbildung hat er nichts vorzuweisen. „Die wollen ja heute immer Zeugnisse sehen“, sagt er. Vor vielen, vielen Jahren hat er mal als Verpacker im Versandhandel geholfen. Es waren weniger bürokratische Zeiten, in denen Arbeitsverträge noch per Handschlag besiegelt wurden. Die sind aber längst vorbei.

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