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Magdalena Korn – hier mit Mama Rosa Hellwasser – kam als vorletztes Tölzer Kindl am 28. März um 18 Uhr zur Welt. Die Kleine wiegt 3030 Gramm und ist 51 Zentimeter groß. Nach ihr wurde um 20.57 Uhr noch ein weiteres Mädchen geboren, das mittlerweile aber nach Garmisch verlegt wurde.

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Die letzten Tölzer Kindl

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Die Geburtshilfe am Tölzer Krankenhaus ist Geschichte. Am Dienstagabend kurz vor 21 Uhr kam das vorerst letzte Tölzer Baby zur Welt. Ärzte, Hebammen und Stationsschwestern versuchen, zwischen Trauer und Wut nach vorne zu blicken.

Bad Tölz – Es ist still an diesem Donnerstagmittag in der Station 2 der Tölzer Stadtklinik. Kein Baby schreit. In den Gängen: gähnende Leere. Keine Hebammen oder Krankenschwestern, die von Zimmer zu Zimmer eilen. Stationsleiterin Ljubica Kovacevic kann ihre Gefühle nicht verbergen. „Es ist so traurig“, sagt sie sichtlich berührt. „Wir haben es alle nicht glauben wollen. Nicht, bis die Wickeltische abgeschraubt werden.“ Fast 22 Jahre hat sie hier gearbeitet.

Drei Frauen werden mit ihren Babys derzeit noch auf der Station betreut. Das letzte Tölzer Kindl kam am Dienstag um 20.57 Uhr auf die Welt. Es wurde allerdings nach Garmisch verlegt. Das Vorletzte ist die kleine Magdalena Korn, die brav auf dem Arm ihrer Mama Rosa Hellwasser schlummert. Nur manchmal wagt sie einen kleinen Blick und blinzelt in den Raum. Sie hatte es eilig, berichtet Hellwasser. Zwei Wochen zu früh kam das kleine Mädchen auf die Welt. Hätte sie sich an den errechneten Termin gehalten – sie wäre nicht mehr in Tölz geboren worden. „Bei uns wäre das aber recht unkompliziert gewesen“, sagt Hellwasser. „Wir wohnen in Otterfing, wir wären nach München gefahren.“ Aber sie freue sich, dass es mit Tölz geklappt habe. Denn dort sei sie selbst geboren – genauso wie der bald dreijährige Bruder der kleinen Magdalena. „Es war hier immer sehr schön.“ Dass es vorbei ist, findet Hellwasser schade. „Da fehlt etwas.“

Belegarzt Dr. Stephan Krone hatte am letzten Abend Dienst. „Es war schon eine komische Stimmung“, berichtet er. „Wir mussten unsere Gefühle im Zaum halten, wir hatten ja unsere Arbeit zu tun.“ Aber es seien in letzter Zeit unheimlich viele Tränen geflossen, sagt Hebamme Martina Winkler. „Es war alles wahnsinnig emotional.“ Doris Wallé fühlt ähnlich. „Es war eine wahnsinnig stressige Zeit, die viel Kraft gekostet hat“, sagt die Tölzer Hebamme. „Und unser Einsatz hat nicht gefruchtet.“ Das mache sie traurig, aber auch wütend. „Wir haben so viel gekämpft und konnten es leider nicht ändern“, sagt Winkler. „Ich bin einerseits froh, dass die Hängepartie rum ist, aber auch enttäuscht, weil wir uns so für den Erhalt eingesetzt haben“, sagt Krone. „Jetzt muss man sehen, wie die Lücke zu füllen ist.“

Eine Lücke wird es sicher geben. „Wir hatten heuer viele Geburten. Die Station ist bis zuletzt gut angenommen worden“, sagt Kovacevic. 131 Babys waren es bis 28. März. Hochgerechnet hätte es also erneut ein Jahr mit gut 500 Geburten werden können.

Bis heute um 12 Uhr werden gynäkologische Notfälle noch angenommen, Geburten allerdings nicht mehr. Wie Asklepios auf Anfrage mitteilt, werden schwangere Frauen, die in Zukunft zur Klinik kommen, mit dem Rettungsdienst in ein anderes Krankenhaus in der Region gebracht. Darüber seien die Kooperationspartner, die niedergelassenen Gynäkologen, Notärzte, Rettungsdienst und werdenden Mütter informiert.

Für Ljubica Kovacevic und ihre Mitarbeiterinnen geht es nun an die schwere Aufgabe, die Zimmer auszuräumen und die Station abzuwickeln. Sie sei aber froh, dass ihr Team zusammenbleibe, auch wenn sie noch nicht wisse, in welchem Bereich es künftig an der Stadtklinik eingesetzt wird. Auch Krone blickt nach vorne. Nach einer Bedenkzeit möchte er sich entscheiden, ob er an anderer Stelle in der Geburtshilfe weiterarbeiten will.

Martina Winkler bleibt nach derzeitigem Stand dem Landkreis als Hebamme erhalten. Doris Wallé ist von werdenden Müttern bis in den November gebucht – für die Nachsorge. „Die Mamas brauchen uns ja weiterhin. Die Hebammen in Wolfratshausen und Agatharied würden es nicht schaffen, all diese Frauen mitzubetreuen.“

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