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Wenn jeder Schritt zur Qual wird

Anna P. leidet an den Folgen einer Kinderlähmung, an der sie im Alter von zwei Jahren erkrankte.

Bad Tölz-WolfratshausenIhr Radius wird immer enger, ihre Welt dadurch immer kleiner. Das Haus zu verlassen, um einkaufen zu gehen, einen Besuch zu machen oder einen Arzttermin wahrzunehmen, ist seit einiger Zeit fast unmöglich. Anna P. (Name geändert) bewegt sich auf Krücken oder im Rollstuhl. Die steile Treppe hinauf zu ihrer Wohnung im ersten Stock kann sie nur schwer überwinden. Fürs Autofahren ist ihr Fuß zu schwach, um auf die Kupplung zu treten. Um einigermaßen selbstständig zu bleiben, bräuchte sie ein Automatikauto mit niedriger Laderampe, in das sie ihren Rollstuhl auch alleine hineinverfrachten kann. Doch dazu reicht das Geld nicht.

Anna P. leidet an den Folgen einer Kinderlähmung, an der sie im Alter von zwei Jahren erkrankte. „Ich war einer der letzten Jahrgänge, die nicht geimpft wurden“ sagt sie. Es war damals ein traumatisches Erlebnis für das kleine Mädchen: Sie musste ein halbes Jahr in Quarantäne bleiben. Drei Wochen lag sie in der „Eisernen Lunge“, weil ihr Leben auf dem Spiel stand. Doch sie erholte sich, konnte später ganz normal in die Schule gehen. Sie erlernte den Beruf der Erzieherin, zog vor vielen Jahren aus ihrer Heimat Baden-Württemberg nach Bayern.

Seit gut 20 Jahren lebt sie in einer Gemeinde im Landkreis in einer kleinen Wohnung. Bis vor zwei Jahren kam die schlanke Frau, Ende 50, gut zurecht mit ihrer Gehbehinderung. Sie war aktiv, viel in der Natur unterwegs, ging ihrer Arbeit in der Behindertenbetreuung nach und brauchte kaum Hilfe im Alltag. „Ich konnte mein Leben leben.“

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Doch seit dem „großen Einbruch“, wie sie es nennt, ist alles sehr schwierig geworden für die einst aktive Frau. 2017 kam zusätzlich zur immer schwächer werdenden Muskulatur eine Blutung im Rückenmark dazu, ausgelöst durch eine Venengeschwulst. Dadurch wurden die Nerven in ihrem linken Bein geschädigt. Außerdem kam heraus, dass sie vermutlich an Multipler Sklerose leidet. „Gott sei Dank ohne Schübe“, sagt sie. Dafür ist sie dankbar.

Auch heute noch sagt Anna P. von sich: „Ich bin eine Kämpferin. Ich will nicht aufgeben.“ Doch jeder Handgriff und jeder Schritt kosten sie mittlerweile immens viel Kraft. Froh ist Anna P. deshalb über ihre guten Freunde, die beim Einkaufen helfen oder ihr die Wäsche und die Holzscheite für den Ofen hinauftragen.

An manchen Tagen ist sie sehr niedergeschlagen. Gerade im Winter, wenn mal wieder gar nichts geht, die Schmerzen groß sind, sie schlecht schläft und ihr die Decke auf den Kopf fällt. Dann plagen Anna P. Zukunftsängste. Das Geld ist knapp. Ihr Rentenantrag ist noch nicht durch. Seit etwa eineinhalb Jahren kann sie nicht mehr arbeiten. Sie lebt vom Krankengeld und vom Ersparten. Trotz allem sagt Anna P.: „Anderen Leuten geht es schlechter als mir.“

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So gut es geht, lenkt sie sich ab. Sie häkelt, schaut Filme, recherchiert im Internet und kümmert sich um ihre Katze und ihren kleinen Haushalt. Anna P. würde so gern ein wenig Selbstständigkeit zurückerobern. Eine Ausschüttung aus der Aktion „Leser helfen helfen“ würde sie verwenden, um es auf den Erlös ihres verkauften Autos draufzupacken und vielleicht einen gebrauchten, behindertengerechten Pkw zu erstehen. Damit könnte sie zum Beispiel zum Handarbeitscafé fahren oder zum neu gegründeten „Café Miteinand“ im evangelischen Gemeindehaus Bad Tölz. Das würde für sie ein Stück Lebensmut bedeuten. (Ines Gokus)

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