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Voll besetzt war die Redaktion des Tölzer Kurier am Mittwochvormittag. Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz beantwortete unter anderem Fragen zu investigativem Journalismus auf Lokalebene.

Besuch in der Redaktion

Macht der Medien? „Wir nehmen unsere Verantwortung wahr“

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23 Seminarteilnehmer der Kochler Georg-von-Vollmar-Akademie besuchten die Kurier-Redaktion. Heraus kam dabei eine Gesprächsrunde über das, was Journalismus im Lokalen bewirken kann.

Bad Tölz –In Zeiten von Fake-News, unseriösen Meinungsmachern und gefälschten Internet-Accounts wird Medienverständnis immer wichtiger. Auf dieser Basis entschied sich die Kochler Georg-von-Vollmar-Akademie für ein Seminar mit dem Titel „Macht der Medien“ – und für einen Besuch in der Redaktion des Tölzer Kurier.

23 Teilnehmer aus ganz Deutschland wollten am Mittwochvormittag erfahren: Wie macht man eigentlich eine Zeitung? Und was kann Journalismus im Lokalen bewirken? Antworten lieferte Kurier-Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz. Ihre erste: „Das Wort Macht klingt sehr nach Unterdrückung. Wir spielen nicht unsere Macht aus, wir nehmen unsere Verantwortung wahr.“ Zum Beispiel wenn es um die Tölzer Leonhardifahrt geht, die 2010 zu extremen Alkoholexzessen geführt hatte. Nach der Berichterstattung darüber (für die sich der Kurier mitunter als „Nestbeschmutzer“ beschimpfen lassen musste), reagierte die Stadt knapp ein Jahr später – unter anderem mit dem Verbot, Alkohol auf öffentlichen Flächen zu verkaufen und der Vorgabe, dass die Wallfahrt nicht mehr an einem Samstag stattfindet.

Was läuft falsch? Eineinhalbjährige Recherche zur Benediktbeuerer Kläranlage

Mit weiteren Beispielen erklärte Ahn-Tauchnitz den interessierten Besuchern, wie investigativer Journalismus auf Lokalebene funktionieren kann. Sie berichtete von der eineinhalbjährigen Recherche von Redakteurin Christiane Mühlbauer über die Benediktbeurer Kläranlage. Im März hatte der Tölzer Kurier öffentlich gemacht, dass es unter dem alten Leiter Unregelmäßigkeiten im Betrieb der Anlage gab.

Die Redaktionsleiterin erzählte auch vom erfolgreichen Einsatz für den Erhalt der Schlehdorfer Mädchenrealschule im Jahr 2012 und kam auf die Aktualität zu sprechen: „Gerade im Wahlkampf darf man sich als Journalist von Politikern nicht vereinnahmen lassen.“

Die Seminarleiterin der Vollmar-Akademie Bára Procházková, selbst Journalistin beim tschechischen Fernsehen, war hinterher froh, ihre erwachsenen Schüler „mit Leuten aus der Praxis“ ins Gespräch gebracht zu haben. „Das Medienverständnis kommt in der Schule zu kurz. Man darf nicht alles glauben, was man liest“, sagte sie. Procházková wolle die Seminarteilnehmer dazu anregen, Quellen zu hinterfragen – gerade im Internet.

Seminarleiterin vom tschechischen Fernsehen

Für Harald Rüter war es der erste Besuch in einer Zeitungsredaktion: „Ich fand’s sehr informativ“, sagte er auf Nachfrage. „Ich habe Vertrauen in die Presse, sie hat als vierte Gewalt eine Kontrollfunktion“, erklärte der Mann, der sich selbst beruflich um Informationen kümmert – für die Passagiere am Frankfurter Flughafen.

Auch für Michael Decker ist „der Wahrheitsgehalt in der Presse“ in Diskussionen oft Thema. Als Kölner habe er sich nach der Silvesternacht 2015/16 gewundert, „was alles in die Berichterstattung hineininterpretiert wurde“. Der 51-Jährige arbeitet als Kostenanalytiker bei einem Autounternehmen. Für das einwöchige Seminar in Kochel stellte er einen Antrag auf Bildungsurlaub, den es in den meisten Bundesländern – aber nicht in Bayern – gibt.

Yvonne Kopps Medieninteresse ist beruflich bedingt: Die 26-Jährige arbeitet als Erzieherin im Odenwald. Viele Jugendliche würden zum Beispiel glauben, dass die Dschungelcamp-Promis tatsächlich wilden Tieren ausgesetzt seien. Kopp vermutet dagegen: „Die gehen abends ins Restaurant und bekommen was Vernünftiges zu essen.“ 

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