Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse
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Einen besonderen Abend bot der Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse den Gästen im Tölzer Vitalzentrum.

Journalist und Bestsellerautor Tim Pröse gastiert mit Lesung „Hommage an Sophie Scholl“ in Bad Tölz

Bestsellerautor liest „Hommage an Sophie Scholl“ in Bad Tölz

Der Journalist und Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse hielt im Tölzer Vitalzentrum anlässlich zu Sophie Scholls 100. Geburtstag eine Lesung zu den Widerstandskämpfern der „Weißen Rose“.

Bad Tölz – Zu Sophie Scholl und dem Widerstand der „Weißen Rose“ gegen das NS-Regime – wie kann man Menschen erneut auf dieses Thema aufmerksam machen? Dem Journalist und Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse gelingt das mit seiner Lesung „Hommage an Sophie Scholl“, mit der er zu ihrem 100. Geburtstag heuer auf Reisen gegangen ist. Dabei machte er auch Station im Tölzer Vitalzentrum, auf Einladung der Georg-von-Vollmar-Akademie Kochel.

Bei der Diskussion unterstützte ihn die Historikerin Ulrike Haerendel von der Bundeswehruniversität. Sophie Scholls Schwester, Inge Aicher-Scholl, vertraute Pröse persönliche Aufzeichnungen an: „Erinnerungen an München“, in denen sie die letzten Stunden und Begegnungen mit ihren Geschwistern festgehalten hatte. Damit gelang dem Autor, emotionale Nähe zu den Widerstandskämpfern herzustellen. Er setzte auf „Gefühl“, wie er zu Beginn erklärte, anstatt auf Aneinanderreihung von geschichtlichen Daten. Und damit rückten die Befreiungstat und die Tragik der Mitglieder der „Weißen Rose“ deutlich ins Bewusstsein.

Emotionale Nähe zu den Widerstandskämpfern

Des Weiteren gehörten Schilderungen dazu, wie sich Eltern und Kinder voneinander verabschiedeten und wie einsam die Beerdigung war, weil NS-Spitzel den Friedhof bewachten, um Komplizen zu verhaften. Immer wieder spielte Pröse auch Lieder vor, darunter eines von Konstantin Wecker über die „Weiße Rose“ mit dem Vers: „Es ging ums Tun und nicht ums Siegen.“ In diesem Sinne wandte sich Pröse gegen die Vereinnahmung von Sophie Scholl durch die Querdenkerszene: „Inhaltlich ist das eine ganz andere Herangehensweise. Die Querdenker verfolgen ihre eigenen Ziele. Sophie Scholl ging es nie um persönliche Ziele.“

Pröse versucht, die Jugendlichen zu erreichen

Pröse liest auch an Schulen und wird dort immer wieder mit Antisemitismus konfrontiert. „Der kommt aus den Familien dieser Schüler“, sagt der Autor. Er versucht, diese Jugendlichen emotional zu erreichen, indem er ihnen beispielsweise die Vorstellung schildert, nicht in einer luftigen Aula zu diskutieren, sondern in einem fensterlosen, niedrigen Raum, vollgepfercht mit Menschen, ohne Aussicht auf Befreiung.

Pröse hat nicht nur 18 Widerstandskämpfer in seinem Buch „Jahrhundertzeugen“ porträtiert, sondern einige auch persönlich kennengelernt und begleitet. So berichtete er bei seiner Tölzer Lesung von einem Überlebenden der Shoah, mit dem er auf dessen Wunsch eine Kur in Bad Reichenhall verbrachte. Der Senior blickte einmal von seinem Liegestuhl in der Sonne aus auf den Obersalzberg, Hitlers Privatdomizil. Pröse machte ihn darauf aufmerksam, worauf der Zeitzeuge gelassen antwortete: „Na und? Er ist tot. Ich lebe.“

Diese Berichte, die Pröse in der Diskussion mit den Zuhörern nach der Lesung einstreute, machten den Abend so besonders. (Birgit Botzenhart)

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