Zum letzten Mal im Stadtrat

Lichtblicke und Problemfälle: Tölzer Bürgermeister Josef Janker zieht Jahresbilanz

„Eine sehr befriedigende Tätigkeit mit viel Gestaltungsspielraum“: So fasst Bürgermeister Josef Janker seine zwölfjährige Tätigkeit als Tölzer Bürgermeister zusammen.

Bad Tölz– Ende April geht Josef Janker in den Ruhestand. Es war die letzte Jahresschluss-Rede, die er vor dem Stadtrat halten durfte, und ein bisschen war ihm das in der Weihnachtssitzung anzumerken. Auch wenn’s nur im Umkehrschluss zu erkennen war: demonstrativ keine Wehmut zeigen, besonders nüchtern und entschlossen wirken.

Das Jahr 2019 sei für die Stadt gut gelaufen, bilanzierte er und zählte eine lange Liste von Projekten auf, die erledigt oder in die Wege geleitet sind. Etwa die Boulderhalle: Da Tölz finanziell gut dastehe, habe sich die Stadt so ein Projekt leisten können, das einen weiteren Mosaikstein für die Sportstadt Tölz darstellen werde. Janker erwähnte auch das langjährige Wunschprojekt des Turnvereins, die Bewegungshalle. Das Vorhaben sei neben der Dreifachturnhalle vorstellbar und möglich, wenn der neue Stadtrat dies wolle.

Kernthema des Jahres und der kommenden Stadtratsperiode werde das Problem der fehlenden bezahlbaren Wohnungen sein. An der Osterleite, in der Kohlstatt und an der Königsdorfer Straße (Holzner-Haus) seien erste Schritte in die richtige Richtung getan worden. Auf der städtischen Fläche an der Arzbacher Straße kündigte Janker weitere 30 bis 40 Wohneinheiten an.

Stadt Tölz ehrt Bürger: „Sie leben Werte unserer Gesellschaft“

Der Bürgermeister vergaß in dem Zusammenhang auch die Familiennotunterkünfte nicht, die der Stadtrat beschlossen hatte. Neben dem Rotweiß-Sportplatz werden im Frühjahr drei „Mobile Homes“ aufgestellt, die die Kommune von Reichersbeuern erworben hat. Dort sollen in Not geratene Familien kurzfristig eine Unterkunft finden. Wenn 2026 die von der Stadt geschaffene Gemeinschaftsunterkunft auf der Flinthöhe an die Kommune zurückfalle, soll die Familiennotunterkunft an die Anton-Höfter-Straße ziehen.

Auch ein Wohn-Thema: Auf der Zwickerwiese werde Wohneigentum für vornehmlich Tölzer Familien geschaffen, sagte Janker. Das Bebauungsplan-Verfahren mit zahlreichen Einwendungen der Heißstraßen-Anlieger laufe. Das alles könnte schneller gehen, sagte Janker. Doch sei die Ausweisung eines Wohnbaugebiets „ein hochkomplexer baurechtlicher Vorgang. Um späteren Klagen entgegnen zu können, sind belastbare Gutachten nötig.“

Ein großes Thema seien 2019 die Tiefbauarbeiten in der Nockhergasse gewesen. Janker entschuldigte sich für die Beeinträchtigungen der Anlieger. Die Arbeiten seien aber nötig gewesen. Die Anwohner seien mit der partiellen Sperrung der Straße aber letztlich ganz gut zurechtgekommen. Im Frühjahr beginne die nächste Bauphase.

Für eine zukunftsträchtige Lösung hält Janker auch die Josefistift-Auslagerung auf die Flinthöhe. Zumal der Stadtrat beschlossen habe, das alte Josefistift-Areal nicht zu verkaufen, sondern dort ein Seniorenzentrum mit alternativen Wohnformen zu schaffen.

Als „Lichtblick“ bezeichnete der Bürgermeister den Planfeststellungsbeschluss der Nordspange. Das sei ein Segen für Zehntausende täglich im Stau stehende Nutzer der Bundesstraße.

Ist alles gut gelaufen? Janker räumte ein, dass die Stadt bei den Themen Jod AG, Bahnhof und Postareal keinen Schritt weitergekommen sei. Es sei aber „Unsinn“, zu behaupten, dass „wir nicht mit den Eigentümern sprechen wollen. Wir unternehmen immer wieder Anläufe.“ Das von Bürgerseite gerne ins Gespräch gebrachte Mittel der Enteignung hält der Bürgermeister in der Praxis für nahezu undurchführbar. Den Vorwurf des Schneckentempos will Janker nicht auf sich sitzen lassen. Vieles geschehe im Hintergrund. So etwa auch beim geplanten Kneipp-Garten im Kurpark. Da hätten erst die Kritiker vom Bund der Steuerzahler und vom Freundeskreis Badeteil „befriedet“ werden müssen. Kürzlich sei aber nun die Auftragserteilung fürs neue Jahr beschlossen worden.

Als Senior des Gremiums bedankte sich Jürgen Renner (SPD) bei der Rathausspitze für die gute Zusammenarbeit, nicht ohne anzumerken, dass „gewisse zeitliche Wissensvorsprünge der Verwaltung aus Sicht der Stadträte geringer sein dürften“. Renner brach eine Lanze für die ehrenamtliche Arbeit der Stadträte, die sich mitunter gegen „durchsetzungsstarke Minderheiten“ und „finanzstarke Mitbürger, die sich teure Anwälte leisten können“, zu behaupten hätten.

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